Und wenn es Depression ist?

Sie leiden unter Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, haben ein Gefühl der Leere, haben Mühe bei der Ausführung Ihrer einfachen täglichen Aufgaben oder alles scheint wie ein Berg oder ein Kampf? Dann kann es Depression sein.

Die depressiven Erkrankungen gehören zu den weltweit schwerwiegendsten und bedeutendsten Krankheitsbildern. Sie betreffen in ihren unterschiedlichen Ausprägungsformen bis zu 20% der Bevölkerung.

In jedem Fall sind sie nicht zu unterschätzen und es ist wichtig, so rasch wie möglich Hilfe zu holen.Woher wissen wir, ob wir (oder Personen aus unserem Umfeld) deprimiert sind? Welche Komplementärmedizin kann helfen und ab wann soll man sich von psychiatrischer Begleitung und Medikamenten helfen lassen?

Holistia hat diese Fragen an folgende Experten gestellt:

 

  • Prof. Dr. Med. Edith Holsboer-Trachsler, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Angst & Depression (SGAD). Sie beteiligt sich auch an klinischen Studien zu Stress und Trauma an der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel (UPK).
  • Annatina Escher Koromzay ist Feldenkrais- und Bewegungstherapeutin und Präsidentin des Schweizerischen Feldenkrais Verbands SFV. Sie ist spezialisiert auf die bewegungstherapeutische Arbeit mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und arbeitet seit vielen Jahren in der stationären Akutpsychiatrie und in freier Praxis.
  • Conny Matas ist Kunsttherapeutin und praktiziert seit 7 Jahren in ihrer Praxis in Wetzikon Mal- und Gestaltungstherapie. Sie begleitet Menschen in der ambulanten Psychiatrie (Menschen, die keinen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus oder Zentrum brauchen).
  • Cordula Mezias ist Hypnosetherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie seit 2006 in Basel. Ihre eigene Erfahrung mit Hypnose hat Sie überzeugt diese Methode zu verwenden weil es – wenn Menschen sich darauf einlassen – tief und schnell wirkt.
  • Barbara Spahni ist Atemtherapeutin und körperzentrierte psychologische Beraterin. In ihren Praxen in Bern und Schönbühl begleitet sie Erwachsene und Kinder und hilft ihnen, sich vor allem durch bewusste Körperwahrnehmung selber besser kennen zu lernen und ihre Ressourcen zu finden.

Wenn Sie sich 4 Dinge aus diesem Artikel merken sollten:

Es gibt verschiedene Stadien einer Depression, die von depressiven Stimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken reichen. Machen Sie den SGAD-Test, um herauszufinden, wo Sie (oder Personen aus Ihrem Umfeld) stehen.

Mit der richtigen Behandlung kann Depression geheilt werden. Das Wichtigste ist, sich helfen zu lassen.

   Komplementärmedizin kann bei depressiven Verstimmungen helfen und ist bei schweren Depressionen eine gute Begleitung, ersetzt aber die traditionelle medizinische Behandlung nicht.

   Sich um seine psychische Gesundheit zu kümmern, ist die beste Prävention. Wenn Sie eine schwierige Phase durchmachen, ist Komplementärmedizin eine ideale Hilfe.

Wie merkt man, dass man depressiv ist?

Prof. Dr. Med. Edith Holsboer-Trachsler (SGAD): Typisch für eine Depression sind Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Verlangsamung, Schuldgefühle, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Wenn diese Merkmale über mehrere Wochen bestehen bleiben, kann dies ein Anzeichen für eine Depression sein.

Auf unserer Website www.sgad.ch finden Sie einen Selbsttest, der Ihnen helfen kann herauszufinden, ob Sie möglicherweise an einer Depression leiden. Dieser Test kann aber die diagnostische Untersuchung durch einen Arzt nicht ersetzen.

Man unterscheidet verschiedene Arten der Depression, die in der Form, der Schwere und dem Verlaufsmuster unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Die häufigsten Formen der Depression sind:

 

  • Unipolare Depression mit einer oder wiederkehrenden depressiven Episoden (sogenannte rezidivierende Depression)
  • Bipolare Depression (manisch-depressive Erkrankung)
  • Dysthymie

Die erwähnten Symptome gehören zu einer unipolaren Depression. Diese kann einige Wochen bis mehrere Monate dauern, je nachdem, wie schnell eine Behandlung beginnen kann. Treten im Laufe des Lebens mehrere solche depressive Episoden auf, spricht man von einer wiederkehrenden (rezidivierenden) unipolaren Depression. Die Betroffenen sind zwischen diesen einzelnen Krankheitsepisoden gesund und symptomfrei. Die richtige Behandlung ist sehr wichtig, da so einer neuen Episode vorgebeugt werden kann (Rückfallprophylaxe).

Von einer bipolaren Erkrankung spricht man, wenn sich die depressiven Phasen mit sogenannten manischen Phasen abwechseln. In den manischen Phasen zeigen Betroffene übermässig gute Stimmung, starken Tatendrang, Ruhelosigkeit, fehlendes Schlafbedürfnis und auch übertriebenen Optimismus. Diese Phasen können dann, manchmal über Nacht, wieder in depressive Phasen umkippen. Auch hier ist eine fachlich korrekte Behandlung essentiell.

Von einer Dysthymie spricht man, wenn die depressiven Symptome zwar weniger stark ausgeprägt, aber über einen langen Zeitraum von mindestens zwei Jahren vorhanden sind.

Wann sollte man zum Arzt gehen? Wann sollte man einen Angehörigen zum Arzt schicken?

Prof. Dr. Med. Edith Holsboer-Trachsler (SGAD): Wenn die Symptome über längere Zeit bestehen bleiben ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um genau abzuklären, ob eine Depression vorliegt. Eine Depression ist heilbar. Wichtig ist die nachhaltige, wissenschaftlich fundierte und spezialisierte psychotherapeutische und medikamentöse Therapie der Depression, um eine vollständige Genesung zu erreichen.

Welches sind die Grenzen der Komplementärmedizin?

Prof. Dr. Med. Edith Holsboer-Trachsler (SGAD):

  • Für die Kurzzeitbehandlung von leichten bis mittelschweren depressiven Störungen haben Studien gezeigt, dass pflanzliche Medikamente gute Erfolge zeigen. Untersucht wurden vor allem Johanniskrautextrakte.
  • Sind die Symptome sehr stark, dauern schon länger an oder sind sogar Suizidgedanken da, so ist ein Besuch beim Psychiater, der auch Medikamente zur Unterstützung verschreiben kann, notwendig.

Wie kann die Komplementärmedizin die psychotherapeutische und medikamentöse Therapie unterstützen?

  • Annatina Escher Koromzay: Depressionen (wie auch alle anderen psychischen Erkrankungen) wirken sich immer auch im Körper aus. Da sind einerseits die klassischen psychosomatischen Beschwerden, die mit der Depression einhergehen können (z.B. Schmerzsymptomatik, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen, Unruhe, zu hohe/zu tiefe Körperspannung etc.), andererseits berichten KlientInnen mit Depressionen von eingeschränkter (bis komplett nicht vorhandener) Selbstwahrnehmung, vom Gefühl „nicht eins zu sein“ (keine Einheit zu sein, Körper und Seele voneinander abgekoppelt zu haben), von innerer Unruhe. Oft sind Beweglichkeit, Mimik, Atmung deutlich eingeschränkt, der Antrieb und die Freude fehlen, was zu einer Art Erstarrung führt. Die Feldenkrais Methode initiiert und begleitet die dadurch notwendig gewordenen somatopsychischen Veränderungsprozesse. Sie kann diese KlientInnen dabei unterstützen sich Schritt für Schritt wieder wahrzunehmen, die Wahrnehmungen in Worte zu fassen, sich insgesamt langsam aus der körperlichen Erstarrung und Enge der Depression zu lösen. Durch den Fokus auf die Stabilität des Skeletts reguliert sich die Spannung auf ein angemessenes Niveau. Die Feldenkrais-Arbeit führt die KlientInnen sozusagen wieder zum Körper und zu sich selbst zurück, macht das Selbstbild wieder lebendiger und klarer. Gleichzeitig kann (v.a. bei agitierten Ausprägungen der Depression) die Klientin eine Beruhigung, Strukturierung und Stabilisierung erfahren. Die Feldenkrais Methode ersetzt keine Psychotherapie, sie ergänzt diese aber ideal. Ist eine Depression von einem Psychiater oder Fachpsychologen diagnostiziert, ist es immer indiziert und empfehlenswert sich in eine Psychotherapie zu begeben. Die Erfahrung zeigt, dass die Kombination von Psychotherapie und parallel dazu verlaufender Feldenkraistherapie für viele KlientInnen sehr effektiv ist.
  • Conny Matas: Kunsttherapie unterstützt psychische Prozesse, wenn Worte nicht genügen. Gefühle zu kontrollieren und zu unterdrücken ist eine Fähigkeit, die wir als soziale Wesen beherrschen müssen. Wir entwickeln ein Alltagsgesicht, um uns zu schützen und unsere wahren Gefühle zu verbergen. Deshalb kann es manchen Menschen schwerfallen, wenn sie in einer Therapie plötzlich über ihre Gefühle oder eben darüber, dass sie nichts mehr fühlen, sprechen sollen. Denn mit Materialien und Farben fällt es vielen Menschen leichter auszudrücken, wie und was sie fühlen. Was sie in der Kunsttherapie erschaffen, dient ihnen dazu, wieder in Kontakt zu treten. Mit sich selbst, ihren Gefühlen, Gedanken, Ängsten und Bedürfnissen. Wenn das geschieht, wird Veränderung möglich. Dann liegt diese wieder in ihrer Kraft. Sie erkennen die Möglichkeiten, die ihnen zu Verfügung stehen. Musik, Gedichte, Tanz, Gesang, Malereien, Figuren, Objekte, Kritzeleien: Der kreative menschliche Ausdruck ist so vielfältig wie es der Mensch selbst ist. Sich auszudrücken ist ein menschliches Urbedürfnis. Etwas zu „schaffen“ ist per se schon heilsam. Man erlebt sich wieder „in der Handlung“ als handlungsfähig. Fähig, wieder etwas zu „er-schaffen“. Lernen durch Handeln. Wer an Depression leidet, muss wieder fähig werden zu handeln und lernen, das neue Wissen in die Tat umzusetzen. Kunsttherapie bietet dazu einen Erfahrungsraum an – Raum um sich selbst zu erfahren, sich wieder zu spüren.
  • Barbara Spahni: Die körperzentrierte psychologische Beratung kann bei depressiven Verstimmungen helfen, den Alltag wieder freudvoller zu meistern, Ressourcen zu finden und zu aktivieren und die Körperwahrnehmung zu schulen, damit die eigenen Grenzen früher erkannt werden und, wenn nötig, Gegensteuer gegeben werden kann. In der Atemtherapie verfügen wir über verschiedene Möglichkeiten und Techniken den Klienten zu unterstützen, damit er sich wieder besser wahrnehmen und spüren kann.
  • Cordula Mezias: Da bei Menschen, die unter Depressionen leiden, der Zugang zu den eigenen Gefühlen blockiert oder gestört ist, bieten die Trancezustände der Hypnose generell eine hervorragende Möglichkeit, um wieder Zugang zu sich selber und den eigenen Ressourcen zu bekommen. Außerdem können Wege gefunden werden, um mit Hilfe der eigenen Vorstellung im Unterbewusstsein, die Veränderung der momentanen Situation Schritt für Schritt anzuregen und dann auch zu vollziehen. Hypnose ist in der Regel nur bei leichter bis mittelgradiger oder bei reaktiver Depression empfehlenswert. Wenn Menschen schon sehr lange Antidepressiva nehmen, kann allerdings der Zugang zur Psyche und zum Unterbewusstsein blockiert sein. Die Hypnosebehandlung sollte dann aber mit Zustimmung des verschreibenden Arztes oder Psychiaters passieren. Generell würde ich niemanden mit einer Depression empfehlen, mit einem Hypnotiseur zu arbeiten, der keine psychotherapeutische Kenntnisse oder Ausbildung hat.

Was wird während einer Sitzung gemacht?

  • Conny Matas: Starre Regelungen gibt es im Ablauf einer ambulanten kunsttherapeutischen Sitzung nicht. So wie jeder Mensch seine individuelle Kunst erschafft, müssen Sie sich auch die Therapie vorstellen: frei, kreativ, ungezwungen, wertfrei. Im ambulanten Bereich findet die Einzel- oder Gruppensitzung je nach Bedarf wöchentlich, zweiwöchentlich oder auch nur monatlich statt. Wie auch bei psychotherapeutischen Behandlungen ist es üblich, dass sich die Therapie über einen längeren Zeitraum erstreckt, da es nur so möglich ist, in einen (Entwicklungs-)Prozess zu kommen. Einzeln oder in einer kleinen Gruppe werden Bilder, Zeichnungen, Collagen, Figuren usw. kreiert. Mit welchem Material und unter welchem Thema ein Mensch in eine gestalterische Arbeit geht, wird vorgängig mit der Kunsttherapeutin im Detail besprochen. Das Vorgehen hängt von einer allfälligen psychiatrischen und/oder somatischen Diagnose sowie von den Fähigkeiten und Defiziten eines Menschen ab. Auch seine momentane Befindlichkeit, seine Wünsche, Ängste und Ziele bilden dabei eine wichtige Grundlage. Während des künstlerischen Prozesses hält sich die Kunsttherapeutin dann eher im Hintergrund, kann aber durchaus Hilfestellungen und Impulse geben. Oft vergisst der Klient während seiner Schaffensphase alles um sich herum und wird experimentierfreudiger. Ohne Hemmungen, etwas „Falsches zu produzieren“ oder Ängste, zu viel von sich preiszugeben. In einer wertfreien Haltung werden der Schaffensprozess und das entstandene Werk gemeinsam mit der Therapeutin reflektiert. So entstehen neue Einsichten, die wieder weiterentwickelt werden können.
  • Cordula Mezias: Generell ist es ratsam, an der Änderung von inneren Glaubenssätzen zu arbeiten. Häufig hadern Menschen mit nicht gemachte Erfahrungen oder falsch getroffenen Entscheidungen. Beides kann einen grossen Einfluss auf das Entstehen der Depression haben. Hier gibt es unterschiedliche Ansätze, um daran zu arbeiten:
      a) Erfahrungen können innerlich mit Hilfe von Hypnose nachgeholt werden. Hadern über falsch getroffene Entscheidungen lässt sich verändern und lösen. Wie das geht? Z.B. indem man in der Vorstellung die Entscheidung korrigiert und auf Basis dieser korrigierten Entscheidung den Lebensweg weitergeht und schaut, welche Auswirkung das hat. Entsteht dann noch eine Depression?
      b) Menschen, die sich sehr stark als Opfer der Auswirkungen der Fehlentscheidungen fühlen, können lernen sich zu verzeihen.
      c) :vielleicht lassen sich auch positive Aspekt der Fehlentscheidung entdecken.

    Die Behandlung ist bei jedem Menschen individuell. Ich möchte einige weitere Möglichkeiten aufführen, die ich in der Praxis häufig erfolgreich angewendet habe.

      1. 1) Für viele Betroffenen ist es wichtig, die Auslöser und lebensgeschichtlichen Zusammenhänge der Depression aufzudecken. Häufig findet man bei der inneren Arbeit verletzende, traumatisierende und noch nicht ausreichend verarbeitete Erfahrungen aus der Kindheit oder Jugend
      1. 2) Depression kann als eine nach innen gerichtet Aggression angesehen werden. Ist dieser Ansatz sinnvoll, wäre es gut herauszufinden, wie die Aggression entstanden ist und wieso sie da ist. Manchmal reicht es dann schon, wenn es in der Trance die Erlaubnis gibt, die Wut auszudrücken und raus zu lassen.
      1. 3) In manchen Fällen ist es gut direkt mit dem Symptom arbeiten und herausfinden, welches unerfüllte Bedürfnis dahinter steht und was der Mensch braucht, um dieses Bedürfnis auf eine konstruktivere Art und Weise zu erfüllen.
      1. 4) Letztendlich kann man Depression als eine Art Negativtrancezustand ansehen. Menschen sind in ihrer inneren Negativbewertung und Fokussierung auf bestimmte Sichtweisen wie hängen geblieben. Da kann es der richtige Weg sein, den inneren Fokus wieder auf Erfolge und Stärken zu lenken
  • Barbara Spahni: Es gibt nicht „die Behandlung“. Die Basis jeglicher Therapie ist das Vertrauen und da geht es primär darum, dem Klienten aufmerksam und empathisch zuzuhören und ihm das Gefühl zu geben, wahrgenommen und ernstgenommen zu werden. In einer depressiven Phase hat der Klient meist über längere Zeit über die eigenen Kräfteverhältnisse gelebt. Energie wurde verbraucht, bis der „Tank“ leer war. Der Klient ist müde, erschöpft, lustlos, was zur Folge hat, dass er immer passiver wird. Dies ist jedoch ein Teufelskreis, denn je weniger er tut, umso weniger Energie hat er zur Verfügung. Körperübungen wie sich abklopfen, stampfen, Kraft spüren und Atemübungen können helfen, das Gespür für den eigenen Körper wieder zu schärfen und zu aktivieren. Die Körperwahrnehmung ist wichtig, um auch kleine Signale wahrzunehmen und dementsprechend zu handeln, bevor man wieder in ein Loch fällt. Neben dem Körperempfinden ist es wichtig, den Fokus auf gut funktionierende Lebensbereiche zu lenken, damit der Klient aus der Abwärtsspirale wieder herauskommt. Durch „aktives Shiften“, das heisst das Verschieben der Wahrnehmung, können diese Kräfte mobilisiert werden. Das Wechseln auf gut oder zumindest besser funktionierende Lebensinhalte setzt Kräfte frei, die für Problemlösungen benötigt werden. Im Weiteren trainiert der Klient damit die Fähigkeit, vom Problembewusstsein Abstand zu nehmen. „Shiften“ ist keine zusätzliche Anstrengung, die viel Energie braucht, vielmehr setzt es nach kurzem Einsatz viele Energien erneut frei, es hilft aus der Fixierung herauszukommen.
  • Annatina Escher Koromzay: Die Feldenkrais Methode kennt zwei Interventionsformen: Einzelarbeit (Funktionale Integration) und Gruppenarbeit (Bewusstheit durch Bewegung). Der Inhalt einer Feldenkraisstunde ergibt sich
    aus Wünschen, Zielen und Anliegen der KlientInnen. Im Fall von Depressionen sind ausserdem die Ausprägung und die Schwere der Erkrankung ausschlaggebend. Wird eher beruhigend,stabilisierend gearbeitet bietet sich die Einzelarbeit an, die KlientInnen werden von den Therapeuten bewegt (hands-on), verfolgen die Veränderungen in ihrer Körperwahrnehmung aber sehr aktiv mit. Dabei wird oft im Liegen gearbeitet, aber auch im Sitzen oder Stehen. Wenn das Ziel eine Aktivierung ist, die KlientInnen auf verschiedenen Ebenen in Bewegung gebracht werden soll, eignen sich Elemente aus Bewusstheit durch Bewegung, die auch in die Einzelarbeit integriert werden können. In Absprache mit den KlientInnen kann das Setting auch gewechselt werden (z.B. Einstieg mit Einzelstunden, nach einiger Zeit Übergang von Einzel zu Gruppe). In der Gruppentherapie „Bewusstheit durch Bewegung“ werden die KlientInnen verbal durch längere Bewegungssequenzen geleitet, es ist eine explorativ ausgerichtete, auf Selbstwahrnehmung basierte Körperarbeit. Die Auswahl des Settings ist ein wichtiger Aspekt in der Arbeit mit depressiven KlientInnen, es gilt den Mittelweg zwischen Über- und Unterforderung zu finden. Eine Besonderheit der Feldenkrais Methode sind die kleinen und sorgfältig ausgeführten Bewegungen, sowohl im Einzel wie auch im Gruppensetting. Die Inputs und Reize sind so dosiert, dass sie für das Nervensystem der KlientInnen gut integrierbar und auf der organischen (nichtkognitiven)Ebene verständlich sind. Dies macht Veränderungsprozesse bzw. Veränderungen einfacher und für die KlientInnnen nachvollziehbarer, was die Nachhaltigkeit steigert.

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Über die Depression:

Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn von Gerald Hüther
Da Depression viel mit der eigenen Erfahrung bzw. der Bewertung der Erfahrung zu tun hat, ist das Buch hilfreich. Hier erfahren wir mehr über das ungenutzte Potential des Gehirns und über die Veränderbarkeit der Verknüpfungen im Gehirn. Und ausserdem wie das Gehirn lernt und welchen Irrtümern man dabei oft unterliegt.

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Über die Feldenkrais Methode: