Holistia Wissen : Kinderwunsch: einige Hilfe der Komplementärmedizin

Wenn sich die Natur nicht nach unseren Plänen richtet, kann der Kinderwunsch schnell zu einer grossen Belastung werden und das Leben der Betroffenen im schlimmsten Fall fundamental erschüttern. Was tun, wenn der Anblick einer jungen Familie oder einer schwangeren Frau unerträglich wird?

Auch wenn die Komplementärmedizin die konventionelle Medizin nicht ersetzen kann – gerade im Bereich der künstlichen Befruchtung – so kann sie Eltern mit Kinderwunsch doch darin unterstützen, aus unproduktiven Denkmustern herauszufinden, einen positiven Umgang mit den eigenen Erwartungen zu finden, mentalen Druck abzubauen, unterbewusste Blockaden zu identifizieren und den Körper besser für die Empfängnis vorzubereiten.

Holistia hat zwei Expertinnen getroffenen, die seit Jahren Paare mit Kinderwunsch begleiten, in vielen Fällen bis zur erhofften Schwangerschaft:

 

  • Nadine Ballmer ist die Geschäftsleiterin von «Kinderwunsch Schweiz» und hilft, mittels Coaching und Techniken der Tiefenentspannung, Blockaden zu lösen und Druck abzubauen.
  • Brigitte Weber ist Akupunkteurin und hilft Paaren mit Kinderwunsch mit verschiedenen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), neben Akupunktur auch Moxa-Therapie und Tuina-Massage.

In diesem Artikel gehen die beiden Therapeutinnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Wenn Sie 3 Dinge dieses Artikels erinnern müssen:

Vergessen Sie nicht, das Leben zu geniessen! Konzentrieren Sie sich auch auf ihre Wünsche und Träume, die nichts mit der Gründung einer Familie zu tun haben.

Verabschieden Sie Sich von der Idee «Sex haben zu müssen». Paare mit Kinderwunsch sollten sich genügend Zeit für ihre Sexualität nehmen und sich gegenseitig entspannen und verwöhnen. Zum Beispiel mit gegenseitigen Massagen oder einem romantischen Abend bei Kerzenschein.

Auch für die Männer kommt eine komplementärmedizinische Therapie in Frage. Sei es, um das eigene Wohlbefinden zu verbessern, oder um der Partnerin zu helfen, Druck abzubauen. Obwohl der Grund für eine ausbleibende Schwangerschaft etwa zu ⅓ bei der Frau, zu ⅓ beim Mann und zu ⅓ bei beiden liegt, sind die KundInnen meistens Frauen.

Die Ursache des Problems:

Nadine Ballmer: Die Ursachen sind sehr vielseitig. Stress ist sicher eine wichtige Ursache, es kann natürlich aber auch ein biologisches Problem vorliegen, zum Beispiel eine verschlossene Eileiter. Wir beraten unsere Kundinnen vor der eigentlichen Behandlung und empfehlen, je nach Situation, eine medizinische Vorabklärung, damit wir wissen, ob eine physische Ursache vorliegt, und wenn ja welche. Auf der psychologischen oder emotionalen Ebene (wir machen hier eigentlich keine Unterscheidung), ist eine der Hauptursache der Stress, dem die Frau ausgesetzt ist. Stress einerseits, weil die Betroffene unbedingt schwanger werden will, Stress aber auch im Job. Oft sind unsere Patientinnen beruflich erfolgreich und hohem Druck ausgesetzt.

Brigitte Weber: Es gibt viele Gründe, weshalb eine Frau nicht schwanger wird. Ein Grund ist sicher der Umstand, dass Frauen immer später Kinder bekommen. Je älter die Mutter ist, desto geringer ist die Chance auf eine Schwangerschaft. Der zweite Grund ist die Qualität der Spermien, die in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen ist. Der dritte Grund ist der moderne Lebenswandel vieler Frauen: Sie sind beruflich stark engagiert und wollen gleichzeitig auch noch perfekte Hausfrau, Geliebte und Gastgeberin sein. Dieser selbstauferlegte Leistungsdruck bringt viele Frauen an den Rand ihrer Kräfte. Und ein geschwächter Körper ist eine denkbar schlechte Voraussetzung für eine Schwangerschaft.

Der vierte Grund sind medizinische Probleme wie fehlender Eisprung, PCO, Endometriose oder ausbleibende Menstruation. Diese Probleme lassen sich mit TCM in den allermeisten Fällen beheben. Der fünfte Grund sind schlechte Ernährungsgewohnheiten: Viele Frauen ernähren sich hauptsächlich von Salaten und Milchprodukten. Das führt zu einer Verschleimung und Abkühlung des Körpers, was sich ebenfalls ungünstig auf den Kinderwunsch auswirkt.

Je drei Tipps, die sofort weiterhelfen:

  • Brigitte Weber: «Erstens: Stress reduzieren. Zweitens: Perfektionismus ablegen. Drittens: Ein gutes Selbstbewusstsein und eine gute Wahrnehmung des eigenen Körpers antrainieren.»
  • Nadine Ballmer:  «Erstens: Das Leben geniessen! Oft vertagen Frauen mit Kinderwunsch ganz viele ihrer Wünsche für nach der Schwangerschaft. Reisen, Jobwechsel, Weiterbildungen… solche wichtigen Pläne werden zugunsten der Schwangerschaft nach hinten verschoben oder gar aufgegeben. Die Betroffene vergisst dann während des Warten auf die Schwangerschaft, das Leben zu geniessen und Träume zu verwirklichen.Zweitens: Stress abbauen! Wenn der Körper Stress ausgesetzt ist, kann dies die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Ich empfehle Frauen mit Kinderwunsch, sich ganz bewusst zu entspannen, sich Gutes zu tun. Das kann eine Meditation sein, eine Entspannungs-CD, was genau spielt gar keine grosse Rolle.Und drittens empfehlen wir, aufzuhören das Thema zu googlen. Die Negativszenarien wie sie in Internetforen stehen, helfen nicht weiter.

Was hilft:

Brigitte Weber: «Ich behandle Paare mit Kinderwunsch mit Akupunktur, Moxa und Tuina-Massage. Die Wirksamkeit von Akupunktur bei Kinderwunsch wurde in mehreren Studien belegt. Auch die Erfolgsaussichten von IVF steigen mit einer parallelen Akupunktur-Behandlung. Aus diesem Grund arbeiten heute viele Reproduktionskliniken mit TCM-Therapeutinnen zusammen.

Einige Kundinnen sind bereits nach drei Behandlungen schwanger. Bei anderen dauert es drei Monate und manchmal sogar drei Jahre. Gerade Frauen, die schon länger von einem Kind träumen, sind oftmals so verspannt und verbissen, dass es länger dauern kann, bis sie genügend Ruhe und Gelassenheit für eine Schwangerschaft besitzen»

Nadine Ballmer: « Unsere Behandlung gliedert sich in zwei Teile: Einerseits machen wir Coaching und führen Gespräche, andererseits arbeiten wir mit Techniken der Tiefenentspannung. Dies kann man sich vorstellen wie eine begleitete Meditation oder eine Fantasiereise. Die Patientin erkundet zum Beispiel in ihrer Fantasie ihre reproduktiven Organe, wir beschäftigen uns mit dem Unterbewussten und lösen dort Blockaden. In der ersten Sitzung machen wir oft nur die Anamnese, mit der eigentlichen Behandlung fangen wir manchmal erst in der zweiten Sitzung an. Eine Veränderung ist dann meistens sehr schnell, d.h. oft schon nach 2 Sitzungen spürbar. Das heisst aber nicht unbedingt, dass die Frau gleich schwanger wird. Wir werten es auch als Erfolg, wenn die Patientin ihr Lebensglück nicht mehr von einer Schwangerschaft abhängig macht und gelassener mit ihrem Kinderwunsch umgehen kann. In den meisten Fällen klappt es dann relativ bald, eine Garantie abgeben können wir aber natürlich nicht.

Wie können die Partner sich gegenseitig helfen?

Nadine Ballmer: Es sind meistens die Frauen die zu uns kommen. Wichtig ist, dass der Partner das Problem der Frau ernst nimmt und ebenfalls Verantwortung übernimmt für den gemeinsamen Kinderwunsch. Es hilft ausserdem, wenn der Partner optimistisch bleibt.

Brigitte Weber: «95 % meiner Kunden sind Frauen. Obwohl der Grund für eine ausbleibende Schwangerschaft etwa zu ⅓ bei der Frau, zu ⅓ beim Mann und zu ⅓ bei beiden liegt. Akupunktur kann erwiesenermassen die Qualität der Spermien verbessern. Trotzdem lassen sich nur wenige Männer auf eine Behandlung ein. Ich wünsche mir, dass mehr Männer Verantwortung für die geplante Schwangerschaft übernehmen und das Problem nicht einfach an die Reproduktionsmedizin delegieren. Ganz wichtig scheint mir auch, dass Männer ihre Frauen entlasten und sie aus dem Hamsterrad befreien, in dem viele Frauen mit Kinderwunsch unablässig ihre Runden drehen. Zu guter Letzt rate ich Paaren mit Kinderwunsch dringend, sich von der Idee «Sex haben zu müssen» zu verabschieden. Ich empfehle meinen Kundinnen und Kunden, dass sie sich 2 bis 3 Termine rund um den Eisprung in ihre Agenda schreiben und an diesen Tagen früher nach Hause kommen. An diesen Abenden sollten sie sich bewusst Zeit füreinander nehmen.»

Die physiologische Ursache des Problems aus Sicht der traditionellen Medizin von Dr. med. Fritz Grossenbacher, mediscope:

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Die Unfruchtbarkeit ist das Unvermögen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Die Ursache für die Unfruchtbarkeit kann dabei sowohl bei der Frau als auch beim Mann liegen.

Die häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit bei Frauen sind:

  • Störung der Eireifung und des Eisprungs. Hormonstörungen, aber auch eine Chemotherapie, Bestrahlung oder einfach nur ungesunde Lebensweise oder fortgeschrittenes Alter können die Eireifung und den Eisprung behindern.
  • Störung der Befruchtung. Bei Verklebungen der Eileiter oder aufgrund von Entzündungen ist der Transport der Eizellen oder das Vordringen der Spermien bis zur Eizelle beeinträchtigt.
  • Störung der Einnistung in der Gebärmutter. Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut nach Entzündungen oder Operationen, aber auch Myome oder eine Endometriose können die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut stören.

Die häufigsten Ursachen beim Mann:

  • Störung der Spermienbildung. Als Folge von Hormonstörungen, Hodenentzündungen, einem Hodenhochstand oder nach einer Chemo- oder Strahlentherapie. Rauchen, starker Alkoholkonsum, starkes Übergewicht und Stress können die Spermienproduktion ebenfalls beeinträchtigen.
  • Ejakulationsstörung, Impotenz. Arteriosklerose, Diabetes, Nervenlähmungen oder Nervenentzündungen können zu einer Ejakulationsstörung führen.
  • Störung des Spermientransports aufgrund von Entzündungen oder Verletzungen der Samenleiter.

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Konferenz von Brigitte Weber:

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