Ayurveda in der täglichen Routine

Würden Sie gerne eine gesündere Lebensweise befolgen aber Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen, oder möchten nicht, dass es zu einer Verpflichtung wird?

Das ayurvedische Morgenritual genannt – Dinacharya – mit seinen simplen Reinigungstechniken sind eine wunderbare Starthilfe in ein neues Lebensgefühl.

Dank der einfachen Methoden werden Sie schnell eine positive Wirkung spüren, die sie motivieren wird, mehr dieser althergebrachten Techniken in ihren Alltag zu integrieren.

Isabelle Stüssi ist Yogalehrerin und Inhaberin des Yogastudios Studio Yogisi in Zürich, wo sie unterschiedliche Yogastile unter einem Dach anbietet und beispielsweise Workshops mit bekannteren Lehrerinnen wie Guru Jagat anbietet, aber auch selber ayurvedische Detox-Workshops unterrichtet. Bereits als Kind kam sie bei Ihrer Familie in Mauritius mit Ayurveda und Yoga in Berührung und liess sich vor einem Jahr zur ganzheitlichen Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin ausbilden.

Die Leidenschaft für die yogischen und ayurvedischen Reinigungspraxen entwickelte Isabelle Stüssi nachdem sie selber an starker Endometriose litt, und mit dem Umstellen auf eine ayurvedische Lebensweise Linderung erfuhr.

Sie erklärt Ihnen in diesen Artikeln die wichtigsten ayurvedischen Reinigungsrituale.

Zitronenwasser

Ich beginne den Morgen jeweils mit einem Glas warmen Wasser, dem ich etwa einenTeelöffel frischen Zitronensaft beigebe. Das Wasser sollte nicht zu heiss sein, damit die wertvollen Wirkstoffe der Zitrone nicht zerstört werden. Die Zitrone wirkt basenbildend, dies wegen des hohen Anteils an Fruchtcalcium und sie unterstützt zudem die Bildung des Gallensafts. Diese einfache Entgiftung hilft der Leber, die über die Nacht abgearbeiteten Toxine aus dem System zu spülen, und den morgendlichen Ausscheidungsprozess zu unterstützen. Das Verdauungsfeuer, genannt Agni wird zudem angekurbelt. Wer zu Verstopfungen neigt, empfehle ich dem Zitronenwasser eine Prise Steinsalz beizumischen. Wem die Zitrone zu sauer schmeckt, kann mit etwas Honig nachsüssen.

Mund- und Zungenreinigung

Das morgendliche Mundreinigungs-Ritual, Gandusha, verhindert oder lindert entzündetes Zahnfleisch, Zahnfleischbluten und wirkt gegen Mundgeruch. Dazu braucht man einen Esslöffel Sesamöl, einen Zungenschaber aus Metal oder Kupfer und eine Zahnpasta auf Kräuterbasis (z.B. eine ayurvedische Zahnpasta aus dem asiatischen Supermarkt).
So gehts: Das Öl in den Mund nehmen und etwa fünf Minuten durch die Zähne ziehen. Nicht schlucken und nicht gurgeln. Denn im Öl werden Ausscheidungsstoffe gebunden, die wir los werden wollen. Danach das Öl in ein Haushaltspapier spucken und wegwerfen. Im Anschluss mit dem Zungenschaber hinten bei der Zungenwurzel ansetzen und fünf bis neun Mal den überschüssigen Schleim wegschaben. Dabei einen sanften Druck ausüben. Jetzt die Zähne putzen. Der Mund und Gaumen wird sich angenehm erfrischt anfühlen.

Nasenspülung: Jala Neti und Nasya-Öl

Die Nase könnte man als Klimaanlage unseres Körpers bezeichnen. Eine ihrer wichtigen Funktionen ist die Regulation der Temperatur und Feuchtigkeit der eingeatmeten Luft. Mittels Nasenspülung mit Salz helfen wir der Nase, unsere Atemwege zu klären und schärfen dabei auch die Sinne – auch unseren sechten Sinn. Denn diese Reinigung stimuliert das Energiezentrum im Stirnraum, Ajna-Chakra, das für Yogis unter anderem der Sitz der Intuition und Weitsicht ist. Gerade im Frühling, wo viele Menschen an Allergien leiden, ist die Nasenspülung ein unschlagbares Mittel, dass rasch Linderung schafft. Dazu empfehle ich ein Nasenöl aufzutragen, um die Nasenwände vor Pollen, Bakterien und Trockenheit zu schützen. Für mich eine der wichtigsten Praxen im Kanon der ayurvedischen Morgenroutine, mit welcher auch beginnende Kopfschmerzen gelindert werden können.

Anleitung:

Gib etwa 1/4 TL feines Himalayasalz – oder ein anderes Steinsalz — in den Netipot, füge etwa 3dl warmes Wasser dazu. Das Wasser darf für die empfindlichen Nasengänge auf keinen Fall zu heiss sein, ebenso nicht zu kalt. Teste das Wasser mit der Fingerkuppe vom kleinen Finger. Auch sollte es nicht zu salzig sein. Die Referenz ist der Geschmack einer Träne. Teste zunächst welches Nasenloch verstopft ist. Beginne mit dem offenen Nasenloch. In der Dusche oder über dem Lavabo Oberkörper parallel über den Boden nach vorne beugen. Kopf ein wenig zur Seite neigen. Mit dem Schnabel des Netipots das oberhalb liegende Nasenloch verschliessen. Mund öffnen. Das Gefäss langsam kippen, sodass die Salzlösung ins Nasenloch einfliessen kann.

