Ischialgie: Brauchen Sie Rückendeckung?

Ischiasschmerzen können bis in die Beine ausstrahlen und jegliche Bewegung verunmöglichen. Rührt das Problem ausschliesslich vom Druck auf den Ischiasnerv? Gibt es Alternativen zu Entzündungshemmern und Physiotherapie? Wie kann man eine «Ischialgie» voraussehen?

Das haben wir die vier folgenden ExpertInnen gefragt:

 

    • Rolf Ott Entwickler des Wirbelsäulen-Basis-Ausgleich (WBA).
    • Nicole Apargus, APM-Therapeutin, behandelt Akupunktur Massage nach Radloff und ist Präsidentin des Verbands APM Radloff, aus Affoltern am Albis.
    • Lisa Yuan, Gründerin von TCMSwiss, TCM-Ärztin. Im Jahre 2004 eröffnete sie ihre erste eigene TCM-Praxis. In den Folgejahren kamen 15 Praxen im Grossraum Zürich und der Ostschweiz hinzu.
    • Margrit de Graaff Atlaslogie-Therapeutin aus Überzeugung. Die Methode ermöglichte es ihr, sich von ihrer Migräne zu befreien. Sie praktiziert seit 17 Jahren in Bern und in Zürich.

     

    In diesem Artikel gehen die drei ExpertInnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Das wichtigste vorweg:

Ischiasschmerzen können auch auf ein Ungleichgewicht der Meridiane oder eines Organs hinweisen.

Ischiasschmerzen können ihren Ursprung in der falschen Position des Atlas haben. Der Atlas ist der oberste Wirbel, der sich gleich unterhalb des Kopfes befindet.

Nicht nur die Haltung des Rückens hat Einfluss auf den Ischiasnerv. Auch exzessiver Stress oder Müdigkeit können Ischiasschmerzen verursachen.

Es hilft, den Rücken vor Kälte zu schützen.

Welche sind die möglichen Ursachen einer Ischialgie?

Nicole Arpagaus:

Die Ursache einer Ischialgie kann verschiedener Natur sein. Die Schulmedizin geht von einer mechanischen Kompression (Druck) auf den Nerv aus. Meist liegt der Druck im unteren Lendenwirbelbereich, wo der Ischiasnerv entspringt. Man geht von blockierten Wirbelgelenken oder einem Bandscheibenvorfall aus, der auf den Nerv drückt. Auch kann eine örtliche Entzündung den Druck auf diesen Nerv erhöhen. Auf diesen Druck reagiert der Ischiasnerv mit Schmerzen in seinem gesamten Verlauf, sprich im Gesäss und Bein, nach unten ausstrahlend. Die Denkweise der APM Radloff und der Chinesischen Medizin geht da weiter und fragt: „warum blockiert ein Gelenk? Warum ist eine Bandscheibe schwach? Warum passiert genau hier eine Entzündung?“ Aus unserer Sicht liegt die Erklärung im «Innern des Körpers». Wenn ein energetisches Ungleichgewicht in den inneren Organen herrscht, melden sie dies gegen aussen, es zeigen sich die vorher genannten Symptome. Ein klarer Befund der APM Radloff zeigt dem Therapeuten auf, ob es sich um ein Ungleichgewicht des Meridians Dickdarm, Niere, Lunge oder Blase handelt. Oft gibt es auch eine Kombination der Verursacher.

Margrit de Graaff:

Sie sind sehr unterschiedlich, je nach Lebensweise. Z.B. Druck durch Wirbelfehlstellung vor allem des Atlas, Beckenschiefstand, eine falsche Haltung oder sogar eine Übersäuerung. Diese Ursachen haben sich meistens durch eine Subluxation des Atlas (oberster Halswirbel) entwickelt. Fast alle Nervenbahnen führen durch den Atlas hindurch. Bei einer Verschiebung des Atlas kann Druck auf die Nervenbahnen entstehen und die Organe können dadurch mangelhaft oder gar nicht mit Energien versorgt werden. Es ist ein Naturgesetz; so wie oben, so ist es unten.

Lisa Yuan:

Bei einer akuten Ischialgie können neben äusseren Faktoren wie zum Beispiel eine falsche Bewegung, Überbeanspruchung, oder von Feuchtigkeit und Kälte verursachte Blockaden (durch freien Rücken an kalten Tagen), auch innere Faktoren, wie Übermüdung und übermässiger Stress verantwortlich sein. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spricht man dann von einem Schwächezustand oder Mangel. Qi und Blut (die Lebensessenz) fliessen nicht mehr richtig. Aus Sicht der TCM ist bei einer Ischialgie Qi-Stagnation und Blut-Stau vorhanden, was ganz allgemein zu einer Instabilität der Wirbelsäule führt und den Blasen- oder Gallenblasen-Meridian blockiert. Bei einem chronischen Energie-Mangel mit dumpfem Schmerzcharakter, vor allem am unteren Rücken, kann auch eine Schwäche des Nieren-Qi und/oder Milz-Qi vorliegen. Deshalb wird der Körper ungenügend erwärmt oder genährt. Somit sind die Muskeln, Sehnen und Bänder unterversorgt, was dann zu einem sogenannten «Hexenschuss» führen kann.

Rolf Ott:

Die Ischialgie wird meist durch Überlastung der Nervenwurzel zum Beispiel durch Heraustreten von Bandscheibengewebe und übermässige Abnutzung der Bandscheibe infolge Fehlhaltung verursacht. Auch knöcherne Veränderungen an den Wirbelkörpern können die Nervenwurzeln irritieren und so zur Ischialgie führen.
In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um das Piriformis-Syndrom, das wiederum nur durch Fehlhaltung zur Überlastung und zu diesen Schmerzen führt.
Tumore oder Herpes Zoster können eine ähnliche Symptomatik verursachen.

Wie behandelt man eine Ischialgie?

Rolf Ott:

Da die Fehlhaltung immer sehr vielfältige Auswirkungen hat, – fehlgestellte Gelenke, muskuläre Dysbalancen, gestaute Energien, verklebte Faszien- müssen auch verschiedene Behandlungstechniken angewandt werden. In der WBA Behandlung werden in der ersten Behandlungsphase gestörte und gestaute Energien durch die Akupunktmassage wieder ins Fliessgleichgewicht gebracht. Anschliessend werden fehlgestellte Skeletteile mit sanften manualosteopathischen Behandlungstechniken in die korrekte Position gebracht, mit dem Ziel, die Fehlhaltung zu korrigieren. Im nächsten Behandlungsschritt folgt eine sehr sanfte, aber eine sehr wirkungsvolle Schwingbehandlung auf einem speziellen Therapiekissen. Mit diesen Schwingungen wird die Muskulatur durch passive, spiraldynamische Bewegungen entspannt, verklebte Faszien werden gelöst, die Gelenke produzieren die wichtige Gelenksschmiere und die Bandscheiben können sich erholen.

Der wichtigste Behandlungsschritt ist das richtige Training. Mit einem aktiven, spiraldynamischen Muskelketten-Training ist es möglich, die Fehlhaltung nachhaltig zu korrigieren. Damit wird die Bewegungs- Koordination und Stabilisation geschult, so dass mit jedem Schritt, ob bei der Arbeit, in der Freizeit oder im Sport das Regenerieren der Bandscheiben unterstützt wird. Das Ziel ist, mit aktivem Muskelaufbau die zu schwache Muskulatur zu stärken und gleichzeitig die zu kurze Muskulatur zu dehnen.

Lisa Yuan

Die Ischialgie stellt eine komplexe Krankheit dar, deshalb ist es wichtig, dass der/die TherapeutIn (wie alle bei TCMswiss) langjährige Erfahrung mitbringt. Zudem können die besten Resultate erzielt werden, wenn der/die TherapeutIn befähigt ist, alle TCM-Methoden miteinander anzuwenden. Die Herausforderung der Therapie ist die Harmonie und die Ausgeglichenheit im Körper wieder herzustellen und die körpereigene Essenz, soweit noch vorhanden, zu stabilisieren. TCMswiss-TherapeutInnen setzen deshalb in der Behandlung auf die Kombination von Akupunktur, Tuina-Massage, Schröpfen, Wärme und die Vergabe von Kräutern. Dabei muss der/die Therapierende den Zustand des/der PatientIn und der betroffenen Stelle, in der entsprechenden Krankheitsphase, richtig einschätzen können. Wobei die Intensität der Behandlung und die Kombination der eingesetzten Methoden dann genau darauf ausgerichtet werden. Vor allem versucht man das Qi in Bewegung und Fluss zu bringen. Das regt die Durchblutung an und entspannt die Muskeln. Der gewünschte Rückgang der Schmerzen kann auch zusätzlich mit Elektro-Akupunktur erreicht werden. Bei einem Blutstau mag Blutig-Schröpfen angezeigt sein. Unterstützend können Kräuter verschrieben werden, die den Schmerz stillen, das stagnierende Qi und den Blutstau auflösen, sowie die schädlichen Einflüsse aus dem Körper leiten.

Margrit de Graaff:

Indem die Wirbelsäule mentalenergetisch zurück ins Lot schwingt. Dadurch werden die Lasten wieder gleichmässig auf die ganze Wirbelsäule verteilt, was die Blockaden lösen kann. Eine Atlaslogie Sitzung hat grundsätzlich immer den selben Ablauf: Mittels einem Gespräch, den beiden Beintests und der Palpation (Lesen) des Atlas wird eine Bestandsaufnahme gemacht. Nach der Adjustierung (Energieübertragung) folgt eine Ruhepause von 20 Minuten. Danach eine Schlusskontrolle und die Konsultation ist beendet.
In der ersten Sitzung wird das Gespräch genutzt um sich kennen zu lernen, sowie eine Bestandsaufnahme bezüglich der bestehenden und vergangenen Beschwerden zu machen. Ebenfalls werden Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten in Betracht gezogen. Für die Ischialgie empfehle ich noch, sich basisch zu ernähren um sich zu entsäuern. Die Basen-Mineral-Mischung von Dr. Ewald Töth ist für mich das Beste für diesen Ausgleich. (Frau De Graaff besteht kein finanzieller Interessenkonflikt mit der Pharmaindustrie oder einem Labor oder einem Hersteller von medizinischen Produkten oder Materialien.)

Nicole Arpagaus:

Die Behandlung in der APM Radloff fängt immer mit den gleichen Gesichtspunkten an: Der Befund mit unserem Stäbchen am Ohr zeigt uns den energetischen Zustand des Körpers und den Bereichen, die schmerzhaft sind. Anhand des Befundes werden die richtigen Meridiane ausgeglichen. Ebenfalls wird das Becken und alle Gelenke natürlich mit der Wirbelsäule sanft getestet und diese je nach Befund behandelt. In der zweiten Behandlung testet der APM Radloff Therapeut wieder am Ohr, welches den aktuellen Zustand widerspiegelt. Abgestimmt mit den Aussagen des Klienten werden wir weiterfahren und die inneren Organe anfangen zu behandeln. Je nachdem wird der APM Therapeut weitere Informationen bezüglich dem Umgang mit den Beschwerden oder die Ernährung, Trinkgewohnheiten, etc. ansprechen.

Wie kann man eine Ischialgie vorbeugen?

Margrit de Graaff:

Bauchschlafen vermeiden (die Nackenmuskulatur wird so verspannt und der Atlas kann dadurch verschieben), genügend Bewegung und sich basisch ernähren. Sich basisch zu ernähren bedeutet, überwiegend (zu etwa zwei Dritteln) basische Lebensmittel (etwa Kartoffeln, Gemüse, reifes Obst oder Dörrobst) und genügend stilles Wasser oder Kräutertee zu sich nehmen. Dafür sollte tendenziell eher auf Lebensmittel wie Süssigkeiten, Fleisch, Fisch, Käse, Eier und Alkohol verzichtet werden.

Nicole Arpagaus

Für die mechanische Seite ist sicher das richtige Heben schwerer Lasten von Vorteil. Wir empfehlen Essen, das dem betreffenden Klienten guttut. Beim Getränk sollte man stilles Wasser bevorzugen. Und nicht zu vergessen, man sollte oft für den emotionalen Ausgleich im Alltag sorgen, d.h. zu sich selber wie einem Kind Sorge tragen. Da v.a. die Meridiane/Organe energetisch hier des Dickdarms, Niere, Lunge oder/und Blase betroffen sind, wird die Empfehlung auf diese jeweils abgestimmt und würde hier die Antwort sprengen. Ich kann nicht genug betonen, wie individuell sich das Beschwerdebild zeigt und darum eine individuelle Lösung angestrebt wird.

Lisa Yuan:

Ganz allgemein können TCM-Behandlungen mit Akupunktur, Tuina-Massage, Schröpfen und Wärme, aber auch eine Kräutertherapie vorbeugend gegen Ischialgie wirken. Wenn die körpereigene Essenz genügend vorhanden ist, kann sie ausgeglichen und stabil gehalten, wenn sie schon etwas geschwächt ist, aufgebaut und harmonisiert werden. Das Fliessen von Qi und Blut muss gefördert werden, um für eine möglichst gute Versorgung der Muskeln zu sorgen, sowie der Stagnation von Qi und dem Stau von Blut vorzubeugen.

Rolf Ott:

Bewegen, aber richtig. Die meisten Menschen bewegen sich leider jeden Tag, ohne es zu wissen, immer wieder in ihrer Fehlhaltung. Dies in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder beim Sport. So sind die meisten Abnutzungserscheinungen im orthopädischen Bereiche, und viele weitere Störungen vorprogrammiert. Mit einem aktiven, spiraldynamischen Muskelketten-Training ist es möglich die Fehlhaltung und damit die Bewegungs- Koordination und Stabilisation nachhaltig zu korrigieren, so dass mit jedem Schritt das Regenerieren der Bandscheiben unterstützt wird.

Mehr erfahren:

Über den Wirbelsäulen-Basis-Ausgleich:

Über APM Radloff:

Über Chinesische Medizin:

Ein gut und verständlich geschriebenes Buch für Laien ist Die Heilkunst der Chinesen. Qigong, Akupunktur, Massage, Ernährung, Heilkräuter von Ilona Daiker und Barbara Kirschbaum.

Wer sich vermehrt mit der Traditionellen Chinesischen Medizin auseinandersetzen will, dem ist Das große Buch der chinesischen Medizin: Die Medizin von Yin und Yang in Theorie und Praxis on Ted J. Kaptchuk zu empfehlen. Sicher keine leichte Lektüre, aber ein umfassendes Grundlagenwerk für Einsteiger, die TCM verstehen und anwenden wollen.

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