Psychologie I Psychotherapie

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Was ist Psychologie ?

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen in Gesundheit und Krankheit in seiner gesamten Entwicklung im Laufe seines Lebens und in seinen sozialen Interaktionen.

 

Forschungs- und Anwendungsgebiete der Psychologie

 

  • Allgemeine Psychologie: Untersucht allgemeine psychologische Gesetze und liefert Grundlagen zur psychologischen Diagnostik und zur Angewandten Psychologie.
  • Persönlichkeitspsychologie: Untersucht die psychologischen Merkmale, die einen Menschen einzigartig und besonders machen.
  • Entwicklungspsychologie: Untersucht die menschliche Entwicklung über die gesamte Lebensspanne hinweg, insbesondere die spezifischen Probleme einzelner Entwicklungsphasen und Lebensabschnitte.
  • Sozialpsychologie: Untersucht kulturelle, gesellschaftliche und soziale Normen und deren Einfluss auf psychische Prozesse.
  • Differentielle Psychologie: Ist ein Teilgebiet der Allgemeinen Psychologie und untersucht psychische Eigenarten und Unterschiede, z.B. hinsichtlich Alter, Gruppe und Geschlecht.
  • Klinische Psychologie: Beschäftigt sich mit aussergewöhnlichen psychischen Zuständen, Störungen und Krankheiten. Aufgabengebiete: Forschung, Diagnostik, Evaluation, Prävention, Therapie, Rehabilitation, Versorgung etc.
  • Medizinische Psychologie: Umfasst psychologische Methoden und Erkenntnisse im Zusammenhang mit medizinischen Aufgaben wie Psychosomatik, Interaktion zwischen Arzt und Patient etc.
  • Anwendungen psychologischer Erkenntnisse für die Praxis: Verschiedene psychologische Bereiche wie Schulpsychologie, Verkehrspsychologie oder Rechtspsychologie sowie Anwendungen der Psychologie in der Werbung, Kommunikation etc.
  • Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie: Untersucht und befasst sich mit dem Erleben und Verhalten des Menschen im Kontext von Arbeitstätigkeit und Arbeitsbedingungen.

 

Was ist Psychotherapie ?

Psychotherapie heilt oder reduziert psychisches Leiden. Sie befähigt die von einer psychischen Krankheit oder von psychischen Folgestörungen einer körperlichen Krankheit betroffenen Menschen, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen, mit dem Ziel, Krisen im Laufe der Zeit wieder selbständig bewältigen zu können. Im Verlauf der Behandlung werden die persönlichen und sozialen Kompetenzen gefördert und die Arbeits- und die Beziehungsfähigkeit erhöht sowie die psychische Belastbarkeit gesteigert.

Psychotherapeuten arbeiten mit verschiedenen wissenschaftlich anerkannten Methoden. Die genaue Art der Behandlungsmethode spielt dabei eine wichtige Rolle, aber noch wichtiger ist eine gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten.

 

Psychotherapeutische Verfahren und Methoden

 

  1. Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie (z.B. tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie nach Freud, Jung und Adler).
  2. Humanistische Psychotherapie (z.B. Gestalttherapie, Gesprächstherapie, Psychodrama).
  3. Expressive Psychotherapie (z.B. Tanztherapie, Musiktherapie).
  4. Körperorientierte Psychotherapie (z.B. bioenergetische Analyse).
  5. Systemische Psychotherapie (z.B. Paar- und Familientherapie).
  • Verhaltenstherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie, neuere verhaltenstherapeutische Techniken, kombiniert mit achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Strategien, wie ACT (Acceptance and Commitment Therapy).
  • Hypnotherapie (z.B. Hypnose, EMDR etc.; diese Methoden werden allerdings nicht immer als eigentliches Therapieverfahren anerkannt).
  • Integrative Therapie (z.B. Sexualtherapie, Ergotherapie, Gruppentherapie etc.).

 

Wer ist Psychiater?

Ein Psychiater hat ein Hochschulstudium der Humanmedizin absolviert, gefolgt von einer 6-jährigen postgradualen psychotherapeutischen Weiterbildung in psychiatrischen Institutionen. Er trägt den Titel «Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie» oder «Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie». Zusätzlich zur Psychotherapie führt er psychiatrische Leistungen aus (medikamentöse Behandlung, Gutachtertätigkeit, Ausstellen von Zeugnissen etc.).

Wer ist Psychologin/Psychologe?*  

Ein Psychologe hat einen Hochschul- oder einen Fachhochschulabschluss in Psychologie auf Stufe eines Masters (Psychologin FH; Lizenziatsabschluss; MSc). Er ist berechtigt, psychologische Beratungen durchzuführen, aber keine Psychotherapien.

Wer ist Psychotherapeut?

Ein Psychotherapeut hat an einer Hochschule oder an einer Fachhochschule ein Master-Studium der Psychologie absolviert sowie eine 4- bis 6-jährige Psychotherapieweiterbildung in einer wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Methode abgeschlossen. Er trägt einen Fachtitel, z.B. «Psychotherapeut SBAP», beziehungsweise den Titel «Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut». Diese Bezeichnungen weisen auf die Qualität sowie die Kompetenz des Therapeuten hin.

 



Was erwartet Sie bei einer Psychologische-Sitzung?

Selbständig tätige Psychologinnen und Psychologen bieten ihre Beratungsdienste Privatpersonen oder Unternehmen an. Insbesondere kleinere Unternehmen kaufen solche Dienstleistungen in der Regel extern ein. Grössere Unternehmen haben oftmals eigene Abteilungen, in denen Psychologen Seite an Seite mit anderen Berufsleuten in einem fixen Anstellungsverhältnis arbeiten.

Im wirtschaftlichen Bereich übernehmen Psychologen auch häufig Aufgaben aus dem Personalwesen, da diese eine besonders gute Menschenkenntnis erfordern. Als Berater oder Coach arbeiten Psychologen entweder in Festanstellung oder selbständig. Letzteres erfordert jedoch zumeist einige Jahre Berufserfahrung und die entsprechenden Kontakte, um sich ein eigenes Standbein aufzubauen.

Wer zahlt die psychologische Beratung?

Psychologische Beratung wird von den Klienten selbst bezahlt.

   

Was erwartet Sie bei einer Psychotherapie-Sitzung?

Das wichtigste «Arbeitsinstrument» bei einer Psychotherapie ist das Gespräch, bei dem sämtliche Aspekte des Erlebens und des Verhaltens beleuchtet und thematisiert werden. Je nach therapeutischer Methode kommen auch erlebnis- und körperorientierte oder andere kreative Gestaltungsmittel zum Einsatz.

Zu Beginn der Behandlung erarbeitet der Psychotherapeut zusammen mit dem Patienten die angestrebten Ziele. Die Dauer der Psychotherapie ist sehr individuell und orientiert sich an den Fortschritten des Patienten.

Wer zahlt die Psychotherapie?

Bei selbständig arbeitenden psychologischen Psychotherapeuten ist eine Abrechnung über die Grundversicherung nicht möglich. Die Finanzierung erfolgt über Selbstzahlung und Zusatzversicherungen oder je nachdem über Unfallversicherungen, Justiz, Sozialhilfe etc.

Eine Abrechnung über die Grundversicherung ist nur bei einer Anstellung als «delegiert arbeitender Psychotherapeut» möglich. Die Übernahme der Kosten einer Psychotherapie über die obligatorische Krankenversicherung setzt voraus, dass es sich um die Behandlung einer psychischen oder psychisch bedingten Störung «mit Krankheitswert» handelt (z.B. neurotische Störungen, Ängste, Zwänge, Depressionen, posttraumatische Störungen, Anpassungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Suchmittelabhängigkeiten, Psychosen etc.).

Welche Leistungen erbringen Psychologen?

Psychologen kommen in verschiedensten Berufsfeldern zum Einsatz (Einzel-, Paar- und Familienberatung; Arbeits-und Organisationspsychologie und Einzel-, Team- und Projektcoaching zur Entwicklung eigener Problemlösungen oder Verkehrs- und Schulpsychologie etc.). Sie führen und evaluieren Diagnostik- und Interventionsverfahren, v.a. mit psychologischer Beratung und speziellen Trainings.

Im Fokus der Arbeit von Psychologen steht die Unterstützung von Menschen im Hinblick auf Wohlbefinden, Entwicklung, Motivations- und Leistungsfähigkeit. Dabei beschäftigen sie sich mit dem Individuum, Menschen in Gruppen oder in Organisationen. Unter Anwendung psychologischer Methoden und Erkenntnisse wirken sie unter anderem in psychologischen Praxen, Kliniken, Kindergärten, Schulen und Unternehmen.

 

Tätigkeitsfelder der Psychologie

Das Berufsfeld umfasst zahlreiche Spezialisierungen, welche die jeweiligen Aus- und Weiterbildungen voraussetzen, um spezifisch tätig sein zu dürfen (z.B. im Bereich der Notfall- oder der Verkehrspsychologie). Die Tätigkeitsfelder der Psychologen sind sehr heterogen und umfassen Bereiche in der Öffentlichkeit (von Schul- über Marketing- bis Militärpsychologie), der Berufswelt (Coach, Laufbahn, Arbeit und Organisation, Mediator) sowie Gesundheit und Krankheit.

 

Wirksamkeit von Psychotherapie

Psychotherapie gilt wissenschaftlich als gesichert und wirksam. Die Wirkung hängt jedoch von verschiedenen Faktoren wie der therapeutischen Beziehung, dem sozialen Netzwerk, der Vorbereitung auf die Therapiedauer und das Ende der Therapie, dem Alter, der sozialen Schicht, der Schwere der psychischen Störung sowie dem Umgangs- und Arbeitsstil des Therapeuten ab.

Januar 2018

*  Im Text gilt für weibliche und männliche Personen dieselbe Bezeichnung; es sind immer beide Geschlechter gemeint.



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