Wichtig ist, der Mund bleibt dabei stets offen, man atmet über den Mund. Sonst läuft das Wasser mit dem Mukus den Hals runter. Letzterer sollte also beim anderen Nasenloch austreten. Genau gleich mit dem anderen Nasenloch fortfahren. Danach unbedingt stossweise überschüssiges Wasser ausatmen. Wer die Feueratmung praktiziert, empfehle ich 108 Kapalabhatis. Ansonsten kommt man auf die Knie in die Stellung des Kindes, Balasana. Man legt ein Tuch unter das Gesicht und wartetet ein paar Minuten bis das überschüssige Wasser aus dem Stirnraum abgeflossen ist.

Danach trage ich mit dem kleinen Finger vorsichtig ein Nasenöl, genannt Nasya, auf Basis von wärmendem Sesamöl auf die Nasenwände auf und massiere auch den Stirnraum von aussen mit etwas Öl. Dies schütz im Winter vor Kälte und Trockenheit. Zudem reduziert es die Anfälligkeit für Bakterien, Viren und Pollen sich im Nasenraum festzusetzten.

Garshana – Dry Brushing

Eine Praxis, die ich besonders jetzt im Frühling mag, wo der Kreislauf eher schwer in Schwung kommt und die Frühlingsmüdigkeit ein träges Gefühl hinterlässt, ist die Trockenbürstenmassage – in Sanskrit Garshana genannt. Diese wirkt für mich wie ein Espresso, ohne den nervös machenden Nebeneffekt des Koffeins. Zudem öffnet die Massage die Poren und abgestorbene Hautschuppen werden entfernt. Die Massage dauert am Morgen bloss fünf Minuten.

Es gibt sicherlich verschiedene Techniken, sich mit der Trockenbürste zu massieren. Hier habe ich zusammengestellt, wie ich die Trockenbürste anwende. Generell muss man bei der Massage nicht zu grossen Druck ausüben. Es sind eher lange und sanfte Streichungen über die Haut. Denn das Lymphsystem befindet sich direkt unter der Haut.

  • Generell gilt, beginne bei den Füssen und arbeite dich hoch, immer in Richtung Herz brüstend.
  • Beginne am äusseren rechten Fuss und bürste in Richtung Rumpf, anschliessend am inneren rechten Fuss fortfahren.
  • Im Bereich des Bauches und der Brust soll die Strichführung kreisförmig sein.
  • Um Nabel und Bauch Kreisbewegungen im Uhrzeigersinn durchführen.
  • Bürste jedoch zu den Finger- und Zehenspitzen, also weg vom Körper.
  • Vom Hals zur Brust und Brustbein streichen und von der Brust zur Achselhöhle.

Die Massage unterstützt das Lymphsystem, das ein zentrales Netzwerk für unsere Immunabwehr ist. Da es nicht wie das Blutsystem über eine eigene Pumpe – das Herz – verfügt, können wir es mit der Trockenbürstenmassage beim Ausscheiden von Toxinen unterstützen. Damit aktiviert man zudem den Kreislauf und den Stoffwechsel. Auch schön und zusätzlich aktivierend, wenn man einen Tropfen eines belebenden ätherischen Öls dazu verwendet, wie beispielsweise Zypresse, Rosmarin, Pfefferminze oder jegliches Öl, das du gerne riechst.

Dafür einen Tropfen auf die Handinnenfläche geben. Dann mit der Bürste über die Hand streichen, damit alle Borsten das Öl aufnehmen können. Danach genau gleich wie Oben beschrieben fortfahren. Die Trockenbürste sollte nur Morgens angewendet werden, da die Massage sehr belebend wirkt. Ich verwende dazu eine Klosterbürste mit Kupferdraht, dass zusätzlich sehr leitend wirkt. Garshana wendet man übrigens vor der Dusche, dem Bad oder einem Saunagang an.

Was ist Ihnen wichtig im Umgang mit den ayurvedischen und yogischen Reinigungspraxen ?

Diese Techniken wurden in alten Schriften u.a. den Veden oder auch in der Hatha Yoga Pradipika beschrieben. Historisch gesehen dienten sie als Vorbereitung und Reinigung für Menschen, die höhere spirituelle Entwicklung suchten und dem weltlichen Leben entsagten.
Wenn wir modernen Zeitgenossen dieses Techniken für die Gesundheitserhaltung verwenden, ist dies wunderbar und nützlich. Dennoch sollten wir nicht an den jeweiligen Techniken anhaften. Konkret ausgedrückt, braucht man vielleicht die eine oder andere Praxis eine zeitlang öfters, bis nachweislich Linderung verschafft wurde. Danach kann man sie gehen lassen oder praktiziert diese einfach nach Bedarf. Heute nutze ich die Nasenspülung beispielsweise nurmehr ein mal alle zwei Wochen. Von einer täglichen Anwendung würde ich sowieso abraten, es würde langfristig zu austrocknend wirken.

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Isabelle Stüssi unterrichtet regelmässig im Frühjahr und im Herbst einen ayurvedischen Detox Day, in dem sie alle Techniken anleitet

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