Ist das der Anfang der Wechseljahre ?

Ist Ihre Haut trockener als zuvor, Ihre Libido gesenkt, Sie nehmen schneller Gewicht zu, haben Hitzewallungen und sogar eine stärkere Regel als sonst ? Dann kann es sein, dass Sie in der Phase vor den Wechseljahren sind.
Die Zeit vor den Wechseljahren und die Wechseljahre selber sind grosse hormonelle Veränderungen, die mehrere Frauen (und ihr Umfeld) aus der Fassung bringen können.

Holistia hat drei Experten nach Tipps gefragt, um diese Veränderung gelassen anzugehen:

 

  • Gabriella Delvecchio , holistische Ernährungsberatin und leidenschaftliche Köchin.Sie leitet Koch-Workshops und bietet Beratungen an, um das Gleichgewicht der Ernährung wiederherzustellen und um abzunehmen. Ausserdem betreut sie Personen bei Krankheiten (zum Beispiel Diabetes, Herzkreislaufprobleme, etc.).
  • Maria-Elena Valeri ist Dipl. Naturheilpraktikerin und arbeitet bei der Nature First Apotheke in Zürich. Ein Schwerpunkt ihres Angebotes ist die Frauengesundheit. Diese beinhaltet die Phytotherapie und die Therapeutische Frauenmassage.
  • Madeleine Gasmi ist Hatha- und Kundalini-Yoga-Lehrerin, Seniorenyogalehrerin, Yoga-Coach, Klangarbeiterin und als Sozialpädagogische Familienbegleiterin tätig. Da sie selbst 58 Jahre alt ist, kennt sie die Thematik auch aus persönlicher Erfahrung.

In diesem Artikel gehen die drei ExpertInnen genauer auf ihre Methoden ein und geben ihre Erfahrungen weiter.

Drei Dinge, die Sie sich aus diesem Artikel merken sollten:

Es gibt Lösungen. Alles ertragen ist keine Lösung.

Wenden Sie schon ab den ersten Symptomen präventive Massnahmen an, für eine sanfte, angenehme hormonelle Umstellung.

Es gibt keine sofortige Lösungen. Jede Behandlung braucht seine Zeit und ist ein fester Bestandteil der jeweiligen Lebensweise.

Welches sind die Anzeichen der Vorwechseljahre und Wechseljahre ?

Gabriella Delvecchio : Die Vorwechseljahre finden vor den Wechseljahren statt. Es handelt sich um eine Zeitspanne, wo die Frau eine zwischenzeitliche biologische Veränderung erlebt. Während dieser Phase, welche 3 bis 5 Jahre dauert, können einige Symptome auftreten (Herzflattern, Scheidenentzündung, Kreislaufstörungen, Hauttrockenheit). Die Wechseljahre sind ein physiologisches Phänomen, welche nach den letzten Perioden beginnen. Danach hat man keine Regel mehr und auch keinen Eisprung. Um sicher zu sein, dass man definitiv in die Wechseljahre gekommen ist, muss die Regel zwischen 1 und 2 Jahre ausgeblieben sein. Für dieses Phänomen gibt es kein bestimmtes Alter, es kommt aber meistens bei den Frauen zwischen 45 und 52 Jahren vor.

Die Symptome, welche von den Frauen am meisten wahrgenommen werden sind Hitzewallungen, Schlafprobleme, Scheidentrockenheit, Gewichtszunahme, Wassereinlagerung, Stimmungsschwankungen, niedrige Libido (oftmals aufgrund der sinkenden Östrogene).

Maria-Elena Valeri : Es gibt viele Symptome, hier eine Liste der Hauptbeschwerden :

Vorwechseljahrbeschwerden:

  • prämenstruelles Brustspannen, Wassereinlagerungen, Venenprobleme
  • Schmierblutungen, kurze Zyklen, Zyklusschwankungen
  • Verstärkte Blutungen
  • Kalte Hände/Füße, Gelenkbeschwerden
  • Gewichtszunahme, Libidoverlust
  • Haarausfall, Hautprobleme
  • Migräne
  • Myome, Zysten

Wechseljahrbeschwerden:

  • Hitzewallungen
  • Trockenheit von Haut und Schleimhaut, besonders der Vaginalschleimhaut
  • Funktionelle Herzbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen

Madeleine Gasmi : Tendenziell tritt in der Prämenopause eher ein Progesteronmangel auf.

Progesteron, ein Gelbkörperhormon, wird bei Frauen hauptsächlich in der zweiten Phase des Menstruationszyklus und während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet.

Symptome: Gereiztheit, Innere Unruhe, Angst, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, geringes Selbstwertgefühl, erhöhte Reizempfindlichkeit, Schwindel und Übelkeit, verkürzte Zyklen, Zwischenblutungen, Brustspannen, niedriger Blutdruck, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen.

In der Postmenopause hingegen leiden Frauen eher an Östrogenmangel. Östrogene sind die wichtigsten weiblichen Sexualhormone, die vor allem in den Eierstöcken gebildet werden.

Symptome: Depressive Verstimmungen, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, schlechtes Gedächtnis, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Hitzewallungen, nächtliche Schweissausbrüche, trockene Schleimhäute.

Wie kann Ihre Methode helfen ?

Maria-Elena Valeri : Je nach Beschwerdebild können passende Pflanzen mit sogenannten Phytohormonen eingesetzt werden, die auf das hormonelle System wirken. Die Produktewahl wird individuell je nach Beschwerden empfohlen. Zum Beispiel :

Frauenmantel (Alchemilla):

  • hormonausgleichend
  • blutstillend
  • entzündungshemmend

Anwendung: bei allen Frauenleiden von A-Z

Schafgarbe (Achillea):

  • blutstillend, aber auch blutungsstärkend
  • entzündungshemmend
  • verdauungsfördern
  • entkrampfend
  • stärkt die Mitte

Anwendung: Dysmenorrhoe (krampfartige Menstruations-Beschwerden)

Wilde Yamswurzel (Dioscorea villosa):

  • Progesteron ähnliche Wirkung
  • hormoneller Ausgleich bei PMS (Prämenstruelles Syndrom) und in den Wechseljahren

Anwendung: PMS und Wechseljahresbeschwerden (Progesteron Mangel, bzw. Oestrogendominanz)

Madeleine Gasmi : Kundalini-Yoga ist ein ganzheitlicher, dynamischer und energetisierender Yogastil, bestehend aus Kriyas (spezifische vorgegebene Übungssets) mit Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemtechniken), Mantra (Klangsilben), Mudra (Handgesten) und aktive Meditationstechniken. Es aktiviert das Drüsen- und Hormonsystem, stärkt das Nervensystem, öffnet das Herz und unterstützt psychische Stabilität.

Ergänzt durch yogische gesunde Ernährung und einen ganzheitlichen gesunden Lebensstil, verbessert es die Lebensqualität rundum auf körperlicher, seelischer und emotionaler Ebene.

Es gibt hunderte verschiedener Kriyas, welche die Balance und Vitalität in dieser Lebensphase unterstützen. Sie werden im Internet und in Büchern beschrieben und selbstverständlich von Kundalini Yoga Lehrerinnen unterrichtet.

Einige Beispiele:

Gabriella Delvecchio : Bei jeder Mahlzeit Proteine essen. Eiweisse helfen ein gesundes Körpergewicht  beizubehalten, da sie den Blutzucker stabilisieren und das Sättigungsgefühl steigern. Beachten Sie dennoch:

