Der Darm als Spiegel der physischen UND emotionalen Gesundheit

Leiden Sie unter konstanten Blähungen oder wechseln sich Durchfall und Verstopfungen ab? Spüren Sie eine innere Unruhe? Haben Sie Mühe, Dinge zu verdauen, sowohl im übertragenen Sinn als auch wortwörtlich?

 

All diese Probleme könnten mit dem Zustand des Darms zu tun haben. Nicht ohne Grund wird der Darm das zweite Gehirn genannt. Denn ein gesunder Darm hilft nicht nur Nährstoffe optimal aufzunehmen, sondern ist auch zentral für das einwandfreie Funktionieren des Nervensystems (95% des Serotonins, quasi unser Glückshormon, wird im Verdauungstrakt produziert).

Wir haben drei Expertinnen und Experten nach Tipps für einen gesunden Darm gefragt:

 

  • Paul Blöchlinger alias «Kräuterpaul» ist eidg. dipl. Drogist und Naturheilspezialist aus dem Niederdorf in Zürich. Seine Kundinnen und Kunden besuchen die Nature First Drogerie an der Niederdorfstrasse 29 nicht nur wegen der guten Beratung, sondern auch, um die Lebensfreude vom «Kräuterpaul» mitzuerleben. Je nach Problem empfiehlt er die passende, naturnahe Therapie mit den entsprechenden Präparaten.
  • Die «Clinique Naturelle» ist ein Zentrum der Komplementärmedizin mitten in Genf. Gründerin ist die Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Marie-Anne Geiser. Gemeinsam mit einem Team von qualifizierten und von der ASCA und dem EMR anerkannten Therapeutinnen und Therapeuten, hat sie den Vortrag «Mein Bauch und ich» ausgearbeitet. Gemeinsam mit Houdate Ben Fredj, die auf Colon-Hydrotherapie spezialisiert ist, teilt sie ihr Wissen in diesem Artikel.
  • Dr. Janna Scharfenberg ist praktizierende Ärztin mit Weiterbildungen in ayurvedischer Medizin, als Gesundheitscoach, Ernährungsberaterin und Yogalehrerin. Sie ist Gründerin der Firma In Good Health. Sie bietet verschiedene Onlinekurse zum Bereich Ernährung und Gesundheit an, ausserdem ein empfehlenswertes Podcast Namens «In Good Health».

In diesem Artikel gehen die drei ExpertInnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Das wichtigste vorweg:

Das Aussehen unseres Stuhls ist ein Indikator für den Zustand des Darms. Sehr dunkler Stuhl, Blutbeimengungen, schaumig voluminöser Stuhl, starke Verstopfungen oder anhaltender Durchfall sind alles Anzeichen für eine gesundheitliche Problematik.

Zentral für einen gesunden Darm ist es, ausreichend zu trinken.

Auch die Art und Weise wie Sie essen, beeinflusst die Gesundheit des Darms. Wichtig ist es, gut zu kauen, langsam zu essen, darauf zu achten, auch bittere Lebensmittel zu essen und sich auf ein gutes Säure-Base-Gleichgewicht zu achten.

Falls Ihre Ernährung nicht so ausgeglichen ist, wie Sie es sich wünschen, gibt es Therapien, die Ihnen weiterhelfen können: Hydrotherapie, Pflanzenheilkunde oder Ayurveda.

Ab wann sprechen wir von einem Darmproblem?

Paul Blöchlinger

Darmprobleme beginnen meist unbemerkt und entfalten sich schliesslich zu einem Dauerproblem, wenn nichts unternommen wird. Es hilft, frühzeitig die Essensgewohnheiten zu prüfen und evtl. umstellen. Wichtige Symptome sind: Durchfall, Verstopfung, Reizdarm, viel Luft im Darm, Aufstossen, Blähungen nach jedem Essen, häufige Erkältungen, schlechtes Immunsystem, Magendrücken, Magenweh.

La Clinique Naturelle

Wir sprechen von einem Problem, sobald wir Veränderungen der Verdauung wahrnehmen, die sich zum Beispiel durch Hang zur Verstopfung, zum Durchfall (die beiden können sich auch abwechseln), Schweregefühl, Müdigkeit nach dem Essen, Blähbauch, häufige Blähungen oder Schmerzen ausdrückt.

Dr. Janna Scharfenberg

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da sich eine Problematik des Darmes sehr komplex zeigen kann. Es gibt natürlich schwerwiegende Symptome, sogenannte «red flags» wie zum Beispiel Schmerzen, Blut im Stuhl, anhaltende Verstopfungen etc. Aber natürlich sind auch Anzeichen wie eine unregelmässige Verdauung, ein sehr übelriechender Stuhl, viel Luftabgang und ein allgemeines Unwohlsein relevant. Zudem kann sich eine Darmproblematik auch in Hautunreinheiten und anderen unspezifischen Merkmalen bemerkbar machen. Daher sollte man bei einer Veränderung der Verdauung oder einem anhaltenden Unwohlsein immer einen fachkundigen Therapeuten oder Arzt zu Rate ziehen.

Kann das Aussehen unseres Stuhls uns Hinweise geben?

Paul Blöchlinger

Unser Stuhl sollte jeden Morgen die Form einer Säule haben. Zerflederter, breiiger oder schleimiger Stuhl sind Zeichen dafür, dass der Darm saniert werden muss.

La Clinique Naturelle

Das Aussehen gibt uns tatsächlich Hinweise, ja! Gemäss Dr. Kousmine sollte menschlicher Stuhl die Form einer Wurst mit etwa 4cm Durchmesser haben, die Länge beträgt zwischen 15 und 20cm. Die Farbe hängt von den Ernährungsgewohnheiten ab: Braun bei Menschen, die Fleisch essen, etwas heller bei Lakto-Vegetariern. Zum Stuhlgang sollte es, ohne Anstrengung, jeweils am Morgen und nach dem Mittagessen/Abendessen kommen. Wir wissen, dass eine längerfristige Veränderung der Farbe oder der Konsistenz auf eine mehr oder weniger wichtige Disfunktion hinweist. Hellgrauer oder gelb-grüner Stuhl weist zum Beispiel immer auf ein Problem der Leber oder der Gallenwege hin.

Dr. Janna Scharfenberg

Auch wenn wir allgemein hin nicht so gerne über unseren Stuhlgang sprechen, ist dieser doch ein wichtiges Produkt, welches uns aufschlussreiche Erkenntnisse über unsere Verdauung geben kann. Idealerweise sollte die Defäkation auf der Toilette ohne grosse Anstrengungen erfolgen, der Stuhlgang regelmässig sein – wobei dies individuell sehr variieren kann (also eine Person muss beispielsweise 2x pro Tag, die nächste alle 2 Tage, dies liegt alles im gesunden Rahmen). Zudem sollte der Stuhlgang von einer kompakten Konsistenz sein, so dass nicht übermässig viel Toilettenpapier zur Reinigung benötigt wird und der typische Geruch nicht zu extrem sein. Sehr dunkler Stuhl, Blutbeimengungen, schaumig voluminöser Stuhl, starke Verstopfungen oder anhaltender Durchfall sind alles Anzeichen für gesundheitliche Problematik.

Was könnte man gegen Verstopfung/Durchfall/Blähungen machen?

Dr. Janna Scharfenberg

Zunächst einmal ist es wichtig dies detailliert medizinisch abklären zu lassen um zu sehen, ob irgendwelche konkreten Ursachen (Beispielsweise eine Entzündung der Darmschleimhaut, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, etc.) zu Grunde liegen, die medizinisch konkret therapiert werden müssen. Wenn sich hierbei keine Ursache finden lässt, so kann eine funktionelle Störung die Ursache sein. Da lohnt es sich konkret die Ernährung mit einer ganzheitlichen Ernährungsberatung zu analysieren und individuell anzupassen. Zudem sollten wichtige Faktoren wie Stress, Bewegung, tägliche Flüssigkeitszufuhr, etc. betrachtet werden. Gemäss der traditionell indischen Medizin, dem Ayurveda, wird bei Beschwerden immer von einer individuellen Dysbalance ausgegangen. Dies bedeutet, dass die eigenen Bioenergien (die sogenannten Doshas) nicht im Einklang sind. Bei Verdauungsproblemen kann zusätzlich noch unser wichtiges Verdauungsfeuer (das Agni) gestört sein.
Blähungen und Verstopfungen haben häufig einen Überschuss des Vata Doshas als Grundlage, also der luftigen Bioenergie. Dieses Dosha benötigt zum Ausgleich viele warme und erdende Speisen, einen passenden Lebensrhythmus, Entspannung und regelmässige Mahlzeiten.
Bei chronischen Darmbeschwerden oder einer ausgeprägten Reizdarmsymptomatik können unterschiedliche medizinische Techniken und Reinigungsverfahren des Ayurveda zum Zuge kommen, beispielsweise eine Panchakarma Kur. Zudem gibt es eine Vielzahl an Kräutern und ayurvedischen Heilmitteln, die hier eingesetzt werden.

La Clinique Naturelle

Bei Durchfall und Verstopfung ist es zuallererst wichtig, genügend zu trinken. Ausserdem ist eine Hydrotherapie bei einem Spezialisten mit einer Ausbildung im Bereich Ernährung sinnvoll. Dank einer kompletten Anamnese können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden. Die Darmspülung ist eine entgiftende Reinigung des Darms mit Wasser. So können Überresten der Verdauung herausgespült und die Darmwand entlastet werden. Gleichzeitig werden das Nervensystem entspannt und Entzündungen gelindert. Diese Behandlung wird mit sanften aber kraftvollen Massagen ergänzt, um jene Schlüsselstellen zu stimulieren, die mit dem Nervensystem verbunden sind und so helfen können, die Darmfunktion zu verbessern. Tipps zu Ernährung und Lebensweise komplettieren die Behandlung.

Paul Blöchlinger

In der Naturheilkunde wird empfohlen, bei Verstopfung Feigen und Pflaumen in den Speiseplan einzubauen. Auch Chia-Samen, Flohsamen, und bestimmte Tees helfen gegen Verstopfung, ausserdem Müesli, Porridge oder eine Tinktur aus Erdrauch, Faulbaum, Löwenzahn, Fenchel und Artischocken. Bei Durchfall wird eine Pflanzentinktur aus Tormentill (Blutwurz), Hamamelis, Schafgarbe, Fenchel, Kamille und Eichenrinde empfohlen.
Bei Blähungen hilft Schafgarbe, Melisse, Löwenzahn, Meisterwurz, Kamille, Fenchel und Süssholz.

Wie können wir solche Probleme vorbeugen?

La Clinique Naturelle

Achtsamkeit: Beim Atmen, beim Kauen, beim Trinken. Eine gesunde Ernährung hilft, setzen Sie auf qualitativ hochwertige Lebensmittel. Empfehlenswert ist ein ausgeglichener Speisezettel um alle Bedürfnisse unseres Organismus zu erfüllen: Früchte und Gemüse, Proteine, Stärkebeilage. Räumen Sie sich Zeit ein für die Mahlzeiten, damit entspannt und ruhig gegessen werden kann.

Dr. Janna Scharfenberg

Eine natürliche, ausgewogene, zum grossen Teil pflanzenbasierte Ernährung bildet einen wichtigen Grundbaustein. Zudem sind eine ausreichende Trinkmenge, viel Bewegung und regelmässige Pausen zwischen den einzelnen Mahlzeiten wichtig.

Paul Blöchlinger

Gesund essen, also viel Gemüse; Salat (auch gedünstet); am Morgen den Saft einer Halben Zitrone mit 2 dl warmem Wasser trinken; Ingwer essen, evtl. gesunde Darmbakterien (Biotics-G usw. einnehmen). Viel bitteres Essen oder bittere Mischungen aus Kräuter-Extrakten (z.B. Enzian, Wermut, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Kümmel, Mariendistel, Chiccorée, Löwenzahn (auch unter dem Namen: Nutrexin Gentianea lutea in Tropfen) helfen; ausserdem ist es wichtig, den Säure-Basen Haushalt in Ordnung zu halten, das heisst etwa 60-70% basisch essen und 30-40% gesunde, saure Nahrungsmittel einnehmen.

Hat der Gesundheitszustand von unserem Darm Einfluss auf unsere Emotionen?

Paul Blöchlinger

Ja, wenn der Darm nicht in Ordnung ist, kann der Mensch «sauer» reagieren, aufbrausend bis wütend sein. Man sagt ja auch: «ihm ist etwas über die Leber gekrochen». Der oder die Betroffene ist unausgeruht und kann nicht gut schlafen. Bei Verstopfung ist man eher dickköpfig und bei Durchfall hat man keine Zeit für sich und das Umfeld.

La Clinique Naturelle

Auf jeden Fall, im Magen werden Hormone produziert, ausserdem Neurotransmitter, die wichtig sind für das Nervensystem. Serotonin, das sogenannte «Glückshormon», wird zu 95% im Verdauungstrakt produziert. Daraus können wir herleiten, dass wenn es Probleme mit der Verdauung gibt, auch die Produktion dieses Hormons betroffen ist, und schlussendlich auch unsere Gefühle.

Dr. Janna Scharfenberg

Einen sehr grossen sogar. Man weiss mittlerweile, dass unser Darm über eine riesige Anzahl von Nervenfasern und Nervenzellen verfügt, die in Kontakt mit unserem Nervensystem und Gehirn stehen. Man nennt dies umgangssprachlich auch das Bauchhirn. Dieses sendet zahlreiche Informationen über unterschiedliche Hormone und Botenstoffe und beeinflusst so unseren Gemütszustand. Andersherum beeinflusst aber auch unser Gemütszustand sehr stark unseren Darm. Sind wir beispielsweise im Dauerstress, so kann die Verdauung empfindlich gestört werden.

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