Menstruationsbeschwerden natürlich behandeln

Krämpfe im Unterleib, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, schwerer Blutverlust können bei einigen Frauen die Menstruation erschweren oder sogar völlig behindern. Welche natürlichen Hilfsmittel gibt es bei schmerzhaften Regeln? Was sind die Ursachen? Sind die Ursachen nur körperlich oder können sie auch psychologisch sein?

Holistia hat drei Experten nach Tipps gefragt, um diese Veränderung gelassen anzugehen:

 

  • Angela Gleixner-Lück  ist diplomierte Pflegefachfrau. Nach vielen Jahren Erfahrung in der gynäkologischen Ambulanz hat sie eine pflanzenheilkundliche Ausbildung in der Frauenheilkunde und in Aromapflege absolviert um die Frauen bei der Selbsthilfe zu unterstützen. Sie gibt regelmäßige Seminare bei Farfalla in Zürich wo sie fachlich fundierte Informationen, naturheilkundliche Mittel, ätherische Öle, Akupressurtipps und passende Entspannungsübungen für Regelschmerzen mitteilt.
  • Andreas Schläpfer ist erfahrener medizinischer Masseur mit eidg. FA und hat seine Praxis mit dem Namen „ATOR – Therapie“ in Biel/Bienne.
  • Claudia Stamm ist Yogalehrerin in Zürich und hat sich auf Hormon Yoga spezialisiert. Sie erklärt, warum Yoga Therapie helfen kann, auch Menstruationsbeschwerden auf natürliche Weise zu regulieren.

In diesem Artikel gehen die drei ExpertInnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Welches sind die Symptome der Regelschmerzen ?

Andreas Schläpfer : Viele kennen die Symptome, hauptsächlich wenn sie Betroffen sind.

Es gibt verschiedene Menstruationsbeschwerden:

  • Schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhoe) zB Ziehen und Krämpfe im Unterleib, Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Durchfall, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen,…
  • Sehr starke Regelblutung (Hypermenorrhoe)
  • Schwache Periode (Hypomenorrhoe)
  • Übermässig lange Regelblutung (Menorrhagie): Die Periode hat eine Dauer von mehr als 6 Tagen und ist sehr stark.
  • Unregelmässige Regelblutung (Metrorrhagie): Neben der normalen Regelblutung kommt es zu unregelmässigen Zwischenblutungen
  • Verlängerter Menstruationszyklus (Oligomenorrhoe): Mehr als 31 Tage
  • Verkürzter Menstruationszyklus (Polymenorrhoe)
  • Ausbleiben der Periode (Amenorrhoe)

Oder das Prämenstruelles Syndrom (PMS): Diverse Beschwerden welche ca. 2 Wochen bis einige Tage vor der Menstruation beginnen und meist mit Einsetzen der Blutung aufhören. Die Beschwerden lassen sich in körperliche und psychisch-emotionale Symptome aufteilen.

Angela Gleixner-Lück : Je nach Ursache gibt es zwei Formen von Regelschmerzen :

  • primäre Regelschmerzen
  • sekundäre Regelschmerzen

Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö)

Primäre Regelschmerzen treten meist bereits mit der ersten Regelblutung auf. Eine primäre Dysmenorrhö hat meist keine körperlichen Erkrankungen als Ursache.
Während der Menstruation werden in der Gebärmutterschleimhaut vermehrt körpereigene Botenstoffe (Prostaglandine) gebildet. Diese sorgen dafür, dass sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammenzieht und die Schleimhaut dabei abstößt. Durch das Zusammenziehen ist das Gewebe weniger durchblutet und daher schlechter mit Sauerstoff versorgt. Dadurch entstehen bei einigen Frauen die typischen primären Regelschmerzen.

Primäre Regelschmerzen treten vor allem dann auf, wenn im Zyklus der Frau ein Eisprung stattgefunden hat. Denn in diesem Fall ist die Gebärmutterschleimhaut eine dicke, gut durchblutete Schicht, in der sich die befruchtete Eizelle besonders gut einnisten kann. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, werden in der dicken Gebärmutterschleimhaut besonders viele Prostaglandine produziert.

