Können unsere Schönheitsprodukte unseren Hormonhaushalt durcheinanderbringen?

Die Antwort von Dr. Odile Bagot, Fachärztin für Gynäkologie und Psychosomatik, ist klar: Ja, sie werden stark als Risikofaktoren vermutet.

Die Auswahl unserer Lebensmittel und Schönheitsprodukte gewinnt immer mehr an Bedeutung. Vorbeugen und informiert sein ist einfacher als heilen.

Der folgende Artikel gibt Ihnen eine ausführliche Liste der wichtigsten hormonaktiven Stoffe, erklärt wie man ihre Einflüsse minimieren kann und ist eine gute Erinnerungsauffrischung dafür, was denn unser endokrines System überhaupt ist.

Was ist das endokrine System?*

Das endokrine System umfasst die Eierstöcke, Hoden, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere, Hypophyse, die Zirbeldrüse, die Bauchspeicheldrüse sowie Zellen, die Hormone ausscheiden, die sich im Magen-Darm-Trakt, in den Nieren, im Herz und in der Plazenta befinden. Die endokrinen Drüsen schütten Chemikalien aus, die Hormone genannt werden, während die anderen Drüsen des Körpers andere Substanzen oder Flüssigkeiten produzieren; so setzen zum Beispiel Tränendrüsen Tränen frei, produzieren Speicheldrüsen Speichel, und sondern Schweissdrüsen Schweiss ab.

Das endokrine System reguliert viele Funktionen des Körpers, sowohl unmittelbare Reaktionen als auch permanente Funktionen. Hormone stabilisieren oder balancieren die Funktionen des Körpers.

Hormonelle Konzentrationen werden wiederum durch die Reize, denen der Körper ausgesetzt ist, beeinflusst und sind von komplexen Mechanismen gesteuert. Jede Störung dieses Gleichgewichts kann zu Veränderungen in Entwicklung, Wachstum, Fortpflanzung oder Verhalten führen, die sich auf den Menschen oder die nächste Generation auswirken können.

Was sind die Symptome einer endokrinen Störung?

Hormonaktive Stoffe sind bei Individuen normalerweise nicht anhand unmittelbarer und direkt identifizierbaren Symptome auszumachen. Sie werden jedoch stark als begleitende Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Fettleibigkeit, für Schilddrüsenfehlfunktionen, Krebs, insbesondere an Brust und Prostata, Frühreife bei Mädchen und Unfruchtbarkeit bei Männern vermutet.

Diese Substanzen wirken sich des Weiteren während der Schwangerschaft auf den Fötus aus, insbesondere auf den männlichen. Dies ist vielfach in Tierversuchen nachgewiesen worden und gilt bei Menschen für gewisse Fehlbildungen als gesichert. Die bezeichnendsten Missbildungen betreffen die Entwicklung der Genitalien von kleinen Jungen. In der Tat gibt es einen sehr bedenklichen Anstieg der Hypospadie (Fehlstellung der Harnröhre) und der Hodendystopie (gestörter Hodenabstieg). Andere Folgen, wie Hodenkrebs oder die Veränderungen des Spermatogramms und somit der Fruchtbarkeit, können sich erst im Erwachsenenalter zeigen.

Die dritte Wirkungsweise sind Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten (Abnahme des IQ der neuen Generationen) aufgrund einer gestörten Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft und im jungen Alter. Vergessen wir nicht, dass dies begleitende Faktoren sind und dass Bildung im weiteren Sinne (Nutzung von Bildschirmen, Spielen, Videos, Art der Ernährung, körperliche Aktivität …) ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Welches sind die inneren und äußeren Störungen des endokrinen Systems?

Das innere hormonelle Gleichgewicht eines menschlichen Organismus ist das Ergebnis mehrerer physischer und psychosomatischer Faktoren und die Ursache von hormonellen Ungleichgewichten wird nicht immer gefunden. Hier haben ganzheitliche komplementäre Methoden wie Akupunktur, Heilpflanzen, Aromatherapie und Homöopathie ihren Platz, um das hormonelle Gleichgewicht eines Menschen zu verbessern: Sei es zum Beispiel ein Schilddrüsenproblem, seien es Kohlenhydrat- oder Menstruationszyklusstörungen.

Die Frage der externen hormonaktiven Stoffe ist eine ganz andere, weil man ihren Einfluss leicht reduzieren kann, indem man sie nicht verwendet.
Externe hormonaktive Stoffe finden sich zunächst in Lebensmitteln, dann in Kosmetik- und Hygieneprodukten und in fast allen Produkten des täglichen Lebens (Kunststoffe, Farben, Klebstoffe, Reinigungsmittel, Behälter aller Art, Kleidung, Spielzeug, Möbel …) und in medizinischen Geräten (Tuben, Spritzen usw.).

Es gibt Hunderte von verdächtigen Molekülen. Wenn wir die wichtigsten hervorheben wollen, so wären es: Phthalate, Bisphenol A, Alkylphenole, Parabene (Konservierungsmittel in vielen Gesundheits- und Schönheitsprodukten), Triclosan (in Duschgels, Shampoos, Zahnpasten und Deodorants enthaltenes Antibakterium), UV-Filter, perfluorierte Verbindungen (Antihaftmittel, Imprägnierungsmittel), bromierte Flammschutzmittel. Leider gibt es Tausende von Tonnen von PCB (Weichmacher) und DDT (Pestizide) in der Umwelt, die persistente organische Schadstoffe oder POP sind, die noch lange Zeit Wasser, Luft und damit die gesamte Nahrungskette verunreinigen werden.

„Externe hormonaktive Stoffe finden sich zunächst in Lebensmitteln, dann in Kosmetik- und Hygieneprodukten und in fast allen Produkten des täglichen Lebens und in medizinischen Geräten.“

Was kann präventiv getan werden?

Fürs Kollektiv sind Informationen der Schlüssel, denn sie ermöglichen es den Verbrauchern, ihr Verhalten zu ändern sowie Entscheidungsträger und Politiker aufzufordern Richtlinien zu erlassen.

Als Einzelperson können Sie folgende Massnahmen ergreifen:

 

  • Bevorzugen Sie Produkte mit „Bio“-Label (Lebensmittel, Kosmetika, Reinigungspro-dukte)
  • Früchte und Gemüse für 15 Minuten in Wasser mit Natriumbikarbonat stehen lassen (beseitigt einen Großteil der Pestizide)
  • Gefäße ohne Kunststoff bevorzugen (Glas, Keramik, Papier, Edelstahl)
  • Durchlüften nach Renovationsarbeiten oder Installation neuer Möbel
  • Natürliche Materialien wählen
  • Neue Kleider waschen
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Dr. Odile Bagot ist Spezialistin für Gynäkologie-Geburtshilfe und Psychosomatikerin. Sie besitzt einen Master in Ethik, unterrichtet Sexologie an der Universität von Strassburg und schult die Mitarbeiter der Strassburger Akademie in der Sexual- und Emotionserziehung.
Unter ihrem Pseudonym Mam Gyneco ist sie Autorin von Dico des nanas und von Dico des femmes enceintes (nur französich) bei Hachette und kann auf dem Blog von Mam Gynéco und ihrer FB-Seite gefunden werden.

 

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