Angst vor der Geburt ?

Sie sind schwanger und fürchten sich vor der Geburt? Da gehören Sie zu der Mehrheit der Frauen. Vielleicht haben Sie von schlechten Erfahrungen gehört oder zu viel im Internet recherchiert.

Mit einer mentalen Vorbereitung für die Geburt, ist es einfach, sich von seiner Angst loszulösen und positiv auf die Geburt zu blicken.

Nadine Ballmer ist Hypnotherapeutin und hat vor 8 Jahren Hypnobirthing Schweiz gegründet. Seitdem hat sie und Ihr Team mehr als 1‘000 Kurse über Mentale Geburtsvorbereitung durchgeführt und sie kennt das Thema Angst vor der Geburt sehr gut. Nadine ist Mama von Zwillingen und einem Baby.

Ich habe Sie kennengelernt als ich mich für die Geburt meines Sohnes vorbereitet wollte. Meine Mutter hatte eine schwierige Geburt mit mir und ich habe diese Angst vor der Geburt geerbt. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich euch sagen dass es wirklich funktioniert.

Nadine Ballmer wird Ihnen erklären wieso.

Aus Ihrer lange Erfahrung woher kommt diese Ängste vor der Geburt?

Sie haben soeben einen ganz wichtigen Punkt erwähnt: es sind sogenannte Glaubenssätze, wie ‚Meine Mutter hatte auch schon eine schwierige Geburt, also wird das bei mir auch so werden.’ oder auch Aussagen von Gynäkologen, wie z.B.: ‚Oh, Sie haben aber ein schmales Becken.’ oder ‚Das ist aber ein grosses Kind.’ Gerade Eltern und Ärzte haben einen riesigen Einfluss auf unser Denken. Hinzu kommen noch viele weitere Faktoren, die Angst auslösen, wie Geburtsgeschichten von Freundinnen, wer kennt sie nicht… Negative Geschichten werden viel häufiger weiter erzählt als positive. Dann auch Erzählungen aus dem weiteren Umfeld, denn sobald man schwanger ist, erzählen einem alle ungefragt ihre Geburtsgeschichten. Auch das Fernsehen hat einen Einfluss, denn da sieht man selten eine schöne Geburt 😉 Diese werden immer dramatisiert. Schlussendlich kann auch eine traumatische Geburt, die man selbst erlebt hat, einen negativen Einfluss haben.
Zusammenfassend kann man sagen: Es kommt selten ein Satz oder ein Ereignis alleine, was die Angst ausmacht ist die Aufsummierung all dieser negativen Dinge. Fact ist: Wenn es um die Geburt geht, hört man fast ausschliesslich Negatives, man kann sich also schon fast nicht mehr vorstellen, dass eine Geburt auch normal oder sogar schön verlaufen kann. So erlebe ich es häufig, dass positive Geschichten gar nicht mehr weiter erzählt werden, weil es niemand glaubt.

Interview mit Nadine Ballmer Angst vor der Geburt

Wie kann die Hypnose diese Ängste beruhigen?

Ich glaube zuerst müssen wir verstehen, weshalb denn die Ängste bei der Geburt so kontraproduktiv sind. Man könnte auch sagen ‚Naja, dann habe ich halt Angst, nicht weiter schlimm, geht vorbei’. Doch es ist anders, als wenn man bspw. mit Flugangst einen Flug nach London bucht. Dies ist unangenehm, kann auch sehr unangenehm sein, doch man kommt dann doch irgendwie ohne grössere Schäden davon.
Bei der Geburt ist dies anders, da der Körper miteinbezogen wird – dieser reagiert auf die Angst und wird durch die Angst sozusagen blockiert. Mit der Angst wird das Verteidigungssystem aktiviert. Unser Hirn funktioniert noch gleich wie vor 100 Jahren, als der Bär vor uns stand oder wir ein anderes ernsthaftes Problem hatten: Blut und Sauerstoff werden in die Extremitäten transportiert, damit wir angreifen oder flüchten können. Heute gibt es keine Bären mehr – zumindest nicht im Geburtszimmer – doch unser Körper reagiert noch genau gleich. Dies führt dazu, dass die Gebärmutter nicht mehr gut durchblutet ist und nicht mehr richtig arbeiten an. Das wiederum führt zu unnötigem Schmerz oder sogar Geburtsstillstand. Danach kommt oft ein Teufelskreis in Gang: Durch Angst entsteht Spannung, durch die Spannung entsteht Schmerz und durch den Schmerz entsteht noch mehr Angst.
Hier kommt die Hypnose zum Zug, welche folgendes bewirken kann:

 

  • Angst auslösende Bilder werden im Unterbewusstsein eliminiert, denn oft sind diese Bilder nicht bewusst und können deshalb nicht verändert werden
  • Negative Ereignisse werden desensibilisiert, d.h. man nimmt die negativen Emotionen raus
  • Mentale Entspannung wird etabliert. Denn die Entspannung ist der Gegenspieler zur Angst und schüttet das körpereigene Schmerzmittel aus, welches 200x stärker als Morphium ist

Ist die Hypnose kompatibel mit Schmerzmittel oder PDA ?

Absolut! Das eine schliesst das andere nicht aus. Jede Geburt ist anders und da sind Schmerzmittel oder PDA nicht auszuschliessen. Wir stellen allerdings klar fest, dass HypnoBirthing-Frauen viel weniger Schmerzmittel beanspruchen, da ihr Körper ja viel mehr eigene Schmerzmittel, die sogenannten Endorphine, ausschüttet. Viele stellen sich unter HypnoBirthing ein ‚esoterischer’ Kurs vor, der keinen Raum für Medizin lässt. Dies ist jedoch gar nicht so. Es geht darum, dass alle zusammen arbeiten.

„Jede Geburt ist anders und da sind Schmerzmittel oder PDA nicht auszuschliessen.“

Gibt es andere Methoden die helfen können ?

Ja, HypnoBirthing ist nicht reine Hypnose, sondern ein Konzept der mentalen Geburtsvorbereitung. Da spielen insbesondere die Atemtechniken eine wichtige Rolle. Bei uns bekommt die Frau für jede Phase der Geburt eine Atemtechnik mit auf den Weg. Anker setzen ist überhaupt ein wichtiges Thema: So setzen wir bewusst auch Musik und CDs ein, welche zum trainieren genutzt werden, so dass dann während der Geburt positive Gefühle einfacher abgerufen werden können. Wer auch unterstützen kann – jedoch nicht zwingend muss – ist der Partner. Wir geben den Männern Tools an die Hand, damit sie nicht hilflos daneben stehen und die Frau optimal begleiten können.
Andere Methoden sind zwar auch wichtig, jedoch im Vergleich nicht so relevant.

Andere Hinweise um die Ängste zu minimieren ?

Wir müssen natürlich immer aufpassen, dass die positive Denkweise nicht durch tausend Negativmeldungen wieder überschrieben wird. So raten wir unseren Paaren möglichst nicht alles im Internet zu googlen. Sie sollen auch darauf achten, dass sie sich keine Horrorstories aus dem privaten Umfeld mehr anhören. Wir haben auf dem Internet über 40 schöne Geburtsberichte , die die Frauen dabei unterstützen, positiv zu bleiben.

Einmal pro Monat eine Sprechstunde von holistia im Postfach: