Homöopathie – wirkt sie wirklich?

Insbesondere bei dieser für viele Eltern relativ unbekannten und auch etwas umstrittenen Behandlungsmethode ist es eine grosse Verantwortung zu entscheiden, ob man der Homöopathie vertrauen oder lieber den Weg der Schulmedizin gehen soll.

Herr Dr. Volkmer ist pensionierter Kinderarzt aus Lörrach ( Deutschland). Nach seiner Arbeit als Hilfspfleger und Abschluss des Studiums für Schulmedizin mit anschliessender Ausbildung zum Facharzt für Kinder und Jugendliche hat Dr. Volkmer eine Weiterbildung zum ärztlichen Homöopathen gemacht. Zudem hat er 3 Monate in Zambia in einem Rural Health Center gearbeitet. Die weitreichenden Erfahrungen mit der Homöopathie sowie die Erkenntnisse der Zeit in Afrika haben seine Sichtweise auf Behandlungsmöglichkeiten deutlich geprägt. So hat Dr. Volkmer den Eltern oft auch alternative Wege für die Behandlung ihrer Kinder aufgezeigt.

Er wird Ihnen heute Informationen zur Homöopathie geben, damit Sie für sich entscheiden können, ob Sie diese Methode bei Ihren Kindern zumindest einmal ausprobieren möchten.

Wie haben Sie den Anstoss bekommen, Homöopathie anzuwenden ?

Vor meinem Medizinstudium habe ich als Hilfspfleger gearbeitet. Das war für mich eine sehr wichtige Zeit, in der ich den Patienten auf einer anderen Art und Weise begegnen konnte. Immer wieder erzählten sie mir von ihren Beschwerden und Symptomen, teilweise eher seltsamen, speziellen Symptomen – wie z.B. vom Gefühl, ein Haar hinten im Rachen zu spüren, oder die Gesichtshaut würde sich wie mit einem Spinnennetz überzogen anfühlen. Diese Empfindungen waren für sie wichtige Tatsachen, die sie den Ärzten immer wieder mitteilten, aber die Ärzte konnten damit nichts anfangen. Ich glaubte, wenn das den Patienten so wichtig war, dann müsse da etwas dran sein. In der Homöopathie fand ich ein System, das diese „seltsamen“ Empfindungen würdigt und die Patienten ernst nimmt. Deshalb war es mir wichtig, mich mit der Homöopathie intensiv zu beschäftigen.
Schon in den Ambulanzen der Kliniken, in denen ich als Arzt arbeitete, sowie in der Praxis, stiess ich immer wieder auf eine große Lücke zwischen Volksmedizin (Hustentee, Brustwickel usw.) und der Schulmedizin (Antibiotika und Operationen). Auch hier hoffte ich, mit der Homöopathie diese Lücke in den therapeutischen Möglichkeiten schließen zu können.
Interessant war für mich zudem die Begegnung mit einer im Hospiz arbeitenden Ärztin, die Homöopathie bei Menschen auf ihrem letzten Weg komplementär zur Schulmedizin einsetzte und davon berichtete, welche anhaltende Erleichterung die Patienten dadurch erfuhren. Dies war so einprägend für mich, weil ich mich als Kinderarzt mit dem Leben, was am Anfang stand, beschäftigte.

Hatten Sie selbst auch ein einschneidendes Erlebnis mit der Homöopathie?

In den Anfängen meines Lernens lag auch eine Episode der Selbsttherapie mit einem homöopathischen Mittel. Seit der Kindheit hatte ich immer wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen, die mit Bestrahlung, Antibiotika und schmerzhaften Spülungen behandelt werden mußten. Ich hatte mich damit abgefunden, von Zeit zu Zeit Therapieblöcke einfügen zu müssen, wenn es wieder zu den bekannten Beschwerden kam.
Beim Forschen nach „meinem“ homöopathischen Mittel stieß ich auf Hydrastis, welches ich bei einem erneuten Problem mit den Nebenhöhlen in der C12 Potenz in der Apotheke kaufte und die Therapie gleich in der Mittagspause begann. Da erlebte ich vielleicht eine Erstreaktion!!! Es baute sich so ein Druck in meiner rechten Kieferhöhle auf, dass ich dachte, mein Kopf würde platzen.Und dann entleerte sich die Kieferhöhle wie bei einer Spülung. Durch den Druck wurde wohl ein Pfropf, der die Verbindungsöffnung zur Nase blockierte, aufgepresst. Seit dem – das sind jetzt mehr als 30 Jahre – habe ich nichts mehr mit Kieferhöhlenvereiterungen zu tun!

