Neurodermitis – wie hilft die Komplementäredizin?

Juckreiz, Schmerzen, Aufbrausen, trockene Haut, die Schuppen bildet, sind die Symptome, die Menschen mit Neurodermitis plagen.

Wie kann Neurodermitis auf natürliche Weise behandelt werden?

Holistia hat die folgenden drei Experten gebeten ihre Erfahrungen zu teilen :

 

  • Julia Gruber ist Dipl. ErnährungsCoach und Holistic Health Coach vom Institute for Integrative Nutrition. Sie hat sich auf Darmgesundheit spezialisiert und Neurodermitiskunden gehören zu ihrem Alltag.
  • Christine Lakits ist diplomierte Naturheilpraktikerin mit Schwerpunkt Naturheilkunde, Ernährungsberatung, Fastencoaching und Manuelle Therapien in Zürich. Es ist ihr ein grosses Anliegen, den Menschen mit ganzheitlichem Blick zu betrachten und so ihre Klienten erfolgreich behandeln zu können.
  • Graciella Huber ist Vinama-Therapeutin und Gründerin der Sorea Gesundheitspraxis. Sie hat selber jahrelang unter Neurodermitis gelitten und konnte ihre Beschwerden mit Vinama und Spagyrik behandeln.

In diesem Artikel gehen die drei Expertinnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Zwei Dinge, die Sie sich aus diesem Artikel merken sollten:

Ein Arzt soll die Diagnose für Neurodermitis stellen.

Für langfristige Ergebnisse muss die Ursache (Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Stress, emotionale Belastung) des Problems gefunden und die Lebensweise entsprechend geändert werden.

Woher wissen wir, dass wir Neurodermitis haben ?

Graciella Huber : Neurodermitis kann als Kind oder im Laufe des Lebens unerwartet auftreten. Die Symptome sind vielfältig. Das Erscheinungsbild der Haut kann verschiedene Formen annehmen: Gerötet, entzündet und schuppig oder es bilden sich unterschiedliche Bläschen. Die meisten Betroffenen leiden an einem unerträglichen Juckreiz. Mal zeigen sich die Hautveränderungen nur an bestimmten Stellen, mal sind grossflächige Hautbereiche betroffen. Zur Diagnose gehören, nebst Begutachtung der Haut, eine ausführliche Anamnese des Arztes zu den wichtigsten diagnostischen Schritten. In seltenen Fällen, wenn die Hauterscheinungen nur schwer einem bestimmten Krankheitsbild zugeordnet werden können, kann eine Probenentnahme (Biopsie) an einer betroffenen Hautstelle durchgeführt werden und Gewissheit für die Diagnostik bringen.

Christine Lakits : Bei einer Neurodermitis, auch Atopische Dermatitis genannt, handelt es sich um eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die meist Schubweise auftritt und an diversen Symptomen erkennbar ist. Meist haben die Betroffenen sehr trockene Haut, die spannt und sich rau anfühlt. Sie ist auch leicht schuppig. Ein wichtiges Leitsymptom für die Diagnose ist lästiger Juckreiz. Es kann auch zu Rötungen und Entzündungen kommen und generelle Hautveränderungen sind nicht selten. Um ganz sicher zu sein, sollte die Diagnose jedoch von einem erfahren Dermatologen gestellt werden.

Julia Gruber : Dies ist eine Diagnose, die ein Arzt stellen sollte.

Was sind die möglichen Ursprünge der Neurodermitis ?

Julia Gruber : Diese Frage kann ich nicht abschliessend oder umfassend beantworten, ich kann aus meiner Sicht nur sagen, dass ungünstige, entzündungsfördernde Ernährung auf jeden Fall mit dazu beiträgt, dass Hautprobleme wie Neurodermitis entstehen können. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Stress, emotionale Belastung und Umweltgifte tragen einiges dazu bei.

Christine Lakits : Die Ursachen für eine Neurodermitis sind vielschichtig und treten aufgrund einer Störung der Barrierefunktion der Haut auf. Oft liegt auch ein nicht optimal funktionierendes Immunsystem der Haut bei Neurodermitis vor. Es gibt unspezifische Auslöser für einen Schub, es können aber auch spezifische Faktoren sein wie zum Beispiel Allergien auf Nahrungsmittel, Tierhaare, Pollen, Waschmittel, Duschmittel etc. Nicht zu vergessen sind psychische Faktoren wie Stress oder eine generell ungesunde Lebensweise.

Graciella Huber : Unterschiedliche interne und externe Faktoren können Ursache einer Neurodermitis sein. Das ist auch ein Grund warum die Behandlung für den Therapeuten eine Herausforderung darstellt. Eine falsche Ernährung, ein schwaches Immunsystem und die Unterdrückung von Emotionen haben einen bedeutenden Einfluss.

Wie kann Ihre Methode helfen ?

Christine Lakits : Ich behandle Menschen mit Neurodermitis mit einem individuell auf den Klienten zugeschnittenen naturheilkundlichen Konzept. Je nach Ursache und Ausprägung der Symptome kommen verschiedene Methoden zur Anwendung. Immer mit dem Ziel vor Augen eine nachhaltige Verbesserung bzw. Heilung zu erzielen.

Julia Gruber : Meine Methode ist eine Ernährungsumstellung auf darmfreundliche Ernährung. Und da die Haut Spiegelbild des Darms ist und eine darmfreundliche Ernährung Entzündungen senkt, hilft die Umstellung auf eine naturbelassene Ernährung, langsames Essen, gutes Kauen etc. auf jeden Fall. Ausserdem ist eine Darmsanierung hilfreich, um eine allenfalls durchlässige und entzündliche Darmschleimhaut wieder dicht zu bekommen und um das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Graciella Huber : Ich stärke mit Hilfe von VinaMa die Selbstheilungskräfte. Dafür werden Punkte im Gesicht angeregt, die alle Organe aktivieren, die das Nervensystem beruhigen und die entzündungshemmend und entschlackend wirken. Abhängig von der Art der Neurodermitis behandle ich die betroffenen Stellen mit Moxibution oder verschiedenen Roller. Die Behandlung ergänze ich mit dem spagyrischen Speicheltest, durch den passende Kräuter für die betroffene Person und das Erscheinungsbild gefunden werden können. Der Klient sollte dann zu Hause täglich die von mir individuell zusammengestellten Massagen ausführen.

Können wir Ihre Methode mit anderen Methoden kombinieren ?

Graciella Huber : Die vietnamesische Multireflexologie ist mit den meisten Methoden kombinierbar und beschleunigt andere Therapieverfahren. Sie ist auch eine sehr gute Ergänzung zum Dermatologen.

Christine Lakits : Ich beginne bei der Behandlung von Neurodermitis meist über den Darm (Darmsanierung und Aufbau der Darmflora). Gefolgt von einer Ernährungsumstellung hin zu einer basenbildenden, mehrheitlich pflanzlichen Ernährung. Je nach körperlicher und geistiger Verfassung des Klienten ist auch Heilfasten eine sehr gute Möglichkeit die Therapie zu beginnen. Weitere Verfahren kommen dann wenn nötig und je nach Bedarf hinzu. Ganz wichtig ist dabei auch die Hautpflege um mögliche äusserliche Faktoren auszuräumen, die die Erkrankung auslösen können.

Julia Gruber : Ernährung kann immer mit anderen Methoden kombiniert werden. Da Haut mit Grenzen-Setzen und Abgrenzung zu tun hat, kann auf jeden Fall auch eine Lebens-Beratung, Auflösen von Familienproblemen, Stressreduktion usw. mithelfen, die Neurodermitis zu lindern.

Wie lange dauert es, bis die ersten Ergebnisse vorliegen ?

Julia Gruber : Meine Kunden berichten oft schon nach wenigen Tagen, dass die Haut besser und weicher wird oder auch Juckreiz gelindert wird. Um einen Darm jedoch wieder komplett in Ordnung zu bringen und auch langfristig zu verhindern, dass Probleme wieder auftauchen ist es sinnvoll, sich 3-6 Monate um seinen Darm zu kümmern und auch langfristig auf gesunde Ernährung und einen gesunden Lebensstil zu achten.

Christine Lakits : Das kann ich so nicht beantworten, da dies sehr vom Individuum abhängig ist. Generell ist es in der Naturheilkunde jedoch so, dass eine Verbesserung der Symptome bzw. die Heilung etwas mehr Zeit in Anspricht nimmt, diese jedoch meist nachhaltiger ist, als die reine Behandlung von Symptomen. Eine ganzheitliche Therapie beinhaltet die Betrachtung eines Menschen als Ganzes, d.h. Körper, Seele und Geist werden gleichermassen in die Therapie einbezogen mit dem Ziel, die Ursachen für die Erkrankung zu finden. Gelingt dies und der Klient ist bereit aktiv etwas an seiner Lebensweise zu ändern, dann ist eine nachhaltige Heilung bzw. Verbesserung der Symptome möglich.

Graciella Huber : Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Auch hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Im Schnitt kann mit ca. 3-6 Monaten gerechnet werden.