Hat hingegen kein Eisprung stattgefunden, zum Beispiel weil die Frau mit der Antibabypille verhütet, ist die Gebärmutterschleimhaut schwächer ausgebildet. Dementsprechend schwächer fällt die Menstruation aus – und meist auch die damit verbundenen Beschwerden.
Weitere mögliche, wenn auch seltene Ursachen für primäre Regelschmerzen sind:

 

  • starke Unterentwicklung der Gebärmutter oder der Genitalien
  • Lageanomalien der Gebärmutter (sog. Retroflexion)
  • Fehlbildungen der Gebärmutter

Auch psychische Faktoren können bei primären Regelschmerzen eine Rolle spielen. So können beispielsweise die Probleme junger Frauen, sich in die weibliche Rolle und das Erwachsensein einzufinden, unangenehme Gefühle während der Menstruation fördern oder verstärken.

Weitere begünstigende Faktoren für primäre Regelschmerzen sind unter anderem:

 

  • eine frühe erste Regelblutung (Menarche) vor dem Ende des zwölften Lebensjahrs
  • ein relativ niedriges Körpergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 20
  • lange Menstruationszyklen mit langer oder starker und unregelmäßiger Blutungsdauer
  • Regelschmerzen bei Familienangehörigen
  • ungesunde Lebensweise (Rauchen, Alkohol)
  • Stress und andere psychische Belastungen

Sekundäre Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö)

Sekundäre Regelschmerzen treten meist erst später im Leben auf. Sie werden auch erworbene Regelschmerzen genannt. Denn anders als primäre Regelschmerzen haben sekundäre Regelschmerzen meist eine Erkrankung als Ursache: Sie können bei krankhaften Veränderungen im Becken auftreten, etwa bei einer Gebärmutterentzündung oder bei Myomen (Gebärmuttergeschwulsten).

Eine häufige Ursache einer sekundären Dysmenorrhö ist die Endometriose. Diese gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut betrifft etwa 10 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter. In vielen Fällen bleibt die Erkrankung als mögliche Ursache der Regelschmerzen unerkannt.

Wenn Sie häufig oder regelmäßig an Menstruationsbeschwerden und -störungen leiden, sollten Sie Ihren Frauenarzt darüber informieren. Dieser kann feststellen, ob Ihre Beschwerden möglicherweise durch eine Endometriose oder eine andere gynäkologische Erkrankung hervorgerufen werden.
Sekundäre Regelschmerzen können außerdem durch mechanische Verhütungsmittel im Bereich des Gebärmutterhalses hervorgerufen werden (z.B. durch eine Spirale). Auch psychische Belastungen wie beispielsweise

  • ein unerfüllter Kinderwunsch,
  • Probleme mit dem Partner oder
  • Probleme mit der Sexualität

können bei manchen Frauen der Grund dafür sein, dass sie ihre Menstruationsblutung als unangenehm und schmerzhaft empfinden.

Claudia Stamm : analog den bereits genannten Punkte von Herrn Schläpfer oder Frau Gleixner-Lück.

Welches sind die Ursachen der Dysmenorrhö ?

Claudia Stamm : Wir leben in einer starken Yang Gesellschaft. Oft ist man sich gar nicht bewusst, dass sich Stress und Leistungsdruck auch negativ auf unseren weiblichen Zyklus auswirken können. Es leiden daher auch vermehrt junge Frauen an einer Hormon Dysbalance, welche sich zum Beispiel durch Menstruationsbeschwerden, einem unregelmässigen Zyklus oder einer sekundären Amenhorroe (Ausbleiben der Regel) zeigen kann.

Angela Gleixner-Lück : Man unterscheidet primäre Regelschmerzen (ohne krankhafte Ursache) von sekundären Regelschmerzen mit einer Ursache (z.B. Myome, Endometriose).

Zu primären Regelschmerzen kommt es vor allem, wenn ein Eisprung stattgefunden hat. Ziehende, krampfartige Unterleibs- und Rückenschmerzen sind typische Symptome. Sie können zusätzlich mit Kopfschmerzen, Unwohlsein, Müdigkeit verbunden sein. Sie sind meist an den ersten beiden Tagen der Periode am stärksten.

Sekundäre Regelschmerzen können je nach Grunderkrankung unterschiedlich sein. Häufig kommt es zu starken und langanhaltenden Blutungen, die auch mit ziehenden, krampfartigen Unterleibs- und Rückenschmerzen verbunden sein können.

Andreas Schläpfer : Oft sind diese Beschwerden durch ein Ungleichgewicht der Hormone bedingt (Hormonelle Dysbalance).

Wie kann Ihre Methode helfen ?

Angela Gleixner-Lück :  Bei akuter Dysmenorrhoe können ätherische Öle beruhigend, entkrampfend und schmerzlösend wirken. Häufig sind dann keine Schmerzmittel mehr notwendig. Warme Unterbauchwickel, sanfte Bauchmassagen, Bäder und die Behandlung der Reflexzonen für Gebärmutter und Eierstöcke (am Rücken über dem Kreuzbein) sind sehr hilfreich.

Konkrete Beispiele:

Muskatellersalbei, Ylang Ylang, Fenchel, Kardamom, Rose u.v.a. wirken krampflösend. Bei psychischer Anspannung wirken unterstützend Öle wie Lavendel, Bergamotte, Melisse, Sandelholz, Kamille römisch und Muskatellersalbei. Zusätzlich können phyto-östrogen wirkende Öle bei unregelmäßigen Zyklen oder hormonellen Dysbalancen eingesetzt werden. Dazu gehören Rosengeranie, Muskatellersalbei, Fenchel, Anis, u.a.

Rezeptvorschläge für Massageöle:

  • 30 ml Jojoba- oder Mandelöl
  • 3 Tr. Lavendel
  • 3 Tr. Muskatellersalbei
  • 3 Tr. Ylang Ylang

oder

  • 30 ml Jojoba- oder Mandelöl
  • 2 Tr. Bergamotte
  • 2 Tr. Rosengeranie
  • 2 Tr. Ylang Ylang
  • 2 Tr. Muskatellersalbei
  • 2 Tr. Sandelholz

Anwendung: Morgens und abends sanft auf Bauchregion und den Bereich des Kreuzbeins einmassieren.

Ein Duft-Bad unterstützt die stimmungsaufhellende und entkrampfende Wirkung:

  • 2 EL Honig sorgfältig mit den ätherischen Ölen vermischen
  • 5 Tr. Vanille
  • 1 Tr. Muskatellersalbei
  • 1 Tr. Rosengeranie

Diese Mischung in die fertig eingelaufene Badewanne geben und 15 Minuten genießen. Anschließend eine der Massageöl-Mischungen sanft auf Bauch und Kreuzbein-Region auftragen und einmassieren.

Kontraindikationen: Wegen der ungeklärten Wirkung von Phytoöstrogenen auf Brusttumore sollte eine Daueranwendung bei hohem familiärem Risiko nicht erfolgen. Auch wenn keine Daten über eine tatsächliche Risikoerhöhung vorliegen, sollte nach ca. 3 Monaten eine Behandlungspause eingelegt oder auf andere Öle umgestellt werden. (D. Wabner, siehe Literatur).

Andreas Schläpfer : In der Behandlung geht es dem Körper zu helfen das Ungleichgewicht der Hormone wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies kann durch verschiedene natürliche/therapeutische Behandlungsmethoden (meist reflektorische Behandlungen) geschehen, es kommt auch immer etwas auf die Person und die Beschwerden an. Ich kombiniere sehr gern verschiedene Methoden um schneller und angenehmer zu einem Ergebnis zu kommen wie zum Beispiel Bindegewebsmassage zwischen der Menstruationsblutung, da während der Blutung es zu Empfindlich ist mit Bindegewebsmassage wechsle ich in der Zeit auf Fussreflexzonenmassage.

Claudia Stamm : Hormon Yoga ist eine Therapie Form und wirkt auf das gesamte weibliche System auf physischer, psychischer sowie energetischer Ebene. Hormon Yoga besteht aus einer fixen Übungsserie die von der Gründerin Dinah Rodrigues vor über 30 Jahren zusammengestellt wurde. Die Therapie aktiviert unsere Hormone, bringt unsere gesamte Zirkulation in Fluss und lenkt Prana in die spezifisch endokrinen Drüsen und Organe, welche eine Schlüsselrolle spielen um unseren Hormon Haushalt in Balance zu halten. Hauptfokus wird vor allem auf das Zusammenspiel zwischen Hypophyse – Schilddrüse – Eierstöcken gelegt.
Da Stress eine enorm negative Wirkung auf unseren Hormon Haushalt hat, gehören zur Serie auch diverse beruhigende Pranayama Übungen.
Hormon Yoga ist eine effektive Möglichkeit, jegliche Symptome die auf ein Hormon Ungleichgewicht zurückzuführen sind, zu mindern oder gar zu eliminieren. Tausenden von Frauen konnte die Methode schon helfen. Sei es bei starken Menstruationskrämpfen, starke Blutung, Ausbleiben der Regel (Amenorrhoe), unerfülltem Kinderwunsch, Wechseljahresbeschwerden, oder auch anderen Leiden wie zum Beispiel Gewichtsschwankungen, übermässigem Haarausfall, brüchige Nägel etc.

Wie bei Vielem, ist auch hier eine regelmässige Praxis von 4x wöchentlich ratsam, um spürbare Erfolge zu erzielen. Hormon Yoga kann übrigens auch praktiziert werden ohne jegliche Kenntnisse im Yoga zu haben. Die Serie besteht aus definierten Asanas (Körperübungen), Atemübungen und tibetischen Energielenkungen um die spezifisch endokrinen Organe und Drüsen der Frau zu aktivieren, die bei der Hormonproduktion eine Schlüsselrolle spielen. Zur Serie gehören ebenfalls Schlankheitsübungen und Übungen gegen Stress. Hormon Yoga wirkt sich aufs ganze System der Frau positiv. Die Frau fühlt sich wohler und ausgeglichener, spürt mehr die Verbindung zu ihrem Körper und kann dadurch auch ihr Selbstbewusstsein stärken. Symptome können gemildert werden und gleichzeitig erhält man eine frischere, vitale Ausstrahlung, denn Hormon Yoga wirkt sich auch auf Haut und Haare positiv aus.

Beispiel Übung 1 «Sitzende Katze»

Dies ist eine Aufwärmübung bei der wir unsere Wirbelsäule mit angehaltenem Atem beugen und strecken. Diese Übung mobilisiert die Wirbelsäule und aktiviert die Nebennieren, die Thymusdrüse und die Bauchspeicheldrüse

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Beispiel Übung 2 «Gebetshaltung»

Diese Übung wird ähnlich wie im klassischen Yoga die «Taube» ausgeführt. Das angewinkelte Bein wird jedoch möglichst senkrecht gehalten und das Knie in der Brustmitte platziert. In der Asana wird 7x Bhastrika (starke Blasebalg-Atmung) ausgeführt und danach die Energie mit aktivieren der Bhandas zum jeweiligen Eierstock gelenkt. Die Übungen werden immer auf rechts und links durchgeführt.

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Beispiel Übung 3 «Schlankheitsübung»

Diese Übung erstreckt sich über 3 Parts bei der die Schilddrüsen durch starke Ujjayi Atmung angeregt wird.

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Haben Sie weitere Tipps für Menstruationsbeschwerden ?

Angela Gleixner-Lück : Die Grundmaßnahmen heißen Ruhe und Wärme, bei mancher Frau aber durchaus auch moderate Bewegung. Eine sehr wirkungsvolle, einfache Teemischung bei Dysmenorrhoe und Unterleibskrämpfen: Schafgarbe, Frauenmantel und Gänsefingerkraut zu gleichen Teilen, 3 Tassen täglich, 5 Tage vor der einsetzenden Menstruation trinken. Bei Einsetzen der Blutung eventuell auf max. 5 Tassen täglich steigern. Sekundäre Regelschmerzen müssen gynäkologisch ordentlich abgeklärt werden.

Claudia Stamm : Ich empfehle gerne eine leichte Unterleib Massage mit ätherischen Ölen wie zum Beispiel Muskatellersalbei, Lavendel, Rosmarin, Majoran, Rose. Die Wirkung von einem Mondstein kann ebenfalls sehr heilsam und krampflösend sein. Ein warmer Tee wirkt ebenfalls sehr beruhigend.

Andreas Schläpfer :Ich empfehle gerne etwas Warmes auf dem Bauch (z.B. Moorflasche behält lange die Wärme, …) zu legen.