Kindern helfen,ihre Emotionen besser zu bewältigen

Wutanfälle, Panikattacken und deutlicher Mangel an Selbstvertrauen sind das Schicksal von immer mehr Kindern und dies ab dem jüngsten Alter. Das kann den Eltern Sorge bereiten.

Wie können wir unseren Kindern helfen, ihre Gefühle besser zu bewältigen und mehr Vertrauen in sich selbst zu haben?

Wir haben die folgenden vier Expertinnen gefragt:

 

  • Elisabeth Camossi ist Atemtherapeutin (Mitglied des Atemfachverbandes Schweiz), Bach-Blüten-Therapeutin und Klangschalentherapeutin. Sie ist Mutter von zwei Teenagern. In ihrer Praxis in Dübendorf arbeitet sie mit Kindern in Einzel- oder Gruppenstunden.
  • Ruth Röthlisberger ist Hypnotherapeutin und Mutter 2 Töchtern. In ihrer Praxis HypnoBox in der Nähe von Winterthur setzt sie verschiedene Hypnoseverfahren ein, insbesondere die Aktivwach Hypnose, um Kindern zu helfen, sich von ihren Ängsten oder Blockaden zu befreien.
  • Marlise Narbel ist Musiktherapeutin, Hypnosetherapeutin, Reflexologin und Magnetiseurin. Sie hat einen Ansatz mit Musik entwickelt, ergänzt nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen, der Kindern hilft, ihre Emotionen bei Lernschwierigkeiten wahrzunehmen. Sie wird am Salon des Thérapies Naturelles am kommenden 14. und 15. April in Morges teilnehmen, dessen Hauptthema um Therapien für Kinder handelt. Am Sonntag von 15 bis 15.30 Uhr wird sie zudem eine Konferenz darüber halten, wie die Therapie mit Musik bei Dyslexie hilft. Wenn Sie in der Westschweiz sind, sollten Sie dieses Event nicht verpassen
  • Mireille Dürig ist Kinesiologin in Grens, in der Nähe von Nyon, und Autorin des Buches „Genial J’Y Arrive Enfin !“ (französisch) das Kindern helfen soll, ihre Emotionen in den Griff zu kriegen und gute Lernmethoden zu finden. Sie leitet auch Workshops zu diesem Thema für hochsensible Kinder.

Wenn Sie sich vier Dinge aus diesem Artikel merken sollten:

   Emotionen in den Griff zu kriegen und Selbstvertrauen aufzubauen ist eine Sache der Übung. Es lohnt sich so früh wie möglich anzufangen, damit es zu einem Automatismus wird

Es gibt sehr einfache und lustige Tools, die Kinder leicht einsetzen können. Kinder lernen am besten, wenn sie dabei Spass haben.

   Warten Sie nicht, bis das Problem eskaliert. Je früher das Problem gemeistert wird, desto weniger Schaden wird dem Selbstbewusstsein des Kindes zugefügt.

   So schwierig es für Eltern auch sein mag, erlauben Sie dem Kind, seine eigene Erfahrung mit Emotionen und seiner Gefühlswelt zu machen, ohne ihm die Wahl der passenden Antwort „aufzuerlegen“. Es ist ein unvermeidlicher Prozess, der ihn aus seinem Innern heraus wachsen lässt.

Welche Emotionen beschäftigen die Kinder heutzutage am meisten?

Mireille Dürig: Viele Kinder sind hypersensibel, erfassen viele Informationen aus subtilen Welten und haben Probleme beim Umgang mit Emotionen. Die meisten von ihnen verweigern Autorität, besonders wenn sie missbräuchlich ist oder schlecht von ihren Eltern eingesetzt wird. Sie neigen eher zu Verträumtheit als zu bodenständiger Realität. Die Konfrontation mit der Materie, dem irdischen Aspekt und manchmal das fehlende Bewusstsein von Erwachsenen stimmen sie traurig oder wütend. Ich treffe auch viele Kinder an, die von den schulischen Anforderungen gestresst sind: Wenn es ihnen nicht gelingt, sich ins Lernschema „linke Gehirnhälfte“ einzupassen, verlieren sie Vertrauen und setzen sich selbst herab. Dabei würde es genügen, ihnen einfach beizubringen, wie sie ihr ganzes Gehirn einsetzen können und das Problem wäre gelöst.
Emotionen gehören zum Leben: Sie sind Energie in Bewegung und Katalysator des Lebens. Auf eine schwierige Emotion folgt eine weitere Emotion, positiver und unbekümmerter. Hauptsache, wir akzeptieren und anerkennen die Emotion und wir können sie in Worte fassen. Vermeiden Sie zum Beispiel „Ich bin“ traurig, wütend, allein… zu sagen, denn das „Ich bin“ würde die Emotionen einfrieren. Lernen Sie vielmehr zu sagen „Ich fühle mich“ traurig, wütend, allein…, um mit der inneren Arbeit zu beginnen. Hingegen die positiven Emotionen mit „Ich bin“ ausdrücken, um sie zu stärken und zu stabilisieren. Einen Rhythmus im Umgang mit Emotionen zu akzeptieren, gleich wie den Takt von Ebbe und Flut für die Gezeiten

Ruth Röthlisberger: Freude, Jubel, Angst, Ärger, Wut – all das sind Emotionen, die Kinder einordnen lernen müssen. In meiner Praxis arbeite ich überwiegend mit Kindern im Primarschulalter. Die Themen mit denen die Kinder zu mir kommen sind sehr vielfältig, aber die auslösenden Emotionen sind oftmals Ärger, Angst und Wut. Kinder sind sehr empfänglich für die Stimmungen der Erwachsenen und saugen besonders im Primarschulalter mehr und mehr Informationen aus ihrer Umwelt auf. Sie hören Dinge im Radio, hören Erwachsene reden oder schnappen sonst Informationen auf, die sie nicht im Detail verstehen und nicht korrekt einordnen können. Das kann zu Missverständnissen führen und Ängste schüren.
Daher ist es wichtig, den Umgang mit Emotionen zu lernen und sie zu verstehen. Obwohl sie ihren Emotionen sehr nahe sind, fällt es Kindern häufig schwer, was sie fühlen auch wirklich in Worte zu fassen. Doch wenn sich negative Emotionen anstauen, kann dies bei manchen Kindern körperliche Folgen haben

  • Schlafstörungen
  • Nägelkauen
  • Scheinbar grundlose Wut
  • Schulische Probleme
  • Konzentrationsstörungen
  • Ängste und Phobien
  • Panikattacken

Marlyse Narbel: Ich sehe einen grossen Wettbewerbskampf und daher Angst bei Kindern, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Dies führt zu verschiedenen Reaktionen, einschliesslich dem Vermeiden von Situationen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen, was es schwierig macht Wurzeln zu schlagen. Emotionen in den Griff zu kriegen hilft ein gewisses physisches und mentales Gleichgewicht zu halten. Ich befürchte jedoch, dass es je nach Vorgehensweise oft dazu kommen kann, dass das Kind zum „Papagei“ wird, da es aufgrund der Vorschriften, die von Erwachsenen als gut erachtet werden, nicht selbst erfahren konnte, was ihn von innen heraus erwachsen werden lässt. Es ist meines Erachtens ein komplexes Thema… zumal nur wenige Erwachsene sich bewusst sind, welche unterschwelligen Mechanismen ihre Gedanken und ihr Leben organisieren. Zudem ist es ein Weg, der für jeden einzigartig ist und deshalb kein „erfolgreiches Rezept“ zugeordnet werden kann, und es ist ein Weg, der niemals zu Ende geht…

Elisabeth Camossi: Die meisten Kinder kommen mit einer Angstthematik in die Praxis. Diese kann sich in vielfältigen Formen wie Wut, Aggression, Panikattacken, Kontaktschwierigkeiten, depressive Verstimmungen usw. zeigen. Überforderungen im Schulalltag, welche sich je nach Schulstufe auch in Richtung ausgebrannt sein auswirken können, sind leider auch keine Seltenheit. Hochsensible Kinder und deren Familien dürfen neue Richtungen und Wege gehen. Offenheit, Toleranz und Respekt für das „anders“ sein, dürfen im Familiensystem entstehen!

Ab wann macht es Sinn, zu einem Therapeuten zu gehen?

Marlyse Narbel: Dies geschieht normalerweise, wenn eine Person mit dem Erlebten nicht mehr zurechtkommt. Wahrscheinlich ist es erforderlich, wenn das Vorgehen dem Betroffenen ermöglicht, sich selbst zu rehabilitieren, zu seinen Bedürfnissen zurückzufinden und, falls nötig, bis anhin fehlende oder mangelhafte Fähigkeiten zu entwickeln. Es scheint mir jedoch wichtig vorsichtig zu sein, das Kind nicht zu bemuttern, nicht aus der Verantwortung zu entlassen und vor allem eine Person nicht von einer anderen abhängig zu machen, um sein Gleichgewicht (wieder)zufinden, was zu oft passiert, wenn die Betreuung in jungen Jahren oder auch später erfolgt.Soweit es mich betrifft, kümmere ich mich um Kinder mit Schulschwierigkeiten, die wirklich Hilfe benötigen, um in der angebotenen Struktur zu bleiben, sofern das der Wille der Eltern und des Kindes ist. Je schneller die Unterstützung einsetzt, desto besser ist auch die Chance auf eine spürbare Verbesserung der Situation, da mein Vorgehen die neuronale Plastizität aktiviert, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in den ersten Jahren veränderbarer ist.

Ruth Röthlisberger: Es empfiehlt sich immer dann einen Therapeuten in Anspruch zu nehmen, wenn das Kind oder das Familienleben unter einem Symptom leidet. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn das Einschlafritual eines Kindes jeden Abend 1 bis 2 Stunden in Anspruch nimmt und das Kind dadurch zu wenig schläft. Aber auch dann, wenn ein Kind unter Selbstzweifeln leidet und sich isoliert oder sich schulische Leistungen plötzlich verschlechtern.

Mireille Dürig: Wenn die Eltern sich hilflos fühlen und die Situation nicht bewältigen können. Das Kind konfrontiert seine Eltern mit ungelösten Geschichten. Ein „braves“ Elternteil ist ein Elternteil, das weiss, was es selbst „therapeutisch“ zu behandeln hat. Denken Sie daran, dass Kinder bis ins Alter von 7 Jahren in der Energieblase ihrer Mutter sind. Wenn ein Kind beispielsweise Ängste hat, sind es oft die ungelösten Ängste seiner Mutter. Kinder sind Sensoren für Gefühle und Stimmungen: Sie haben gut ausgerichtete Antennen.

Elisabeth Camossi: Die Eltern kontaktieren mich, wenn sie hilflos und überfordert mit ihrem Kind sind. Oftmals ist die schwierige Situation bereits schon weit vorangeschritten und das ganze Familienleben ist in einer negativen Spirale verhangen. Bekommen dann sowohl Eltern und Kind eine neutrale Unterstützung, kann rasch eine Veränderung der festgefahrenen Verhaltensmuster und eine Entspannung im Familienleben erfolgen – das erste Aufatmen nach einer meist schon langen, schwierigen Zeit. Besser wäre es, sich schon früher Hilfe von aussen zu holen.

Wie kann Ihre Methode den Kindern helfen, mit ihren Emotionen besser umzugehen?

Elisabeth Camossi: Kommt ein Kind zu mir in die Therapie, nehme ich das Kind in seiner Ganzheitlichkeit wahr. Ich beachte die Qualität seines Atems, die Grundspannung seiner Muskulatur, seine Haltung und wie es sich bewegt. Auch auf den Klang seiner Stimme, wie es sich äussert und mit mir in Kontakt tritt, achte ich. Über Bewegungen und Bewegungsformen können gespeicherte Emotionen in einem geschützten Rahmen hervorgeholt werden. Je nach aktueller Situation des Kindes ist die Körperarbeit eher aktivierend, kräftigend, motivierend, selbstwertstärkend oder energieabbauend, in die Ruhe kommend, zentrierend usw. Direkt mit dem Atem arbeite ich bei der Atembehandlung auf der Liege/Matte (das Kind ist bekleidet). Dehnungen, Druck und Bewegung fördern und leiten den Atem in gestaute, verspannte Körpergebiete. Kinder haben häufig Anspannungen im Bauch, welche sich durch diese sanfte Behandlung lösen können. Durch die Beobachtung des Kindes bei den Bewegungsübungen kann ich auch ohne Gespräch viel über das Kind erfahren. Ist das Kind etwas älter und redet gerne, gehört auch das therapeutische Gespräch ins Setting. Meist erhalten die Kinder (und Eltern) gleich zu Beginn eine harmonisierende Bach-Blüten-Mischung, so dass im Alltag eine erste Entspannung eintreten kann.

Mireille Dürig: Sie bringt die unbewussten Emotionen ans Licht und bietet Befreiungen an: durch ein Entmischungssystem (um die schwierige Emotion zu erkennen: „Ich bin traurig“, und zu einer positiven Emotion zu gelangen: „Ich freue mich wieder „) oder durch In-Bewegung-Setzen (Brain Gym-Zentrierübungen) oder einfach durch das, was Körper und Geist des Kindes als für ihn geeignet auswählen. Sie wird auch helfen zu definieren, wem die Emotionen gehören. Manchmal entlasten Kinder ihre Eltern und werfen ungelöste Geschichten auf. Sie helfen ihren Eltern, konfrontieren sie damit, woran zu arbeiten ist – Kinder sind Führer.

Ruth Röthlisberger: Hypnose ist ein sanfter Therapieansatz – ganz ohne Medikamente und frei von Nebenwirkungen. In einer Sitzung gehe ich gemeinsam mit dem Kind der Ursache des Symptoms auf den Grund. Kinder fallen in der Regel sehr schnell in Trance, da sie sehr offen und neugierig sind. Ausserdem ist ihnen der hypnotische Zustand bestens aus ihrem Alltag bekannt. Jede Mutter, jeder Vater kennt das: Man ruft das Kind und es reagiert nicht, weil es so vertieft ist in das was es tut, dass es die Umwelt ausblendet. Nichts anderes ist der hypnotische Zustand: Die Aufmerksamkeit ist nach innen gerichtet, die äussere Realität tritt in den Hintergrund. In der Hypnose haben wir einen besseren Zugang zu unserem Unterbewusstsein und können dort die negativen Emotionen auflösen und positive Suggestionen besser aufnehmen.

Marlyse Narbel: Musiktherapie aktiviert bestimmte Bereiche des Gehirns, die verbunden sind mit Sprache, motorischen Fähigkeiten, dem Gehör, visuell-räumlichen Störungen, Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Durch die gezielte Arbeit mit Musikinstrumenten, die auf die jeweilige Störung ausgerichtet sind, können neue Verbindungen zwischen den Bereichen hergestellt werden, was das (für manche Kinder schwierige oder gar unmögliche) Lernen erleichtert. Ich binde diese Methode in einen breiteren Kontext ein, in dem ich Reflexzonenmassage, Hypnose die ich pädagogisch nenne und Magnetismus anbiete sowie verschiedene Übungen des Körperbewusstseins.

Wie motivieren Sie die Kinder, damit sie mitmachen?

Marlyse Narbel: Grundsätzlich treten die Eltern mit mir in Kontakt, da die Kinder zu jung sind, um aus eigenem Antrieb eine solche Initiative zu ergreifen. Danach entscheiden sie selbst, ob sie weitermachen wollen oder nicht. Da es ein sehr spielerischer Ansatz ist, wird im Allgemeinen mit Freude weiter gemacht.

Elisabeth Camossi: Atem ist Rhythmus, Bewegung, Lebendigkeit – damit hole ich die Kinder ab. Die Übungen sind spielerisch und meist mit Hilfsmitteln wie Bällen, Tüchern, Seilen, kleinen Sandsäcken uvm. Dampf ablassende oder Mut gebende Übungen, wie mit Fersen-Kraft ein Sandsäckli an die Wand zu kicken oder als Sumo-Ringer stampfend durch den Raum zu gehen, machen nebenbei auch noch Spass! Stimmt jedoch die gegenseitige Vertrauensbasis nicht, ist keine Zusammenarbeit möglich.

Ruth Röthlisberger: Um den Erfolg der Sitzung zu garantieren, arbeite ich nur mit Kindern, die ihr Problem gerne ändern wollen. Wichtig ist, dass das Kind vertrauen zu mir hat und sich wohlfühlt.

Mireille Dürig: Es ist normalerweise kein Problem, Kinder zu motivieren: Ich verwende oft das In-Bewegung-Setzen (Brain Gym-Übungen, die eher unterhaltend sind) und Körperübungen. Wenn ein Kind „Widerstand leistet“, ist es meistens ein Zeichen dafür, dass die Mutter ihre Geschichte aufarbeiten kommen sollte. Ich bleibe flexibel, hafte an kein Protokoll und arbeite mit dem, was der Moment bringt. Ich bin es eher, die sich der Situation anpasst, als das Gegenteil: Wenn das Kind lieber sitzen oder liegen möchte … Ich arbeite auch mit ätherischen Ölen und gewissen Steinen. Es kann ein guter Einstieg sein, ein olfaktorisch-energetischer (das Kind wählt aufs Geratewohl ein ätherisches Öl aus) oder es wählt einen Stein, der ihn während der Sitzung begleitet. Tatsächlich denke ich, dass ich meistens das Kind in meinem Innern erwecke und miteinstimme. Und so liegt es auf der Hand!

Haben Sie ein praktisches Beispiel, das Ihre Methode verdeutlicht?

Mireille Dürig: Hier sind einige Beispiele, denen ich häufig begegne:

 

  • Beispiel für Angst: Eine Mutter kommt mit ihrem Baby zur Behandlung wegen Schlafproblemen, aber es ist die Mutter, die unter Stress steht und Angst vor dem Kindstod hat. Das Baby wird auf die Angst seiner Mutter reagieren und oft aufwachen, um seiner Mutter zu beweisen, dass es lebt.
  • Beispiel für Angst bei Kindern: Angst vor Misserfolg im schulpflichtigen Alter, Angst nicht perfekt zu sein (wenn Eltern Perfektion anstreben),
  • Beispiel für Wut: Ein Kind wird bei Ankunft eines kleinen Bruders oder einer kleinen Schwester oder bei Trennung seiner Eltern Wut zeigen. Wenn diese Wut erkannt und aufgenommen wird, kann das Kind schnell zu anderem übergehen und wieder fröhlich sein.

Ich rate oft die Kinesiologie-Übung der positiven Punkte, die hilft Stress wieder abzubauen, indem einfach mehr Blut und Wärme in die Stirnregionen gebracht wird. Sie ist sehr einfach durchzuführen: Man legt zwei Finger auf die Stirnbeulen und atmet dabei tief. Dies unterbricht die klassische Stressreaktion und entschärft die emotionalen Trigger. Es ist ein bisschen wie auf einen Knopf drücken, um dem Stress „stopp“ zu sagen. Sehr oft legen Mütter spontan ihre Hand auf die Stirn ihres Kindes und geben ihm diese beruhigende, tröstende und fürsorgliche Wärme.

Ruth Röthlisberger: Da ich gerne mit Hypnose in Bewegung arbeite, steht das Ergometer mitten im Raum und die meisten meiner jungen Klienten nutzen die Möglichkeit zur Bewegung sehr gerne. Besonders bei Ängsten und Wut lassen sich die Emotionen über Bewegung sehr gut verarbeiten und die Kinder spüren die Veränderung der Emotion deutlich. Wenn sie auf dem Fahrrad sitzen ist das Eis meist gebrochen und sie sind motiviert für die Sitzung.

Elisabeth Camossi: Gute Erfahrung habe ich mit dem Mitgeben von „Werkzeugen“ gemacht. Das sind einfache aber wirkungsvolle Körperübungen – zum Beispiel das Abklopfen der Beine bis und mit Füssen, zur Erdung und ins Hier und Jetzt holen. Zusammen mit dem Kind finden wir eine individuell passende und wirkungsvolle Übung und diese sollte es auch zu Hause regelmässig ausführen. Durch das regelmässige Anwenden werden die Übung und deren Wirkung im Körpergedächtnis gespeichert. In einem Ernstfall kann sich das Kind mit dieser gespeicherten Köperübung selber helfen, was wiederum eine positive Wirkung auf die Selbstwirksamkeit hat.

Marylse Narbel: Die einfache Tatsache, bei einem wiederkehrenden Klang mit einer Klangwiedergabe zu arbeiten, wobei eine kontinuierliche Bewegung ausgeführt wird, dann noch eine Zeichnung und schliesslich ein Wiedererkennungsspiel von Zeichnung, Bewegung und Stimme, verfeinert die Wahrnehmung des Klanges, der Sprache und seiner Dauer. Zudem wird die Bedeutung des Schreibens wahrgenommen und das Raumempfinden auf einem Papierblatt strukturiert. Fordert man das Kind zum Gehen auf, wobei es einem Klopfrhythmus und Musik folgt und dabei in die Hände klatscht, so wirkt sich das auf den Körpereinsatz, die Koordination, die zeitlich-räumliche Struktur sowie die Aufmerksamkeit aus. Wird eine zusätzliche Anweisung für einen zu wiederholenden Rhythmus gegeben, kommen dann Gedächtnis-, Dissoziations- und Multitaskingarbeit zum Zuge.

Mehr über das Thema:

Gesponserte Links