  • Abends tierische Eiweisse vermeiden, ziehen Sie weisses Fleisch oder Wildfisch vor und setzen Sie auch pflanzliche Proteine ein.
  • Vermeiden Sie verarbeitete Lebensmittel, inklusive Gemüse aus Hors Sol Zucht.
  • Vermeiden Sie « Light » Produkte, industriell hergestellte Produkte sowie Farbstoffe und Zusatzstoffe jeder Art.
  • Schränken sie ein oder vermeiden Sie giftige Stoffe wie Kaffee, Tee, Kakao, Zigaretten und ersetzen Sie diese mit Stärkungsmittel wie Thymian, Rosmarin, Muskatnuss, etc. Es gibt eine grosse Auswahl für die Erholung.
  • Vermindern sie gebratene Fette und achten Sie drauf, dass sie pro Tag genügend kaltgepresste Öle verwenden. Diese sind reich an Vitamin E und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Vitamin F). Bevorzugen Sie Sonnenblumenöl, Distelöl, Sesamöl, Nussöl, Haselllnusöl und Traubenkernöl. Tagesbedarf: zwei Esslöffel.
  • Vermeiden Sie ungesäuertes Brot. Ziehen Sie Flocken vor oder noch besser, gekochtes Vollkorn, frisch gemahlen und glutenarm.
  • Fügen Sie den Mahlzeiten gekeimtes Vollkorn hinzu.
  • Verzehren Sie einge genügende Menge Gemüse mit grünen Blättern, sowie Mandeln, Sesam, frische oder gedörrte unverarbeitete Aprikosen.
  • Verwenden Sie frische Lebensmittel und Vollwertkost, hauptsächlich aus Rohkost.
  • Die ausgewogene Ernährung einer Frau während den Wechseljahren und davor muss 30 g Ballaststoffe pro Tag enthalten. Die Ballaststoffe regeln den Glukosegehalt im Blut, damit man lange satt ist. Darüber hinaus hilft es, Brustkrebs vorzubeugen.

Zuerst einmal muss man frische Früchte und frisches Gemüse begünstigen, welche aus biologischem Anbau sind, lokal und saisonal, 2-3 Mal pro Woche fetthaltiger Fisch, kaltgepresste Öle, gekeimte Saatkörner. Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, stoppen Sie den Gebrauch von Tabak, bevorzugen Sie basische Lebensmittel. Schränken Sie den Verzehr von Zucker und Zuckerersatzstoffe ein.

Ab wann ist es sinnvoll etwas gegen die Beschwerden zu unternehmen ?

Maria-Elena Valeri : Sobald die Lebensqualität durch die Beschwerden beeinträchtigt wird.

Grundsätzlich wirkt eine ausgewogene und vollwertige Ernährung und regelmäßige Bewegung, besonders im Freien unterstützend.

Gabriela Delvecchio : Man sollte immer eine ausgewogene Ernährung haben, nicht nur während einem Lebensabschnitt. Regelmässig eine Entwässerung durchführen (zum Beispiel der Leber), mehr Ballaststoffe in die Ernährung einbinden, mehr Gemüse mit dunkelgrünen Blätter essen.

Madeleine Gasmi : Je früher desto besser! Kundalini-Yoga begleitet durch seinen ganzheitlichen Ansatz das ganze Leben. Aber auch Menschen, die erst spät anfangen, erfahren schon nach kurzer Zeit die kraftvolle Wirkung von Kundalini-Yoga, oft schon nach der ersten Yogastunde. Durch tägliche Übungseinheiten wird die Wirkung optimiert.

Sollte man die unterstützende Maßnahmen dann immer (ein Leben lang) befolgen ?

Gabriela Delvecchio : Die Ernährung ist nicht der einzige Tragpfeiler der Gesundheit, aber es steuert seinen Teil bei.

Man sollte auch dafür sorgen, dass man regelmässig eine sportliche Tätigkeit ausübt, sich die Ruhezeiten einteilt (z.B. Meditation), und gut schläft.

Maria-Elena Valeri : Die Therapie sollte durch einen Naturheilpraktiker überwacht und je nachdem die Dosis korrigiert bzw. angepasst werden.

Die empfohlenen Produkte werden so lange eingenommen wie es der Patient benötigt.

Hingegen ist eine Kur mit Bitterstoffe immer empfehlenswert, da sie gegen den verlangsamten Stoffwechsel beim Älterwerden wirken.

Madeleine Gasmi : Ja, am besten mindestens ein- bis mehrmals wöchentlich, optimal täglich.

Wechseljahre und Sexualität: Die Ratschläge von Barbara Balldini, Dipl. Sexualpädagogin

 

Welche Einfluss haben die Wechseljahre auf der Sexualität ?

Durch die verringerte Produktion von Sexualhormonen wird die Frau nicht mehr so schnell feucht. Es kommt zu Scheidentrockenheit, mitunter auch zu Juckreiz in der Vagina und zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Viele Frauen sind erstmal traurig und verzweifelt, weil sie merken, dass etwas mit ihrem Körper geschieht und dieser sich stark verändert. Häufige Gewichtszunahme und der damit verbundene Frust, bzw. die Angst, nicht mehr attraktiv zu sein, machen ihnen ebenfalls zu schaffen. Physische und psychische Probleme gehen oft Hand in Hand und führen nicht selten zu Libidoverlust. Der Partner traut sich nicht mehr auf seine Frau zuzugehen, weil er befürchtet, abgewiesen zu werden oder ihr beim Akt weh zu tun.

Der sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren setzt auch dem Beckenboden zu. Das Muskelgeflecht im Unterleib erschlafft und Blasenschwäche ist eine häufige Folge. Viele Frauen schämen sich, wenn sie unkontrolliert Urin verlieren, womöglich noch beim Sex und drücken sich fortan vor jedem sexuellen Kontakt. .

Trotz all dieser Faktoren und Einflüsse muss ein Liebesleben dadurch nicht vertrocknen. Vorsicht ist geboten vor verbitterten Selbstbildern und falscher Scham!

In Wirklichkeit kennt Lust auch im Alter keinen Ruhestand und Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Grundsätzlich sind jedoch die Auswirkungen der Wechseljahre so individuell wie jeder Mensch selbst.

 

Wie kann man diese Einflüsse reduzieren?

Die Einnahme von Östrogene (mit natürlichen Mitteln oder mit Lösungen aus der Schulmedizin) sind behilflich für eine deutliche Abnahme der Schmerzen beim Sex und für ein besseres sexuelles Wohlbefinden.

Blasenschwäche ist ebenfalls gut zu therapieren und der Beckenboden lässt sich durch regelmäßige Übungen trainieren. Beachtlicher Begleiteffekt: Wer starke Beckenbodenmuskeln hat, kommt beim Sex eher zum Höhepunkt und erlebt einen Orgasmus intensiver. Deshalb ist es ratsam auch noch während der Wechseljahre Übungen zum Festigen des Beckenbodens zu machen.

Für Psyche und Geist sind tägliche Spaziergänge an der frischen Luft, bzw. Sportarten, die richtig Spaß machen, sehr erbauend. Denn Sauerstoff, Bewegung und Sonnenlicht sorgen für die Stabilisierung der Anti-Depressionshormone und führt zu Produktion von Glückshormonen. Diese wiederum brauchen wir dringend, um Lust auf Sex zu haben.

 

Wie kann man sich weiterhin als Frau und sexy füllen?

Dies ist natürlich eine Frage der Sichtweise. Hier wiederum ist es gut, wenn man als Frau den Focus auf die Fülle legt und nicht auf den Mangel. Das Schöne ist, dass man als reife Frau erfahrener ist und sich dadurch freier fühlt und gelöster. Man ist nicht mehr so abhängig von der Meinung anderer und kann selbstbewusster auftreten. Selbstbewusstsein macht sexy.

Bei der Kleidung sollte man darauf achten, dass sie nicht zu jugendlich rüber kommt. Das kann peinlich wirken. Stilvolle, bunte, fröhliche, feminine Muster und Schnitte, die das Weibliche betonen, nicht allzu hohe Schuhe sind empfehlenswert. Wichtig ist, dass man sich in seiner Haut und Kleidung wohl fühlt.

Regelmäßig Wellness und Schönheitspflege bringen Wohlgefühl und Freude. Dies wiederum wirkt sich auf unsere Ausstrahlung aus.

Zum Schluss der beste Rat: Lächeln und offenen Herzens auf Menschen zugehen, denn wir wissen ja: „Schönheit kommt von innen“.

Über:

1 Pressefoto Barbara Balldini ©JoLa klein-min

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