Psychotherapie: Optimismus trotz Krebs

Positiv zu denken ist nicht immer einfach, wenn man an Krebs leidet: Man kann wütend werden, auch auf den eigenen Körper, der einen daran hindert, so zu leben, wie man es will. Durch lange Reihen von Behandlungen kann das Gefühl entstehen, dass unser Körper uns nicht mehr gehört, ganz zu schweigen von den Nebenwirkungen einer Chemotherapie oder Strahlentherapie.

Eine Herausforderung, die Claudie aus Lausanne, 31 Jahre, bewältigt hat. Im Februar wurde sie mit einem Chondrosarkom (primärer Knochenkrebs) diagnostiziert, das sich weder durch Chemotherapie noch Strahlentherapie behandeln lässt. Sie lebt weiterhin ihre Träume und ist ein Beispiel für Positivität. Die Psychotherapie half ihr durch eine schwierige Phase und und unterstützte sie auch nachher darin, trotz ihrer Krankheit nach vorne zu schauen.

Ein bewegendes Beispiel für Optimismus und Resilienz. Eine schöne Lektion über das Leben.

Wie haben Sie herausgefunden, dass Sie Weichgewebekrebs oder ein «mesenchymales Sarkom» hatten?

Die Geschichte von Brutus (der Spitzname meines Krebses) beginnt am 23. Februar 2017. Ich bin beim Osteopath (mein Superheld) um, so denke ich, eine Verletzung/Beschwerde nach dem Laufen/Trail zu behandeln. Er bemerkt eine sehr harte Masse in meinem Unterleib und sagt mir, es wäre gut, meinen Arzt aufzusuchen, was ich natürlich umgehend tue.

Und so geht es los mit einer Myriade von Bluttests aller Art, Ultraschall und Scanner. Das erste Urteil fällt, es ist ein Tumor von mehr als 10cm Grösse, der zwischen meinem Becken und dem Psoas-Muskel liegt. Auch einige Flecken auf der Leber sind zu kontrollieren.Ich verbringe die nächsten 15 Tage zwischen CHUV und Clinique de la Source für Biopsie und verschiedene MRTs. Es ist der 23. März, ich betrete zum ersten Mal das Onkologiezentrum in Lausanne. «Guten Tag, Sie haben einen seltenen Weichteiltumor, genannt Sarkom, aber wir wissen noch nicht, welcher Typ genau».Und ich antworte so natürlich wie möglich: „Denn Sie denken, ich bin wie jedermann?! Und heißt das, ich kann das Bergrennen Sierre-Zinal nicht laufen?? (Ja, unsere ersten Reaktionen sind manchmal seltsam).

Es wird 15. Juni, bis wir den genauen Namen dieses Tieres kennen, ein mesenchymales Chondrosarkom. Es ist ein seltener, primärer Knochenkrebs, der, wie mir gesagt wird, weniger als 1% der Sarkomen sind so wie meins. In Klartext ist es ein Krebs, der sich aus dem knorpeligen Gewebe entwickelt und sich später im weichen Geweben bewegt.


Nehmen Sie neben der medizinischen Behandlung auch komplementärmedizinische Hilfe in Anspruch? Wenn ja, welche Therapien haben Ihnen geholfen?

Bei der medizinischen Behandlung handelt es sich, kurz zusammengefasst, um eine Nachsorge mit MRI und Scanner alle drei Monate während zehn Jahren. Strahlentherapie und Chemotherapie sind in meinem Fall nicht wirksam. Das hatte mich total überrumpelt. Auf Anraten einer echten Super-Heldinnen-Freundin, die ebenfalls von Krebs betroffen ist, folgte ich einem Programm im Lausanner Uni-Spital namens AVAC (apprendre à vivre avec son cancer – lernen mit Krebs zu leben). An verschiedenen Abenden hatten wir Einführungen in Yoga, Hypnose, ätherische Öle, Kunsttherapie, etc. Ich finde es sehr interessant, neben der traditionellen Medizin auch eine alternative Medizin zu haben, die bei der Rekonstruktion und der Akzeptanz der Krankheit eine echte Ergänzung darstellt.

Nach meinem letzten Check Ende August und einem Konditions- und Motivationseinbruch rieten mir meine Ärzte vom Uni Spital, einen auf Krebs spezialisierten Psychologen zu treffen, was ich auch tat. Nach vier Sitzungen kann ich sagen, dass es mir sehr gut tut, mit einer aussenstehenden Person zu sprechen, die die Krankheit versteht und mir hilft, das tägliche Leben besser zu akzeptieren, zu lernen wieder voranzuschreiten, Ziele zu setzen, die meinen aktuellen körperlichen Fähigkeiten entsprechen. Ich war zunächst etwas unwillig einen Psychologen zu treffen. Es hat mir allerdings erlaubt, meine Gedanken zu klären, bedächtiger und überlegter zu sein.

Ihr Instagram Account strahlt eine positive Grundhaltung aus: Wie bleiben Sie optimistisch?

Es fühlt sich für mich ganz natürlich an, zu kämpfen, vorwärts zu gehen, Hindernisse zu überwinden, Herausforderungen zu meistern. Man findet immer etwas positives, selbst in den schlimmsten Momenten. Man lernt in jeder Phase des Lebens etwas. Es gibt aber auch Momente, in denen ich über mich selbst wettere, wo die Stimmung für ein paar Augenblicke nachlässt.
Mein Rezept für eine positive Einstellung: Nehmen Sie eine Portion gutes Essen, eine Spur Humor, einen Hauch von Selbstironie, einen großen Löffel Support von einer super Familie und mischen Sie das alles mit einer grossartigen Gruppe von Freunden.
Ich versuche so viele Aktivitäten wie möglich zu haben oder in einer Umgebung zu sein, die mich anregt, immer Spass zu haben. Wenn meine Instagram-Seite den Menschen helfen kann, sich besser zu fühlen und sich zu motivieren, umso besser.

Wie schaffen Sie es, nicht ständig an Ihre Krankheit zu denken?

Ich behielt meine Ziele für dieses Jahr bei, mit einer anderen Vision, denn natürlich hat die Operation meine körperlichen Fähigkeiten und mein Tempo verlangsamt.

Ich bin ein Fan von Outdoor-Sport, im Sommer wie im Winter. Ich liebe die Gastronomie (die zu meinem Job wurde). Also stellte ich mich wieder an den Herd, zurück zu einem gesünderen und ausgeglichenerem Kochen, um den Geschmack von Hausgemachtem wiederzufinden. Ich entdeckte einen Outdoor-TV-Kanal, der mich reisen lässt. Ich habe auch einige grossartige Trail-Champions getroffen, mit denen ich mich austauschen konnte. Da ich zur Zeit nicht mehr laufen kann, helfe ich Freiwillige, Rennen zu organisieren.

Ich habe einen Hashtag (#ma_ccc) erstellt, es ist die Geschichte von meinem „Ultra“ (ich vergleiche die Überwindung meiner Krankheit gerne mit den Ultra Trails, die ich früher gelaufen bin). Denn der Weg ist lang, durchzogen von Höhen und Tiefen, aber was auch immer passiert, ich werde dieses «Rennen» zu Ende laufen, ungeachtet der Kilometer.

Was tun Sie, um auf Ihren Körper und seinen neuen Grenzen zu achten?

 

Da ich mich keiner schweren Behandlung (Chemotherapie oder Strahlentherapie) unterziehen muss (beides hätte keine Wirkung), höre ich vermehrt auf meine Gefühle, vor allem in meiner körperlichen Rehabilitation.

Ich mache viel mehr Pilates als zuvor, als ich schnell Action wollte, ohne meinen Körper vorzubereiten. Manchmal gehe ich bei der Arbeit behutsamer vor, um eine zu starke Entzündung der Muskeln und der durch den Tumor geschädigten Stellen zu vermeiden.

Ich zögere nicht, mit meinem Physiotherapeuten und meinen Ärzten bei Terminen darüber zu sprechen, damit sie mich auch auf der medizinischen Ebene führen.

Ich gewähre mir viel mehr Ruhezeit, wenn ich das Bedürfnis dazu verspüre. Insbesondere Pflegeprodukten und Lebensmittel, die ich jeden Tag nutze, schaue ich, eine möglichst naturnahe Version zu verwenden.


Welche Lebensweisheit möchten Sie teilen?

Da ich mich keiner schweren Behandlung (Chemotherapie oder Strahlentherapie) unterziehen muss (beides hätte keine Wirkung), höre ich vermehrt auf meine Gefühle, vor allem in meiner körperlichen Rehabilitation. Ich mache viel mehr Pilates als zuvor, als ich schnell Action wollte, ohne meinen Körper vorzubereiten. Manchmal gehe ich bei der Arbeit behutsamer vor, um eine zu starke Entzündung der Muskeln und der durch den Tumor geschädigten Stellen zu vermeiden. Ich zögere nicht, mit meinem Physiotherapeuten und meinen Ärzten bei Terminen darüber zu sprechen, damit sie mich auch auf der medizinischen Ebene führen. Ich gewähre mir viel mehr Ruhezeit, wenn ich das Bedürfnis dazu verspüre. Insbesondere Pflegeprodukten und Lebensmittel, die ich jeden Tag nutze, schaue ich, eine möglichst naturnahe Version zu verwenden.Zum Beispiel, dass Glück darin liegt, all die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen, dass das Leben kostbar ist …
Leben Sie das Leben, das Sie beglückt, teilen Sie die kleinen einfachen Momente, die kleinen alltäglichen Freuden mit Ihren Freunden, Ihrer Familie. Warten Sie nicht darauf, dass Sie das Leben erwischt, ergreifen Sie es zuerst. Und vor allem „Kiff ta life“ #ktl

„Man findet immer etwas positives, selbst in den schlimmsten Momenten.“

Über Claudie

Claudie,  31 Jahre alt, aus Lausanne, schafft es positiv zu bleiben trotz ihrer Krebsdiagnose. Die Psychotherapie hilft ihr dabei.

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