Seinen Weg finden

Sei es bei beruflicher Neuorientierung oder auf der Suche nach dem Zweck des Lebens, einer Lebensaufgabe oder innersten Inspirationsquelle – in jedem Fall ist das Coachingangebot sehr vielfältig und kann zu noch mehr Verwirrung führen.

Holistia hat die folgenden drei Experten gebeten, einige einfache und konkrete Tools zu präsentieren, die Ihnen helfen sollen, Ihren Weg zu finden:

 

  • Caroline Perroud ist ECD Pro-zertifizierter Coach. Aufgrund ihrer zehnjährigen Tätigkeit in der Geschäftsleitung der Risiko- und Betrugsabteilung eines Finanzinstituts, und zwar in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache und in einer anderen Stadt, realisierte sie wie wichtig es ist, sich sowohl beruflich als auch persönlich zu entwickeln. Im Laufe der Jahre hat sich ihre Spezialisierung auf den beruflichen Übergang und den persönlichen Wandel konzentriert, um den Menschen zu helfen, ihren Weg und ihr Gleichgewicht (wieder) zu finden. Sie empfängt Sie an einem Ort zwischen Lausanne und Freiburg, den Sie gemeinsam vereinbaren, und konsultiert auch per Telefon oder Skype.
  • Cornelia Kazis ist Kulturjournalistin beim Radio SRF 2 Kultur und als solche liest sie viele Sachbücher. Bei dieser Lektüre ist ihr der Begriff Ikigai zum ersten Mal begegnet und sie hat diesen Begriff in der täglichen Sendung „100 Sekunden Wissen“ vorgestellt.
  • Mathieu Levrat praktiziert NLP, Hypnose nach Erickson und Coaching Interactionnel®. Er verfolgt seine Weiterbildung mit David Laroche, dem jungen französischen Coaching-Wunderkind. Nach 15 Jahren als Immobilienökonom beschloss er, sich im Life- und im Business-Coaching neu zu orientieren, nachdem er Schritte unternommen hatte, seinen eigenen Weg zu finden. Er bietet in Lausanne ein umfassendes Coaching an, das auf psychischer, körperlicher und emotionaler Ebene wirkt und ist ganz besonders begeistert, wenn er anderen helfen kann, ihren Weg zu finden.

Wenn Sie sich an 3 Dinge aus diesem Artikel erinnern sollten:

   Seinen Weg zu finden beginnt damit, sich selbst zu kennen, seine Werte, seine Talente, sein Potenzial zu identifizieren und nicht zu sein, was man denkt, dass man sein sollte. Ein Coach kann diesen Prozess unterstützen.

Seien Sie sich selbst, versuchen Sie nicht, sich selbst zu verändern. Ihren Weg zu finden bedeutet den Kontext zu finden, der Ihre Stärken, die von Natur aus da sind, hervorhebt. Dafür kann das Enneagramm eine grossartige Ressource sein.

   Seinen Weg zu finden bedeutet nicht, sich ständig herauszufordern. Wie Ikigai es so schön anbietet, geht es einfach darum, zu tun, was man gerne macht, was anderen dient und wovon man leben kann,

Was ist das Prinzip Ihres Tools?

Cornelia Kazis: Das Ikigai ist eine besondere Art von Glück, die aus Japan stammt und wörtlich übersetzt „das, wofür es sich zu leben lohnt“ bedeutet, was wir als Lebenssinn beschreiben könnten oder als das, was die Franzosen „raison d’être“ nennen. Es ist eine Synthese zwischen Individualität und Gemeinwohl, Herausforderung und Resilienz. Nämlich wer bin ich, was liebe ich, was kann ich, was tue ich, und wozu dient das? Wofür lohnt es sich für mich heute Morgen aufzustehen? Wenn wir Aktivitäten haben, die diese 4 Frage erfüllen, dann kann jeder von uns sein Ikigai-Moment erleben.

Forschungen über das Geheimnis der Alten auf Okinawa (zum Beispiel die Ohsaki-Studie) könnten beweisen, dass die Umsetzung des Ikigai-Prinzips einen bedeutenden Einfluss auf die Qualität und Länge des Lebens hat.

Mathieu Levrat: Um seinen Weg zu finden, muss man zuerst wissen, wer man ist. „Wer bin ich?“mag als simple, nicht wirklich interessante Frage anmuten. In Wirklichkeit bedarf es regelrechter Detektivarbeit, um herauszufinden wer man wirklich ist, es sei denn, man ist von Geburt an absolut authentisch, wurde niemals von seinen Eltern, seinem Umfeld, der Schule, den Medien usw. beeinflusst. Und Werte sind grundlegend um sich selbst zu kennen, denn sie sind das wichtigste für das Individuum. Man kann den Eindruck haben, seine Werte zu kennen, aber in Wirklichkeit ist eine regelrechte Arbeit notwendig, um zu wissen, welche grundlegenden Werte man selbst hat.

