Rückbildung mit Yoga : sich als Frau wiederfinden

Mirjam Hayman ist Yogalehrerin, Markenbotschafterin für Lululemon und leitet Workshops zum Thema Achtsamkeit und Mutterschaft. Die Mutter von 2 Kindern erklärt uns wie Yoga helfen kann uns rückzubilden und uns als Frau wieder zu finden. Ein Artikel der hilft, sich vom schlechten Gewissen zu verabschieden.

Wie kann Yoga die Rückbildung fördern?

Yoga bedeutet auf Sanskrit so viel wie „zusammenbinden, anspannen, vereinen“. Der Kreislauf wird sanft wieder in Schwung gebracht, die Muskeln werden aktiviert und Verspannungen gelöst. Oft erleben die Mütter ihren Körper als eine Art Gemeingut, ein Gemeingut, das einem nicht mehr ganz gehört. In der Schwangerschaft ist es ein Zu-zweit-in-einem-sein, wobei die eine Person immer auf die andere Rücksicht nehmen muss. Nur in eine Richtung. Dann folgt die Geburt, ein einem anderen Wesen gewidmeter Marathon, der die Mutter auf allen Ebenen beansprucht, nur um bei der Ziellinie von neuem anzusetzen: Herumtragen, Stillen, Nicht-Schlafen. Der Platzanspruch des eigenen Kindes wirkt überwältigend, physisch und emotional. 

Im Yoga soll dem eigenen Körper Raum gegeben werden, nicht um dem Baby zu dienen, sondern damit die Mutter zu sich selbst findet, sich wieder mit sich selbst „vereint“.

„Im Yoga soll dem eigenen Körper Raum gegeben werden, nicht um dem Baby zu dienen, sondern damit die Mutter zu sich selbst findet, sich wieder mit sich selbst „vereint“.“

Ab wann darf man Yoga nach der Geburt wieder starten und welcher Typ von Yoga eignet sich am besten?

6-8 Wochen nach der Geburt kann Yoga wieder aufgenommen werden. Am besten wird mit einem speziellen Rückbildungsyoga-Kurs gestartet und dann mit der Zeit auf eine normale Klasse umgestellt.

Haben Sie eine Yogaübung die Sie für die Rückbildung besonders empfehlen?

Es gibt spezifische Beckenbodenübungen, die sehr wichtig sind, und die jede Rückbildungs-Sequenz enthalten sollte. Eine zusätzliche Pose, die ich sehr empfehle, ist Prasarita Padottanasana:

Durch das Anspannen der Beine spürt die Mutter ihre Kraft, sie muss Platz einnehmen, breitbeinig dastehen. Die Füsse sind stabil am Boden, der Kopf ist unten, was die Perspektive ändert und Ruhe bringt.

Ich folge Ihnen auf Ihren sozialen Netzwerken. Sie haben 2 Kinder und sehen als Mutter sehr ausgeglichen, relaxed aus. Was ist Ihr Tipp?

Ja, ja was man auf den sozialen Netzwerken doch alles nicht sieht… 🙂
Also ausgeglichen und entspannt bin ich oft überhaupt nicht. Das Muttersein mit kleinen Kindern und das ganze Leben drumherum ist anstrengend und weder Yoga noch „Mindfulness“ noch sonst etwas werden das ändern. Oft machen wir uns das Leben noch schwerer, in dem wir meinen, dass wir immer ausgeglichen, happy und entspannt sein sollten. Das kreiert sozusagen einen doppelten Druck: Man fühlt sich überfordert oder unzufrieden und stresst sich noch zusätzlich, dass man doch eigentlich glücklich sein sollte. Yoga hilft mir zu akzeptieren, dass es immer auf und ab geht und dass das zum Leben gehört. Schwierige Momente gehören im Alltag genau so dazu wie herausfordernde Posen im Yoga.
Und wenn man sich mit dem Umfeld offen austauscht, stellt man fest, dass man mit den Schwierigkeiten meistens nicht alleine ist. Es ist ganz ok, sie zu haben und es ist wichtig, darüber zu sprechen. Ein abendliches Glas Wein hilft auch:)

Wie kann man sich mit Kindern als Frau wiederfinden und nicht nur Mutter sein?

Als Mutter ist man oft fremdbestimmt. Die eigenen Bedürfnisse erhalten wenig Beachtung. Umso wichtiger, dass sie im Rahmen der Möglichkeiten wirklich auf sich selber hört. Manche Mütter wollen zu Beginn einfach „nur“ Mutter sein, sie wollen sich gar nicht so schnell vom Kind trennen und ausgehen, sondern am Abend lieber die Beine hochlegen und ihr Kind bewundern, während es schläft. Andere haben schneller wieder Lust auf zusätzliche Tätigkeiten oder vermissen ihren beruflichen Alltag. Der gesellschaftliche Druck „normal“ zu sein, dazu gehört z.B. auch schnell wieder die „normale Figur“ zu haben, ist gross. Mütter sollen mutig auf sich selber hören, authentisch und mit viel Selbstliebe und sich nicht von äusserem Druck in ihren Entscheidungen leiten lassen.

Portrait

Fotokredit: Raphael Hadad

Einmal pro Monat eine Sprechstunde von holistia im Postfach: