Sich mit Ihrer Intuition verbinden, aber wie?

Leicht zu sagen, aber nicht immer einfach umzusetzen, wenn wir es gewohnt sind, in der Schule oder am Arbeitsplatz rational zu denken.

Intuition existiert jedoch, und das wird sogar durch eine Studie der University of Iowa belegt, die bestätigt, dass Menschen in der Lage sind, physiologische Reaktionen hervorzurufen, Emotionen, die bei Entscheidungen schneller zu handeln scheinen als bewusste Kognition (Vernunft).

Wie können wir uns also mit diesem wunderbaren Werkzeug, der Intuition, verbinden?

Wir haben den folgenden drei Expertinnen die Frage gestellt:

 

  • Irina Katinka Horvath ist Tanztherapeutin in Zürich. Sie begleitet Frauen, die Veränderung, Verbindung zu ihrer Intuition und ihrem Körper suchen.
  • Rahel Papis ist Kinesiologin und Hypnotherapeutin und Gründerin von Sharing & Caring in Zürich. Ihr Ziel ist es, ihren Kunden ihr Wissen zu vermitteln, um sie zu ermutigen, besser auf sich selbst aufzupassen: Self-Care ist die neue Health-Care! Und dabei spielt die Intuition eine wichtige Rolle.
  • Gabriele Andler ist Autorin, Coach und Trainerin. Ihre Intention ist, Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen und die Aufmerksamkeit auf das Potential zu richten, das jeder Mensch in sich trägt. Insbesondere nutzt sie die Kraft des intuitiven Schreibens.

In diesem Artikel gehen die drei ExpertInnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Was ist Intuition für Sie ?

Irina Horvath : Intuition heisst für mich, auf die innere Stimme, den sechsten Sinn oder das Bauchgefühl zu hören.

Rahel Papis : You know it, when you know it. Ein Gefühl, dass du weisst und es dir trotzdem nicht erklären kannst. Etwas das im Hinterkopf bereits da ist und noch Fragen aufwirft und sich etwas in dir bewegt. Auch bereits Antworten zu hören / wissen, die noch nicht ausgesprochen wurden. Es können auch Szenen oder Personen aus der Vergangenheit sein, die aus dem Nichts in den Sinn kommen und mit dem Bewusstsein kommunizieren.

Gabriele Andler : Intuition ist das Wissen, von dem wir nicht wissen, woher es kommt. Es ist da, ohne dass wir es bewusst erlernt haben, ohne es in Büchern gelesen oder in Podcasts gehört zu haben und ohne dafür die Schulbank gedrückt zu haben. Intuition ist die innere Weisheit, die man nicht machen kann, sondern die man in sich trägt und mit der man sich verbinden kann.

Wie manifestiert es sich in Ihnen ?

Gabriele Andler : Wenn ich ganz in Verbindung mit mir bin, dann weiß ich intuitiv was zu tun ist – für mich und für andere. Intuition passiert immer im Augenblick, d.h. ohne nachzudenken. Nachdenken bezieht sich auf die Vergangenheit und ist so der Erfahrung nachgelagert. Mich auf die Intuition einzulassen bedeutet jedoch, dass ich für diesen Augenblick all das gedankliche Wissen bewusst loslasse und dem Nicht-Wissen Raum gebe.

Irina Horvath : In mir manifestiert sich die Intuition so, dass ich spüre wie Herz und Kopf miteinander kommunizieren, es wird emotional ganz weich in mir und es ist mir völlig klar, was als Nächstes zu tun ist, oder ich habe das innere Wissen, um was es denn bei der Klientin eigentlich geht.

Rahel Papis : Ereignisse bestätigen sich, die schon aus dem Bauch heraus spürbar sind.

Auch durch den Körper zeigt sich Intuition, indem Symptome wie beispielsweise Magenverstimmungen auftreten und etwas sagen/mitteilen möchten.

Warum ist es wichtig, sich mit Ihrer Intuition zu verbinden ?

Rahel Papis : In der heutigen Zeit hören wir manchmal nicht genauer auf unsere Bedüfnisse und Wünsche. Sich mit seiner Intuition zu verbinden ist daher umso wichtiger, um den Zugang zu seinem richtigen Selbst und Langzeitgedächtnis wieder zu finden. Das Gefühl von Ungeduld und Nicht-Wissen transferiert zu Urvertrauen und Akzeptanz wo man gerade ist und welchen Weg man gehen soll.

Irina Horvath : Sich mit der Intuition zu verbinden, ist deswegen wichtig, weil es zur weiblichen Natur gehört und sie fernab von Logik und Vernunft ist. Sie reicht viel weiter. Indem ich mich verstärkt auf meine Intuition verlasse, kann ich mir und meiner Wahrnehmung mehr vertrauen und bin sehr gut im Kontakt mit meinen Gefühlen, Körperempfindungen, Bedürfnissen, Werten und meinen nächsten Handlungsschritten. Ich habe eine umfassendere Sicht auf die Dinge.

Gabriele Andler : Jeder Mensch wird im Laufe des Lebens mit vielen Erlebnissen konfrontiert, die ihn prägen und die Muster hinterlassen. Ich vergleiche die Muster gerne mit Gräben, in denen man gehen kann und über die man nicht hinaussieht. Wenn wir uns in den alten Mustern bewegen, dann erfahren wir natürlich auch immer das gleiche. Das ist schade, denn es gibt so viel mehr Möglichkeiten, wenn wir das ganze Gelände erkunden und Plätze entdecken würden, an denen wir wachsen können. Die Intuition ist eine Einladung, aus dem Graben auszusteigen.

Wie kann Ihre Methode helfen ?

Irina Horvath : Tanztherapie fördert ganz besonders die Intuition. Denn es geht in der Tanztherapie nicht um einen konkreten Tanz oder eine vorgegebene Schrittabfolge, sondern genau um das In-sich-hineinspüren und Wahrnehmen, woher der nächste Bewegungsimpuls kommt und diesem folgen. Weg von „ich bewege mich“ zu „es bewegt mich“. Der Verstand ist völlig irrelevant, sondern es geht um die (Wieder-)Verbindung mit der Intuition.

Gabriele Andler : Die Methode des Journaling, die ich in meinem Buch WortWerk vorstelle, hilft zu erkennen wer ich bin oder wer ich zu sein glaube. Gedanken, Bilder und Vorstellungen sind nur ein Bruchteil von dem, was wirklich ist, und sie sind immer nur eine Momentaufnahme. Wenn wir beim Schreiben der Intuition Raum geben, tauchen sehr oft – ganz unbewusst – tiefe Einsichten und Erkenntnisse auf. Oft sind es genau diese Erkenntnisse und Einsichten, die zu mehr Klarheit für Entscheidungen führen, zu mehr Akzeptanz und Gelassenheit und oft auch zu mehr Lebensfreude.

Rahel Papis : Der Muskeltest und psychologische Fragetechniken zeigen uns durch die Veränderung der Spannungen im Muskel, wo Dysbalancen entstanden sind. Hinter jeder Blockade steckt ein Auslöser. Mit verschiedenen Methoden wird Altes dann neutralisiert, losgelassen und Vision für Neues geschaffen.

Mit welcher konkreten Übung können wir beginnen ?

Rahel Papis : Der Kinesiologie Selbsttest ist dafür sehr hilfreich. Hier eine Kurze Anleitung: Stellen Sie sich gerade hin und spüren Sie in sich hinein, von Kopf bis zu Ihren Zehenspitzen. Sagen Sie innerlich ein klares «JA» und beobachten Sie was passiert. Tendenziell kippt der Körper dann nach vorne. Probieren Sie dasselbe mit einem «Nein». Hier bekommen Sie eher ein Kippen nach hinten. Es kann auch ein seitliches Kippen sein. Finden Sie für sich heraus, in welche Richtungen Ihr Kippen ist. Machen Sie dieselbe Übung und denken Sie an etwas Schönes und dann an etwas Negatives. So können Sie im Alltag hineinspüren wie Ihr Gefühl zum Thema/zur bevorstehenden Situation etc. steht. Fragen Sie sich was dahinter steckt und schauen Sie sich für diese Themen genauer an, was Sie treibt.

Irina Horvath : Eine erste konkrete Übung ist, im Stehen zuerst die Füsse zu spüren, die Aufrichtung der Wirbelsäule und die inneren, stets vorhandenen kleinen Bewegungen wahrzunehmen. Zusammen mit dem Atem diese inneren Bewegungen vergrössern und in einen äussern Ausdruck bringen, wobei ich genau beobachte, woher der nächste Bewegungsimpuls kommt.

Gabriele Andler : Wir starten mit einer kleinen Achtsamkeitsübung, um uns auf das Journaling vorzubereiten und lenken die Aufmerksamkeit auf die Bewegung, die der Atem im Bauch- und Brustraum hervorruft. Und wenn wir nach ein paar Atemzügen ganz im Moment angekommen sind, führen wir den Satzanfang „Ich genieße es, wenn…“ fort und schreiben was immer uns einfällt. Für 3 Minuten lassen wir uns von den aufkommenden Gedanken, Gefühlen und Impulsen führen. Nichts wird bewertet, korrigiert und es wird auch nicht analysiert oder nachgedacht. Wir verlangsamen die Gedanken und folgen nur dem einen Gedanken des jeweiligen Augenblicks. Das schafft Ordnung und lässt Raum für die Intuition. Denn nur wenn Platz ist, kann ja was „ein-fallen“.