Traurigkeit bewusst leben, um sich selbst zu heilen

Aleks Glitzeric ist Yogalehrerin zwischen Zürich und Bali, Autorin des Blogs Magicallifeofaleks. Sie organisiert Workshops mit dem Titel „The Art of Selfcare – Soulsisters Abend“, die die Kraft der Weiblichkeit begrüssen, Selbstliebe würdigen und deren Ziel ist Ihre innere Göttin zum strahlen zu bringen.

Sie hat sich vor kurzem nach 1,5 Jahren Beziehung von ihrem Partner getrennt und ich fand rührend und mutig von ihr, ihre Traurigkeit bewusst zu leben und diese auch über die sozialen Netzwerke zu kommunizieren, die üblicherweise ein Schaufenster der Perfektion sind.

Sie haben sich kürzlich getrennt. Wie behandeln Sie Ihre Traurigkeit?

Ganz bewusst, als Teil von mir und meinem Leben. Traurigkeit ist nichts Negatives an und für sich – einfach ein Teil von all dem was wir als Mensch erleben – quasi nichts ist schwarz oder weiss – dazwischen liegt ein Regenbogen mit vielen „shades of grey“. Ich nehme die Traurigkeit und den Schmerz ernst, gewähre ihnen Platz – es ist wie gesagt nichts Negatives, aber auch nichts Leichtes. Es braucht viel Geduld und auch das Vertrauen, das alles FÜR und nicht GEGEN uns geschieht. Was kann ich also daraus lernen? Was zeigt mir der Schmerz? Was liegt dahinter und noch etwas tiefer? Ich stelle mir selbst viele Fragen, reflektiere, aber auch gleichzeitig sitze ich wortwörtlich mit allem, was hochkommen möchte – auch wenn es unangenehm ist. Ich teile auch alles auf Instagram und Facebook, da darf man gerne mal etwas stöbern und die Fragen auch für sich selbst reflektieren. Es geht darum ehrlich zu sich selbst zu sein und das heisst auch einen „reality check“ zu machen. Das hiess bei mir konkret zu hinterfragen, ob mein Wunschbild dieser Beziehung und die Realität überhaupt übereinstimmen. Die Antwort war ganz klar nein und dieses Bild, das man sich so fest gewünscht hat, loslassen war sehr schmerzhaft für mich. Weil damit musste ich auch eine Zukunftsvision, die mir Halt und Sicherheit vermittelte, aufgeben und ganz neu alleine orientieren. Ich habe in den letzten zwei Monaten seit der Trennung mehr verarbeitet und geheilt als in den letzten Beziehungen nach Jahren, daher bin ich sehr dankbar dafür und weiss, das alles wichtig ist, auch wenn es nicht immer so in unser Wunschbild passt. Je eher ich mich darauf fokussiere mit dem hier zu sein, was ist anstelle es zu bekämpfen, desto eher kann ich wirklich mit dem Leben weiterfliessen.

Sie haben Ihre Traurigkeit ehrlich auf Ihrer Facebook und Instagram mitgeteilt. Haben Ihre Fans positiv reagiert?

Es gibt immer zwei Reaktionen – die einen fühlen sich verstanden und finden es toll, da auch sie auf dem Weg sind zu mehr Authentizität und radikaler (Selbst-) Ehrlichkeit und dann triggerts natürlich auch ganz viel. Über 100 Leute haben mein Instagramprofil entfolgt – andersum haben ganz viele mit mir resoniert und konnten mit mir (wortwörtlich) connecten. Nicht jeder kann mit meiner Ehrlichkeit umgehen – vor allem wenn es um Schmerz geht. Der Mensch liebt es inspiriert zu werden, vergisst aber, dass die wahre Inspiration nur von tief Innen kommt und dort liegen halt auch die Dinge, die wir gerne ignorieren. Auf Instagram ist es easy einfach nur schön und inspirierend zu sein – das wünscht sich ja der Leser, so ein Leben voller Leichtigkeit und Glück – möchte aber möglichst wenig Unangenehmes dafür in Kauf nehmen. Das Leben ist aber kein Instagram-Bild – weder ein „positives“ noch „negatives“ – es ist immer nur ein klitzekleiner Ausschnitt und schlussendlich weiss nur die Person selbst (hoffentlich) wies ihr geht. Bei mir hats natürlich auch Reaktionen ausgelöst, wo man dachte ich versinke in Schmerz – aber das ist nicht wahr, nicht ganz jedenfalls. Der Leser sieht nur das, was sich die andere Person entscheidet zu teilen – das muss einem bewusst sein. Und es kommt meistens genau so an, wie wir uns das vorstellen und wie wir dazu im Moment fühlen. Ich glaube aber ganz fest, dass wir auf Social-Media sowie aber auch offline ehrlicher und authentischer sein dürfen – mehr Mensch sein – auch mal sagen können, wenn etwas nicht super ist, dass es für alles Platz hat. Weil niemandem gehts nur gut – niemals. Somit merkt man auch, dass man mit dem Ganzen nicht alleine ist und auch auf einer tieferen Ebene miteinander connecten kann.