Was ich daraus am eigenen Leib gelernt habe?
1. Homöopathie wirkt
2. Da steckt im wahrsten Sinne des Wortes Power drin
3. Man sollte mit heftigen Erstreaktionen rechnen.

Und wie findet man heraus, welches Mittel man für einen Patienten anwendet ?

Das geht hauptsächlich über 2 Wege. Zum einen durch repitorisieren, das heisst über die Fakten. Wenn der Patient z. B. morgens hohes Fieber hat, das Fieber immer rauf und runter geht und der Patient keinen Durst hat, findet man in Hahnemann’s Buch, dass dies zum Wechselfieber ohne Durst passt. Und dafür gibt es nur wenige Mittel.

Sie erwähnten eine 2. Methode zur Diagnose?

Das ist der Weg, die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen zu analysieren. Es gibt z. B. Menschen, die ewig kämpfen müssen, die immer besser sein wollen als der Kontrahent. Ihr Element liegt im animalischen Bereich. Menschen, die z. B. besser oder schneller als gestern sein wollen, haben eine andere Persönlichkeitsstruktur. Ihr homöopathisches Mittel ist in einer anderen Ecke zu finden. Das richtige Mittel zu finden ist somit ein Mosaik aus Fakten, Persönlichkeit und und und.

Was können Sie uns über Hahnemann, den Begründer der Homöopathie sagen ?

Hahnemann hatte seinen Abschluß in den Studienfächern Chemie und Medizin. Er war Arzt, Mediziner und medizinischer Schriftsteller. Hahnemann kam auf die Idee, die individuellen Symptome der Krankheit, wie sie sich dem Patienten darstellen, mit dem Mittel zu behandeln, das die gleichen Symptome hervorrufen kann. Dies dann aber so potenziert und verdünnt, dass daraus kein Schaden entstehen konnte. Dazu hat er mit seinen Arbeitsgruppen ein Leben lang die verschiedenen Substanzen getestet. Diese Arbeit wird heute weltweit in Arbeitsgruppen weiter geführt. So ist eine Sammlung von Medikamenten mit ihren spezifischen Profilen entstanden (die sogenannte „Materia Medica“) und ein Symptomenlexikon, das „Repetitorium“. Über den Weg des Repitorisierens, habe ich z. B. das richtige Mittel für meine Nasennebenhöhleninfektionen gefunden. Es gibt auch noch andere Wege (verschiedene Kompasse), mit denen man sich in diesem riesigen Garten der Homöopathie zurecht finden kann.

Wirkt ein einmal gefundenes Mittel dann ein Leben lang bei diesem Patienten ?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich betrachte, in welcher Entwicklungsstufe der Mensch ist, ob es sich um ein chronisches Geschehen handelt oder mehr um ein akutes, wie z. B. bei einer Grippewelle. Bei der chronischen Krankheit wird eher das Konstitutionsmittel helfen, da kommt die Symptomenprägung mehr vom Patienten. Bei der akuten Krankheit drückt der krankmachende Keim mit seiner Aggressivität den Symptomen seinen Stempel auf.

Gibt es aussagekräftige Studien über die Wirksamkeit der Homöopathie ?

Eine Studie mit Wasserlinsen ist besonders interessant. Die Wasserlinse ist eine Pflanze, die gerne genommen wird, um die Qualität des Wassers zu testen. Man hat also die Wasserlinsen in mit Arsen vergiftetes Wasser gegeben. Die Folge war, dass die Pflanzen anfingen zu kränkeln.
Dann hat man doppelt verblindet die Wasserlinsen therapiert: die eine Probe mit einem Placebo, die zweite mit einer C12, eine dritte mit C30 und die vierte mit einer C200 von Arsenicum album (also Arsen) als homöopathischem Medikament. Das Resultat: die mit dem Placebo behandelten Pflanzen starben ab, diejenigen, die mit dem Verum, also mit dem homöopathischen Wirkstoff, behandelt wurden erholten sich wieder. Besonders erstaunlich (bzw. von mir erwartet) war, dass die mit der höchsten Potenz C200 behandelten Pflanzen am schnellsten wieder gesund wurden. Bei dieser Konzentration ist im homöopathischen Medikament kein einziges Molekül des Wirkstoffes mehr nachzuweisen!

Sie erwähnen Potenzen, was sind Potenzen ?

Das homöopathische Mittel in seiner Ursubstanz wird mit einem Trägermedium (30% Weingeist oder Milchzucker) ganz intensiv vermischt. Es gibt eine genaue Anleitung dafür, wie das korrekt durchzuführen ist. Bei den C Potenzen 1 zu 100, in den D Potenzen 1 zu 10. Das entspricht dann C1 bzw. D1. Davon wird wieder 1 Teil mit 100 bzw. 10 Teilen Trägermedium intensiv vermischt. Das gibt dann die C2 bzw. D2. Davon wieder 1 Teil zu 100 bzw. 10 Teilen – C3 bzw. D3 usw. Man sieht hier, dass in diesem sehr intensiv gemischten Mittel immer weniger von der Ursubstanz übrig bleibt, bis ab der C23 – der sog. Lochschmid`schen Zahl – kein einziges Atom mehr in unserem homöopathischen Mittel enthalten ist.

Wie kann das dann überhaupt wirken, wenn gar kein Wirkstoff mehr enthalten ist ?

Chemisch ist kein Atom drin, aber die Information ist enthalten. Und die Information ist bei starker Potenzierung besonders hoch.

Je grösser die Verdünnung ist, umso stärker die Wirkung? Das scheint ja ein Widerspruch zu sein.

Dass hohe Potenzen jenseits der Lochschmid’schen Zahl wirken, wissen wir. Häufig wirken sie sogar sanfter, mit weniger heftiger Erstreaktion als die niedrigen Potenzen. Wie sie wirken, dazu gibt es kein genaues Wissen, aber zumindest Erklärungsmodelle. Wahrscheinlich funktioniert die Wirkung als Information über die Trägersubstanz. Um sich das besser vorstellen zu können, verwende ich gerne das Bild eines Tonbandes (das ist unsere Trägersubstanz). Auf dieses Tonband zeichne ich ein Musikstück Stimme für Stimme auf, z. B. die 5. Sinfonie von Beethoven. Als C1 nehme ich die 1. Geige auf, als C2 auch die 2. Geige bis bei der C 1000 das ganze Orchester beisammen ist. Das hat ganz schön Wums! Wenn man dieses Tonband mit einem leeren vergleicht, dann sind sie bezogen auf das Gewicht und die Herstellung genau gleich, da ist kein Gramm dazu gekommen – und doch ist beim Hören eine ganz andere Wirkung zu spüren.
Ein anderes Bild, mit dem man das beschreiben kann, ist der Vergleich zwischen Bildzeitung und der Zeit. Alles ist nur Papier, Kleister, Druckertinte – so ungefähr jedenfalls. Der einzige wirkliche Unterschied ist die enthaltene Information.

Wie wirksam ist die Homöopathie bei Kindern ?

Nach meiner Erfahrung wirkt in der Pädiatrie die Homöopathie oft sehr gut und häufig richtig schnell. Das Problem bei Kindern ist aber, dass sie uns verbal nicht so gut die notwendigen Informationen für das Herausfinden des richtigen Medikaments geben können. Da muss man sich dann auf die genauen Beobachtungen, auf die Körpersprache und die Informationen der Eltern verlassen

„Nach meiner Erfahrung wirkt in der Pädiatrie die Homöopathie oft sehr gut und häufig richtig schnell.“

Welche besonderen Erfolge haben Sie mit der Homöopathie gehabt ?

Ja, da erinnere ich mich z. B. an einen meiner ersten Fälle, einen 5-jährigen Asthmapatienten. Schulmedizinisch wurde alles eingesetzt von Asthmaspray, Kortison, Allergiediagnostik, Überprüfung der Inhalationstechnik… Aber nichts brachte Erfolg bei der klassischen Therapie. Dann setzte ich das homöopathische Mittel ein, das ich zuvor schon für den Jungen ausgesucht hatte. Auf einmal kamen die Eltern gar nicht mehr mit ihrem Kind wieder. Ich machte mir Sorgen, rief die Eltern nach 4 Wochen an und erkundigte mich nach seinem Befinden. Die Eltern sagten mir, dass es dem Jungen seit der Einnahme des homöopathischen Mittels so gut ginge, dass sie das Asthmaspray und das Kortison gänzlich weg lassen konnten. In Folge musste in den ersten zwei / drei Monaten danach sein homöopathisches Mittel nur noch gelegentlich bedarfsorientiert eingesetzt werden, z. B. bei Infektwellen im Kindergarten, wenn er sich verkühlt hatte usw. Die ständigen Arztbesuche waren nicht mehr nötig. Bei einer Kontrolle der Lungenfunktion stellte sich heraus, dass alles in Ordnung war. Ich begleitete das Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr. Asthma war kein Thema mehr. Im Kindesalter sind viele sonst oft langwierige Krankheiten noch nicht chronifiziert. Deswegen ist es von Vorteil, schnellst möglich gegenzusteuern, bevor sich solche Krankheiten verfestigen.
Und dann kommt mir der Fall eines 3-jährigen Mädchens in den Sinn. Sie hatte auf einen der MasernMumpsRöteln Impfstoffbestandteile (dieser ist seit einiger Zeit nicht mehr im Impfstoff enthalten) einen allergischen Schock erlitten. Danach war sie total verändert: ängstlich, in sich gekehrt, sie traute sich nichts mehr zu, sprach kaum hörbar. Ihr war dauernd kalt und sie fröstelte trotz dickem Pullover. Nach dem homöopathischen Medikament in einer C 200 war sie über Nacht wieder die „alte“ – wie die Mutter sich ausdrückte: eine „Pipi Langstrumpf“: lieb-frech, abenteuerlustig, warmblütig, präsent. Die Mutter zeigte mir ein Polaroidfoto: Ein fröhlich lachendes, gewitztes, munteres Kind, eine „Pipi Langstrumpf“ eben.

Die Homöopathie steht ja auch immer mal wieder in der Kritik. Es wird sogar von Fällen berichtet, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind. Können Sie uns dazu etwas sagen ?

Ja, in der Zeit wurde von einem Fall aus den USA berichtet, bei dem ein Kind mit Belladonna in einer Potenz nahe der sogenannten Urtinktur (D2 oder C2) behandelt wurde und gestorben ist. Man darf Belladonna nicht in zu niedriger Potenz geben, da dann noch das Gift der Tollkirsche enthalten ist. Dieses Gift wirkt sich u. a. auf das zentrale Nervensystem aus. Die Ursache für den Tod des Kindes war nicht die Homöopathie, sondern die sträflich niedrige Potenz, nahe der Urtinktur der Tollkirsche. In Europa gibt es so niedrige Potenzen von diesem Mittel gar nicht zu kaufen, da man es nur in höheren Potenzen einsetzen darf. Ab der C6 haben wir keine Sorgen mehr, dass sich die giftige Wirkung bemerkbar machen könnte.

Können Sie die Homöopathie für alle Indikationen empfehlen ?

Wichtig ist immer, zu klären, ob das homöopathische System
1. bei diesem Patienten
2. der noch diese Kraftreserven hat
3. mit dieser Krankheit
4. in diesem Stadium
die richtige Wahl ist. Die Allopathie (Schulmedizin) ist kein Gegner der Homöopathie. Die Homöopathie hat wie alle medizinischen Disziplinen ihre Indikationen. Alle Therapien haben ihre Grenzen und diese müssen erkannt und respektiert werden.

Über Dr. F.Volkmer

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Über die Beitragsverfasserin Melanie Duan

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Melanie Duan ist Mutter eines 15-jährigen Sohnes, fotografiebegeistert, Tanz- und Fitnessfan und an sehr vielen Themen interessiert. Während eines mehrjährigen USA-Aufenthaltes entwickelte ihr Sohn Asthma und wurde mit Kortison und diversen anderen Mitteln dauerhaft behandelt. Nach dem Umzug nach Lörrach therapierte Dr. Volkmer ihren Sohn homöopathisch und ohne Asthmasprays, wenn die Heuschnupfenzeit kam. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen musste noch mal ein Spray für ein oder zwei Tage unterstützend eingesetzt werden. Nun möchte Melanie Eltern diese Therapiemöglichkeit vorstellen, weil sie selber so positive Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht hat.

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