Eine Narbe bedeutet einen „Einschnitt im Leben“

Für manche Leute erinnert eine Narbe an etwas Gutes: An die Geburt eines Kindes, an eine Operation, mit der eine Krankheit endlich besiegt oder die Folgen eines Unfalls geheilt wurden. Für andere wiederum bedeuten Narben eine emotionale Bürde, die nur schwer akzeptiert werden kann und die körperliches Unwohlsein verursacht: Eine Narbe kann eine geschwollene, schmerzhafte und verwachsene Stelle sein, so unangenehm, dass manche Betroffene Mühe haben, ihre Narbe überhaupt zu berühren.

In all diesen Fällen, unabhängig von der Grösse der Narbe, sollte das Problem unbedingt ernst genommen werden. In der Alternativmedizin gibt es verschiedene Methoden, um sich mit Narben «zu versöhnen», auf körperlicher, seelischer und emotionaler Ebene.

Holistia hat drei ExpertInnen getroffen, die regelmässig Narben behandeln:

  • Daniel Schenker und Irene Scheidegger sind auf Shiatsu und Faszienarbeit spezialisiert und haben ihre eigene Methode entwickelt, um Narben auf der Ebene der Faszien zu behandeln.
  • Véronique Trabujo ist Reflexologin, «Doula» Geburtsbegleiterin und bietet Workshops an zum Umgang mit Kaiserschnittnarben.
  • Tanja Grüninger ist diplomierte Akupunkteurin und seit 2005 spezialisiert in der Begleitung von Frauen vor während und nach der Geburt seit 2005. Sie arbeitet in den beiden «Qihigh» Praxen in Aesch (ZH) und in der Stadt Zürich

In diesem Artikel stellen wir Ihnen die drei Methoden vor.

Die drei wichtigsten Aussagen der TherapeutInnen vorweg:

Jede Narbe sollte behandelt werden, selbst wenn sie an eine schöne Erinnerung geknüpft ist.

Die Behandlung dauert nicht lange, in der Regel reicht eine Sitzung.

Wenn erneut Schmerzen auftreten, kann eine erneute Behandlung sinnvoll sein.

Warum ist es wichtig, eine Narbe zu behandeln?

Tanja Grüninger:

Narben können viele Beschwerden verschlimmern oder Erkrankungen verursachen, weil sie den energetischen Fluss der Lebensenergie (Qi) auf den Meridianen blockieren. Die Grösse der Narbe spielt dabei keine Rolle. Bei einer Behinderung des Energieflusses entsteht auf der einen Seite der Narbe eine Stagnation von Energie mit stechenden Schmerzen und auf der anderen Seite Leere und ein taubes Gefühl. Beschwerden können aber auch an einem ganz anderen Ort auftreten oder Auswirkungen zeigen, je nach dem wo sich die Narbe befindet. Gerade bei exponierten Narben kann auch eine sichtbare Verminderung der Narbe das Selbstwertgefühl positiv beeinflussen. Langzeitfolgen wie Wetterfühligkeit, Taubheits- und Sensibilitätsstörungen und das Spüren der Narbe bei körperlicher oder seelischer Belastung können durch die Behandlung vermieden werden.

Véronique Trabujo:

Eine Narbe ist die Folge eines chirurgischen Eingriffs, für den Körper ist das nie eine belanglose Sache, es ist nicht natürlich, sich aufschneiden und zunähen zu lassen. Die Narbe ist das Resultat eines Eingriffs von aussen, um den Körper zu «reparieren», damit er überlebt. Es ist ein Ereignis, an das sich der Körper auf verschiedenen Ebenen erinnert: physisch, emotional und energetisch. Wenn man davon ausgeht, dass es im Körper Ströme gibt, dann wurden gewisse Ströme unterbrochen und es ist notwendig, sie wiederherzustellen.

Daniel Schenker und Irene Scheidegger:

Narben können während des Heilungsprozesses Verklebungen auf der faszialen Ebene verursachen. Dies ist meistens von Aussen nicht sichtbar und muss daher ausgetestet werden. Solche verklebten Narben können Probleme an ganz anderen Stellen im Körper verursachen. Eine Kaiserschnittnarbe kann zum Beispiel Rückenschmerzen oder Schulterprobleme, eine Narbe am Fuss vielleicht Hüftprobleme, verursachen. Neben den körperlichen Auswirkungen, können sich Narben auch auf der psychisch-emotionalen Ebene bemerkbar machen und ein Trauma verursachen.

Wie funktioniert Ihre Methode?

Tanja Grüninger:

Die Therapie besteht vor allem darin, Qi und Blut zu stärken, um den Heilungsprozess zu fördern und die Wundheilung zu beschleunigen. Durch die Narbenentstörung wird der Energiefluss angeregt, bzw. wieder ins richtige Gleichgewicht gebracht und die Selbstheilung kann eingeleitet werden. Für die Entstörung und Behandlung von Narben arbeite ich vorwiegend mit Laserakupunktur – einer modernisierten Form der traditionellen Akupunktur mit Nadeln.

Véronique Trabujo:

Es handelt sich um eine Art Massage, eine Kombination aus Reflexologie und Solva Therapie. Wenn die Narbe noch neu ist, fällt die Massage sanfter aus, bei einer alten Narbe geht sie mehr in die Tiefe. In Verbindung mit der Massage leite ich die Patientin oder den Patienten an, sich auf körperliche Empfindungen und/oder auf die Atmung zu achten.

Daniel Schenker und Irene Scheidegger:

Wir testen die Narbe Millimeter für Millimeter aus. Durch sanften «Stress» entlang der Narbe reagiert das Gewebe in der Tiefe. Wir lösen so Schicht für Schicht, bis das Gewebe sich wieder geschmeidig und gelöst anfühlt. Die Patientin oder der Patient spürt dabei, ob etwas passiert. Die physische Reaktion muss nicht genau bei der Narbe sein, sie kann auch an einem ganz anderen Ort im Körper spürbar werden. Die Behandlung habe wir auf Grund unserer Erfahrungen als Therapeut und Therapeutin selber entwickelt, basierend auf Shiatsu und Faszienarbeit.

Tut die Behandlung weh?

Véronique Trabujo:

Manche Narben sind an gewissen Stellen taub oder schmerzhaft, das hängt von der Person ab. Die Arbeit mit Narben kann als schmerzhaft wahrgenommen werden, weil jene Zone durch die Berührungen «aufgeweckt» wird. Manche Narben werden als störend empfunden, sie irritieren und jucken. Die Arbeit mit der Narbe hilft, die Probleme in Zusammenhang mit der Narbe zu mildern.

Daniel Schenker und Irene Scheidegger:

Die Behandlung kann brennen, ziehen oder stechen, da sich das Gewebe wieder löst und neu organisieren muss. Jeder Körper reagiert da unterschiedlich.

Tanja Grüninger:

Die Laserakupunktur kann man sich als eine Art Lichttherapie vorstellen und ist völlig schmerzfrei. Das gebündelte und hochkonzentrierte Laserlicht dringt bis tief in das Gewebe ein und kann dadurch das Gewebe in mehreren Schichten anregen.

Wieviele Behandlungen sind notwendig?

Daniel Schenker und Irene Scheidegger:

Es kommt auf das Gewebe der Person und den Grad der Verklebungen an. Wenn eine Narbe allerdings einmal entstört ist, reicht das meistens. Vielleicht spürt eine Person nach ca. fünf Jahren wieder ein leichtes Aufkommen des Problems, dann behandelt man die Narbe nochmals. Meistens braucht es nur eine Sitzung, die kann aber durchaus zwei Stunden dauern. In schweren Fällen braucht es auch zwei, drei Sitzungen.

Véronique Trabujo:

Man kann sich schon wenige Stunden nach der Operation mit der Narbe beschäftigen (ohne sie zu massieren oder zu berühren), zum Beispiel mit energetischer Arbeit, man kann sich aber während dem ganzen Leben mit einer Narbe auseinandersetzen: Man merkt es, wenn eine Narbe Aufmerksamkeit verlangt, zum Beispiel, weil die Stelle taub wird. Es ist wichtig, die Narbe zu pflegen, in dem man sie massiert (es gibt sehr gute Öle und Crèmes zu dem Zweck z.B. Odinhelp. Wichtig ist, dass man sich traut, die Narbe zu berühren und Energien zum fliessen zu bringen, damit sich der Körper optimal erholt. Man beschäftigt sich mit der Narbe, bis sich die Stelle einfach gut anfühlt. Und wenn sich Narbe Jahre später wieder schlecht anfühlt, beschäftigt man sich halt wieder damit.

Tanja Grüninger:

Je nach Schweregrad und Alter der Narbe sind zwischen 5 bis 10 Behandlungen nötig. Dies wird individuell mit dem Patienten entschieden und besprochen. Ich empfehle meinen Patienten, die Narbe Zuhause mit einem Handlaser, den man beispielsweise bei mir mieten kann, selbst zu behandeln, um die Heilung zu beschleunigen.

Ist es möglich, eine alte Narbe zu behandeln?

Tanja Grüninger:

Mit der Lasertherapie können auch alte oder noch entzündete Narben behandelt werden. In der Regel werden alte Wunden nicht gänzlich verschwinden. Narbenwulste können nur mässig reduziert werden. Das energetische Störfeld oder andere durch die Narbe entstandenen Beschwerden können jedoch in der Regel vollständig aufgelöst werden.

Véronique Trabujo:

Man kann sich zu irgendeinem Zeitpunkt mit der Narbe beschäftigen, es passiert mir oft, dass ich eine Verbindung finde zwischen bestimmten Schmerzen oder Probleme und einer Narbe, um die sich die Patientin oder der Patient nicht gekümmert hatte. Das können Schmerzen im unteren Rücken sei, aber auch in den Hüften, in den Knien, im Bauch, eine schlechte Verdauung, fehlende Libido…

Daniel Schenker und Irene Scheidegger:

Ja, auf jeden Fall. Eine alte Narbe hatte mehr Zeit, um etwas Unangenehmes entstehen zu lassen, als eine frische. Umso wichtiger ist darum die Behandlung. Das Alter spielt bei Narben keine Rolle, da der Körper nichts vergisst. Manchmal kommen Patienten mit Schmerzen, die sie gar nicht richtig zuordnen können. Während der Behandlung stellt sich dann heraus, dass zum Beispiel die Schmerzen der rechten Hüfte, mit einer fünfzehn Jahre alten Narbe der zweitkleinsten Zehe am linken Fuss zusammenhängt.

Was tun mit einer frischen Narbe?

Daniel Schenker und Irene Scheidegger:

Wir empfehlen, die Narbe möglichst früh zu behandeln. Nach einer Operation warten wir etwa sechs bis acht Wochen, bis die Narbe komplett verheilt ist, um mit der Entstörung zu beginnen.

Tanja Grüninger:

Mittels der sogenannten «Low-Level-Lasertherapie» können auch frische Narben oder schlecht heilende Wunden behandelt werden. Dabei gilt: je früher die Behandlung, desto besser das Resultat. Die Laser-Bestrahlung fördert die Durchblutung, lindert Schmerzen, wirkt entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und abschwellend. Ausserdem wird das Infektionsrisiko vermindert und die Wundheilung beschleunigt. Die Leistung der verwendeten Therapielaser ist so optimiert, dass bei der Behandlung keine Wärmeeinwirkung auftritt. Somit wird weder Gewebe abgetragen noch zerstört.

Véronique Trabujo:

Wenn man gerade operiert wurde, ist es wichtig, sich zu erholen, den Anweisungen der Ärztin oder des Arztes zu folgen. Ich empfehle, die Narbe nicht nur auf physischer, sondern auch auf emotionaler Ebene zu pflegen, die Patientin oder der Patient muss sich von der Angst vor der Narkose erholen, von der Spitalumgebung, möglicherweise auch von der Überraschung, vom beschwerlichen Alltag nach der Operation.

Nach einem Kaiserschnitt hilft es der Mutter, wenn sie sich entspannend kann, sowohl was ihre Ängste betrifft, als auch die physischen Verspannungen nach der Operation (Nacken, Schultern, Becken). Es hilft der Mutter, wenn sie die Emotionen, die mit dem Kaiserschnitt zusammenhängen (Frustration, Schuldgefühle, Wut, Müdigkeit, Wut, Traurigkeit, mangelnde Anerkennung annehmen kann. Das entlastet den Körper und hilft ihm, die Geburt besser verarbeiten zu können.