„Über 100 Leute haben mein Instagramprofil entfolgt“

Gibst es Yogaübungen oder Rituale die Ihnen geholfen haben mit Ihrer Traurigkeit umzugehen?

  • Das Kundalini Yoga & therapeutische Gong Meditation bei WAHE in Zürich waren mega lösend und befreiend
  • Intuitives Tanzen 
  • Women Circles, Connecting & Sharing mit Soulsisters
  • Das Kali Göttin Mudra 
  • Feuerritual zum Loslassen -> da schreibt man alles auf und verbrennt es, sehr befreiend, danach schliesst man die Augen und stellt sich vor wie ein violettes Licht von den Füssen zum Kopf hinauf steigt und alles verbrennt, was dich blockiert und jetzt losgelassen werden darf.
  • Journaling / Schreiben
  • Checking-in: Wie fühle ich mich? Wie möchte ich mich fühlen? Was kann ich Praktisches für mich tun um eine Brücke dazwischen zu bauen um mich so, jetzt im Alltag, fühlen zu können?
  • Meditation & Chanting – ich hatte einen tollen Mantra-Singen und Stimmbildungs-Workshop mit Sabina Elsa Astolfi.
  • Ehrlich darüber reden ohne nachzudenken (mit mir selbst beim Spazieren & auch mit anderen & in Sharing Circles)
  • Herzöffnende Yin-Yoga-Posen wie z.B. auf zwei Blöcken (einen unter dem Kopf, einen zwischen Schulterblättern) oder auf grossem Yoga-Kissen liegen mit den Beinen und Armen ausgestreckt oder die Beine in der Butterfly-Pose. Und auch die Pigeon-Pose um Trauer in den Hüften zu lösen oder die Goddess Pose um die eigene Kraft und Stärke zu spüren.
  • Mit dem Neu- und Vollmond verbinden und einfach verstehen, was auch kollektiv vorgeht – es passiert so viel mehr als wir denken und vor allem gehts nicht nur uns so. Gute Quellen hier sind Mystic MammaMagical Soul BitchesThe Goddeess Circle und Chani Nicholas.
  • Am Wasser zu sein und zu meditieren und mir vorzustellen, dass auch ich wie ein Fluss bin, der einfach alles durchfliesst.
  • Musik – wie zum Beispiel diese von FiaAyla Nereo oder Peia. Auch die von Tom Rosenthal und Keaton Henson.
  • Mein Exfreund und ich hatten eine wunderschöne Abschiedszeremonie an dem Abend als wir uns getrennt hatten und auch danach ein klärendes Gespräch – Beziehungen müssen nicht immer dramatisch und in Groll enden – man darf alles fühlen was ist, muss sich aber auch bewusst sein, dass die andere Person dies in uns triggert, aber nur wir dafür verantwortlich sind.

Haben Sie andere Hilfe der Komplementärmedizin benutzt?

Ja, folgendes hat mir mega geholfen:

Haben Sie ein Buch, das Ihnen in diesem Prozess hilft?

  • From Suffering to Joy – The Path of the Heart by Sri Prem Baba
  • Happy Yoga by Steve Ross
  • Gut beraten mit Tarot (Buch & Karten) by Hajo Banzhaf

 

Und meine geliebten Harry Potter Bücher, weil man manchmal auch einfach eine (gedankliche) Pause braucht und sich diese auch nehmen darf.

Kein Buch aber sehr inspirierend:

 

Einmal pro Monat eine Sprechstunde von holistia im Postfach: