Traumata behandeln: Claude Traube, EMDR-Therapeut

Claude Traube ist Therapeut aus Lausanne mit über zehn Jahren Erfahrung in «Eye Movement Desensitization and Reprocessing» (EMDR). Er erzählt, wie mit gezielten Augenbewegungen leichte und sogar schwerere Traumata behandelt werden können.

 

Warum sind Sie Therapeut geworden?

Nachdem ich meine Karriere als Opernsänger beendet hatte, schlug mir ein befreundeter Therapeut, mit dem ich früher schon zusammengearbeitet hatte vor, mich mit Neuro-linguistischem Programmieren zu befassen. Er dachte, das würde mir liegen, denn bei dieser Therapieform werden die linke und die rechte Gehirnhälfte gleichermassen genutzt. Die linke Gehirnhälfte ist für das rationale Denken zuständig und die rechte für das intuitive Denken. Ich meldete mich dann gleich für eine Ausbildung in Paris an, das war quasi Liebe auf den ersten Blick. Ich habe meine Studien in Milano fortgesetzt, wo ich als Ausbildner zertifiziert wurde. Später begegnete ich dank glücklichen Zufällen immer wieder anderen therapeutischen Herangehensweisen (die in meinem Profil beschrieben sind) und so wurde ich Therapeut aus Leidenschaft.

Wie behandeln Sie eine traumatisierte Person?

Bei Traumata wende ich vor allem das sogenannte «Eye Movement Desensitization and Reprocessing» (EMDR) an. Francine Shapiro hatte diese Technik per Zufall entdeckt. Es ist erstaunlich, wie effizient sie ist. Es geht dabei um eine Desensibilisierung von Traumata durch die Bewegung der Augen. Die Bewegung der Augen wirkt auf jenen Teil des Gehirns ein, wo Erinnerungen an traumatische Erlebnisse «gespeichert» sind: Bilder, Gefühle und die physische Lokalisierung des Traumas.

Und wie funktioniert das?

Francine Shapiro sagt, dass EMDR ebenso gut funktioniere für leichte Traumata wie auch für schwere: Autounfälle, Gewalterfahrungen zum Beispiel während einem Krieg, Naturkatastrophen, Trauer, sexueller Missbrauch, oder andere schreckliche Erfahrungen.

Wie viele Behandlungen sind nötig?

Dr. Jacques Roques, der mehrere Bücher zum Thema geschrieben hat, sagt, er sei immer wieder erstaunt, wie effizient und schnell die Therapie sei. Zwei oder drei Sitzungen à je etwa einer Stunde würden genügen. Ich kann die Aussage bestätigen und staune ebenfalls.

Muss man sich des Traumas bewusst sein, um es behandeln zu können?

Es kommt oft vor, dass Traumata dem Bewusstsein entschlüpfen. Teilweise sind sie dermassen gewaltsam, dass eine Art von Gedächtnisverlust eintritt, was das Opfer daran hindert, sich dem unerträglichen Leiden zu stellen. Während dem therapeutischen Arbeiten kommen die Erinnerungen zurück, bis schliesslich mit dem EMDR begonnen werden kann. Es kann auch sein, dass die Erinnerung lange Zeit nach dem Ereignis wieder hochkommen, etwa während man einen Film schaut.
Ich nutze auch zwei Techniken Namens «Faster EFT» (dabei geht es darum, Gefühle zu befreien) und TAT (Tapas Acupressure Technique), beides zwei wertvolle Hilfen, um posttraumatischen Stress zu bewältigen, wenn die Ursache des Traumas wieder bewusst wird. Und NLP hilft, eine Beziehung zur traumatisierten Person herzustellen, die es ihm oder ihr erlaubt, sich dem traumatischen Ereignis und den daraus resultierenden Denkmustern anzunähern. Solche Denkmuster können auch geändert werden, auch hier hilft EMDR.
Bei diesen Behandlungen, auch wenn sie den Eindruck erwecken, mühelos von der Hand zu gehen, muss die Sicherheit des Patienten jederzeit gewährleistet sein. Die Begleitung ist ebenso wichtig, wie die Stimulation der Augenbewegung oder alle anderen Behandlungen. Ich bin froh, auf verschiedene Methoden zurückgreifen zu können, etwa so wie ein Maler, der eine Palette mit verschiedenen Farben zur Hand hat.

EMDR:

Es geht dabei um eine Desensibilisierung von Traumata durch die Bewegung der Augen. Die Bewegung der Augen wirkt auf jenen Teil des Gehirns ein, wo Erinnerungen an traumatische Erlebnisse «gespeichert» sind: Bilder, Gefühle und die physische Lokalisierung des Traumas.

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