Fibromyalgie: überall Schmerzen, immer Schmerzen!

Diese Krankheit betrifft 2% der Weltbevölkerung, hauptsächlich Frauen. Die eigentliche Ursache des Fibromyalgie-Syndroms ist noch nicht bestimmt und die Symptome variieren von Mensch zu Mensch stark. Es wird oft durch eine traumatische Erfahrung (einen körperlichen oder emotionalen Schock), einen Sturz, einen Unfall, eine Infektion, eine Operation, eine Geburt ausgelöst, aber manchmal manifestiert es sich ohne ersichtlichen Grund.

Die Schweizerische Fibromyalgie-Vereinigung hat folgende Empfehlungen herausgegeben:

Alexandra leidet seit nahezu 12 Jahren an Fibromyalgie. Sie erklärt wie die Krankheit bei ihr verlaufen ist, mit welchen natürlichen Lösungen sie ihre Schmerzen in den Griff gekriegt hat und erinnert uns daran, dass das Wichtigste bei dieser Krankheit ist, auf seinen Körper zu hören.

Wie haben Sie entdeckt, dass Sie Fibromyalgie haben ?

Ich leide nun seit 12 Jahren an Fibromyalgie, wobei es am Anfang hiess, ich hätte eine sehr ausgeprägte Form von RLS (Restlesslegs Syndrom). Erst vor 6 Jahren erhielt ich die Diagnose Fibromyalgie. Ich hatte damals so starke Schmerzschübe, dass ich zeitweise nicht mehr laufen konnte. Ein Rheumatologe im Inselspital Bern hat dann die Diagnose gestellt1 und bestätigt, dass ich von Anfang an Fibromyalgie hatte und RLS „nur“ ein Begleitsymptom sei.

Welche sind die Symptome?

Die Symptome sind sehr unterschiedlich und vielfältig. Ein Grundschmerz ist permanent und lässt sich mit einem stärkeren Muskelschmerz vergleichen. Den habe ich über die Jahre zu verdrängen gelernt, so dass er mich in meinem Alltag nicht mehr gross einschränkt.

In einem Schmerzschub reichen die Schmerzen von Reissen über Stechen bis hin zu dem Gefühl, man habe 1000 Nadeln im Körper. Am schlimmsten sind diese Schmerzen im Gesicht, in den Armen und Händen sowie in den Beinen und Füssen bei mir. Dazu kommen grippeähnliche Symptome wie sich schlapp fühlen, Gliederschmerzen und Schweissausbrüche. Ich leide dann auch an einem Reizdarm und habe oft Magen-Darmkrämpfe.

Im Winter versteifen sich meine Hände morgens oft und müssen zuerst massiert werden.

Auch war ich in den schlimmsten Schmerzphasen depressiv. Während und nach einem Schmerzschub leide ich unter dem sogenannten Fibrofog (Fibronebel). Ich habe dann Wortfindungsstörungen und vergesse sehr viel. Wenn der Schmerzschub sehr stark war, kann ich mich danach nicht mehr so genau an die Zeit während des Schubes erinnern.

„In einem Schmerzschub reichen die Schmerzen von Reissen über Stechen bis hin zu dem Gefühl, man habe 1000 Nadeln im Körper.“

Welche Unterstützung der Komplementärmedizin hat Ihnen geholfen ?

Ich habe mich vor 5 Jahren entschieden keine Medikamente mehr zu nehmen, weil die Krankheit immer schlimmer wurde und ich unzählige Nebenwirkungen von den Medikamenten hatte. Ich habe mich dann mit Schüssler-Salzen selbst therapiert und habe es damit geschafft, von Opiaten weg zu kommen.

Auch nehme ich bei schwächeren Schmerzen Arnica Globuli.

Vor kurzem hatte ich wieder eine Phase mit mehreren Schmerzschüben und habe CBD Öl (legales Hanföl) genommen, was mir wirklich sehr hilft. Gerade die starken Schmerzspitzen werden extrem gut abgefangen und auch die Muskeln sind weniger verkrampft.

Haben Sie die Akupunktur probiert ?