Caroline Perroud: Das Enneagramm ist eine Methode um sich selbst zu kennen und zu ändern, welche neun grundlegend unterschiedliche Denk-, Gefühls- und Verhaltensweisen beschreibt:

1 Der Perfektionist

2 Der Helfer

3 Der Macher

4 Der Individualist

5 Der Beobachter

6 Der Loyale

7 Der Epikureer

8 Der Boss

9 Der Vermittler

Das Enneagramm bietet ein besseres Verständnis für unsere Funktionsweise in den verschiedenen Bereichen unseres (persönlichen, beruflichen, sozialen, familiären usw.) Lebens und ermöglicht es uns auch, auf andere zuzugehen und einander besser zu verstehen. Zunächst hilft eine Übung Ihren wesentlichen Persönlichkeitstyp zu definieren. Danach besprechen Sie ausführlich welches die hauptsächlichen Auslöser Ihrer Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen sind. Sie kennen Ihre Stärken und Schwächen sehr gut, entwickeln Ihre emotionale Intelligenz, Ihre inneren Ressourcen und geben das Beste von sich, um zu wachsen und erfolgreich zu sein.

Jeder Typ hat auch einen charakteristischen negativen Aspekt, den wir einen spezifischen Zwang nennen werden. Die typische zwanghafte Haltung einer bestimmten Persönlichkeit besteht also aus einer Tendenz, die sie zum Beispiel bei Stress und Wut mit sich reisst. Die Aufdeckung dieses Widerstands, welcher der Persönlichkeit eigen ist, führt zur Aufarbeitung einer versteckten grundlegenden Verteidigungsstrategie. Zwang beruht auf einer Strategie der Verteidigung und des Selbstschutzes und ist grundsätzlich ein Weg, etwas zu vermeiden. Die Verteidigungsmechanismen, die Ängste, die uns daran hindern, unsere Wünsche zu verwirklichen, werden identifiziert. Mit dem Enneagramm bauen Sie einen inneren Beobachter auf, erkennen Ihre Verteidigungsmechanismen, stärken Ihre Qualitäten und sind achtsamer mit sich selbst und anderen.

Hier der Link zu einem kostenlosen Test . Der Test ist in der Coaching-Sitzung vertiefender, da wir nie nur einem einzigen Typ angehören.

Wie kann dieses Tool helfen, sein Lebensweg zu finden?

Mathieu Levrat: Der erste Schritt wird sein, seine Werte zu identifizieren, was auf verschiedene Weisen geschehen kann:

Indem wir uns einfach die Frage stellen:

„Was ist mir am wichtigsten?“

Unser Leben ganz konkret beobachten, denn da wir ganz spontan auf das zugehen, was für uns wichtig ist, zeigt unser Leben teilweise unsere Werte. Man kann sich beispielsweise die Frage stellen: „Welches sind die 3 Elemente, die sich in meinem persönlichen Innern abheben, die nicht jedermann hat?“ Unter anderem reflektieren diese 3 Elemente, was für die Person wichtig ist, die in einem solchen Raum lebt. Selbstverständlich ist das nur eine Teilantwort auf die Frage nach den Werten der Person. Danach müssen viele andere Fragen beantwortet und am Ende eine Synthese erstellt werden, um die wiederkehrenden Elemente aufzudecken. Hier sind weitere Beispiele für Fragen, wie unser Leben unsere Werte zeigt:

  1. Bei der Ausführung welcher Aktivität/Aufgabe sagt man von mir, dass ich zuverlässig bin?
  2. In welchen 3 Bereichen gebe ich das meiste Geld aus (ohne Unterkunft und Reisen)?
  3. Womit verbringe ich die meiste Zeit, abgesehen von meinem Job?

Wenn Sie nicht die Disziplin aufbringen, sich diese Fragen alleine zu stellen, ist es möglich, sich von einem Coach helfen zu lassen. Er kann eine NLP-Methode verwenden, bei der Sie zu körperlicher Betätigung aufgefordert werden, um Ihre Psyche abzuschotten, während er Sie mit Fragen bombardiert und das für Sie in jedem Ihrer Lebensbereiche Wichtigste aus Ihnen herauslockt. Am Ende wird eine Synthese der Werte erstellt, die am häufigsten in den Antworten auftauchen. Die letzte Etappe besteht darin, diese Werte in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit zu ordnen, um die sogenannten hohen Werte der Person zu identifizieren.

Der zweite Schritt wird darin bestehen, das eigene Wertesystem als Orientierungshilfe für den eigenen Weg zu nutzen. Jemand, der seine Werte und deren Rangordnung kennt, hat einen guten Wegbegleiter, der ihn zu dem führt, was er gerne tut und zur Selbstverwirklichung.

Sein Wertesystem wird ihm in der Tat bei seinen Entscheidungen helfen: Die Person wird sich nur die Frage stellen müssen: „Wenn ich diese Entscheidung oder jenen Weg wähle oder wenn ich mich für eine solche Partnerschaft entscheide, nährt dies meine Werte?“ Bringt der Mensch sein Leben zunehmend mit seinen Werten in Einklang, kommt er seinem Weg und seiner Erfüllung immer näher.

Die Nachteile und das Unbehagen, die mit einer Wahl verbunden sein könnten, die die Werte einer Person nährt, werden noch leichter zu akzeptieren sein, weil die Person diese Anstrengung als lohnend betrachten wird, da etwas für sie Wichtiges gepflegt wird.

Um meinen Weg zu finden habe ich selbst diese Arbeit intensiv gemacht, was mir meine berufliche Umstellung auf Coaching ermöglichte. Die Suche nach meinen Werten war in diesem Kontext unerlässlich.

Caroline Perroud: Das Enneagramm stärkt und mobilisiert Ihre wahren Stärken. Sie werden beim Betrachten Ihres Typs staunen, welche andere Werte oder Potenziale, die nur darauf warten ans Licht gebracht zu werden, Sie entdecken werden. Einfache Übungen helfen Ihnen, die Fähigkeit zu entfalten, diese in Ihrem Alltag aufzudecken. Mit dem Enneagramm bauen Sie einen inneren Beobachter auf, erkennen Ihre Verteidigungsmechanismen, stärken Ihre Qualitäten und Sie sind achtsamer mit sich selbst und anderen.

Cornelia Kazis: Das Ikigai kann helfen indem es zur Selbstbesinnung aufruft und moderne, hypertrophe Glückerwartungen relativiert. Während sich der Okzident nun fleissig und geschäftstüchtig in Selbstoptimierung übt, verlangt das Ikigai als Schlüssel zum gesunden und damit möglichst langen Leben weder einen aufwendigen Ernährungsplan, noch schlauchende Trainingseinheiten. Sie müssen nur wissen wofür es sich für Sie lohnt, heute Morgen aufzustehen. Es klingt einfach, hat aber radikale Konsequenzen.

Haben Sie praktische Tipps, um unseren Lebensweg zu finden?

Caroline Perroud: Das Leben stellt viele Menschen oder Ereignisse auf unseren Weg, um uns voranzubringen. Achtsamkeit auf sich selbst zu üben, im gegenwärtigen Moment, mittels Meditation, ist ein guter Ausgangspunkt. Je nach eigener Sensibilität, Instinkt und Bedürfnissen kann die Suche nach unserem Lebensweg über individuelle Begleitung, Seminare, Konferenzen erfolgen. Die Erfahrung dieser Momente, die unserem Wohlergehen gewidmet sind, bringt uns immer vorwärts. Einzelcoaching ist ein guter Ansatzpunkt, um die eigene Entwicklung anzufachen. Es kann natürlich mit dem Enneagramm, positiver Psychologie oder anderen Methoden und Therapien vervollständigt werden.

Cornelia Kazis: Vielleicht kann jeder Mensch sich vor dem Schlafengehen einen Moment fragen, was am vergangenen Tag erfüllend war. Das hilft am Morgen zu wissen, wofür es sich lohnt aufzustehen. Ikigai schult den Blick für kleine, manchmal unsichtbare Dinge.

Mathieu Levrat: Um seinen Weg zu finden, erweisen sich einige andere Tools sehr nützlich, wie zum Beispiel Intuition zu entwickeln oder Aufmerksamkeit auf das, was uns inspiriert. Diese zwei Ansätze sind etwas zu komplex, um hier kurz erläutert zu werden. Ein leicht verständliches und sofort einsetzbares Werkzeug ist, sich die untenstehenden Fragen zu stellen und diese schriftlich zu beantworten. Sie zu schreiben, zwingt uns, klare Ideen zu haben. Solange die Dinge in unserem Kopf bleiben, können wir denken, dass wir eine Antwort haben, aber es ist wahrscheinlich, dass sie nicht präzise genug ist. Es ist auch wichtig, bei der Beantwortung dieser Fragen ehrlich zu sein.

Diese Fragen sind:

 

  1. Wenn ich morgen sterben würde, was wäre meine Botschaft für die Welt?
  2. Wenn ich Milliardär wäre und meine finanzielle Sicherheit gesichert wäre, womit würde ich meine Tage verbringen?
  3. Auch wenn in meiner jetzigen Tätigkeit nicht alles rosig ist, welche Aufgaben würde ich gerne weiterhin ausführen, auch wenn ich nicht bezahlt würde?
  4. In welchen Aktivitäten sehe ich die Zeit nicht vergehen?