Akupunktur habe ich in den 12 Jahren mit der Krankheit zwei Mal ausprobiert. Beide Male in Schmerzschüben. Beide Male war es eher kontraproduktiv, da ich die Nadeln als extrem schmerzhaft und störend empfunden habe, da ich sowieso schon das Gefühl hatte, dass in meinen Körper Nadeln geworfen werden. Beim zweiten Mal war die Akupunkturbehandlung länger und ich habe eine leichte Besserung gespürt. Allerdings hat dann die Krankenkasse die Akupunkturbehandlung gestoppt.

Greifen Sie auf andere Massnahme zurück, um Ihnen während den Schmerzen zu helfen ?

Seit etwa 5 Jahren mache ich Qi-Gong (jeweils einmal wöchentlich auswärts und so oft es geht zu Hause). Qi-Gong hilft mir sehr, mich mit den Schmerzen auseinander zu setzen und mich zu zentrieren, um nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren.

Ich habe eine Infrarot-Lampe, die Wärme tut mir vor allem bei Muskelschmerzen sehr gut. Auch heisse Bäder mit Natron helfen mir bei Muskelschmerzen.

Meine Ernährung habe ich nach und nach an die Schmerzen angepasst. Ich sage bewusst angepasst, weil umstellen das falsche Wort wäre, denn ich ernährte mich schon vorher sehr ausgewogen. Vielmehr habe ich über die Jahre getestet, welche Nahrungsmittel bei mir Schmerzen verursachen. Ich glaube das ist ein lebenslanger Prozess, da man immer wieder auf Nahrungsmittel stösst, die Schmerzen auslösen.

Ich ernähre mich salzarm, verzichte auf alle Produkte, die Glutamat enthalten, verzichte auf alle kohlensäurehaltigen Getränke, säurehaltige Lebensmittel esse ich nur gelegentlich und versuche die Ernährung so gut es geht im basischen Bereich zu halten. Auf rotes Fleisch und Fisch verzichte ich mittlerweile gänzlich und esse nur wenig Fleisch. (Komplett fleischlose Ernährung hat wiederum auch Schmerzen verursacht.)

Zudem trinke ich viel Ingwertee und esse Kurkuma.

Haben Sie Ihre eigene mentalen Tipps für den Umgang mit diesen Schmerzen ?

Das wichtigste ist, dass man selbst seinen Frieden mit der Krankheit findet.

Was auch bedeutet, dass man ein Umfeld haben muss, das die Krankheit mit all ihren Folgen akzeptieren und damit umgehen kann. Bei mir bedeutete das auch eine Umstellung meines Umfeldes. Jegliche Art von Stress, sei es physisch oder psychisch, ist Gift und löst Schmerzschübe aus.

Ich betrachte die Krankheit als eine Art Warnsignal des Körpers. Wenn ich stärkere Schmerzen habe, frage ich mich: „Was will mein Körper mir sagen? Was sind mögliche Störfaktoren, die den Körper aus dem Gleichgewicht bringen?“

Ein Therapeut, der Ihnen viel geholfen hat ?

Meine Qi-Gonglehrerin hat mir am meisten geholfen und tut es immer noch.

Bei dieser Krankheit ist es wichtig, sich selbst zu helfen. Meine Erfahrungen mit unzähligen Ärzten und Therapeuten haben mir gezeigt, dass nur ich mir selbst helfen kann, indem ich auf meinen Körper höre und jedes noch so kleine Signal wahrnehme.

1 Die Diagnose wurde anhand von verschiedenen neurologischen und rheumatologischen Tests gestellt. Es wurde ein Bluttest gemacht (um andere Erkrankungen auszuschliessen, Fibromyalgie zeigt keine Veränderungen des Blutbildes). Für den Rheumatologen waren aber vor allem meine Beschreibung der Symptome und wie sich die Krankheit bei mir äussert wichtig für die Diagnosestellung.

Über Alexandra

Alexandra ist 32 Jahre alt, verheiratet und Mutter von 3 Kindern. Während ihrer Ausbildung zur Dipl. Pflegefachfrau HF hat die Krankheit begonnen, weshalb sie dann die Ausbildung erst unterbrechen und schlussendlich abbrechen musste. Sie schaffte es ihre Krankheit eher als Warnsignal ihres Körpers zu betrachten, hört ihm aufmerksam zu und hat intuitiv eine Ernährung gefunden, die ihr hilft, Krisen zu minimieren.